Bundestagswahl

Petra Nicolaisen: Deutsche Minderheit verliert eine Freundin im Bundestag

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CDU-Politikerin Petra Nicolaisen ist eine präsente Persönlichkeit in den Minderheiten beiderseits der Grenze. Sie wird nicht in den neuen Bundestag einziehen.

„Ich habe Minderheitenpolitik gelebt und geliebt“, sagt die CDU-Politikerin Petra Nicolaisen im Telefonat mit dem „Nordschleswiger“. Sie hat das Direktmandat für den Bundestag in ihrem Wahlkreis Flensburg-Schleswig gewonnen. Aufgrund der Wahlrechtsreform kann sie jedoch nicht in den Bundestag einziehen – eine für die deutsche Minderheit schlechte Nachricht.

„Das war für mich die Hiobsbotschaft des Wahlabends“, sagt Uwe Jessen, Generalsekretär des Dachverbandes der deutschen Minderheit, dem Bund Deutscher Nordschleswiger (BDN). Damit meint er nicht etwa das gute Wahlergebnis der Rechtspopulisten, sondern das Ausscheiden von Petra Nicolaisen aus dem Bundestag, obwohl sie ihren Wahlkreis Flensburg-Schleswig gewonnen hat.

Aufgrund einer Wahlrechtsreform werden die Sitze im Bundestag nur noch entsprechend der Zweitstimmenergebnisse vergeben. Gewinnt eine Partei mehr Wahlkreise als ihr Sitze zustehen, können die Kandidierenden, die ihren Wahlkreis mit den geringsten Stimmenanteilen gewonnen haben, nicht ins Parlament einziehen. Das ist bei Petra Nicolaisen und der CDU der Fall.

Uwe Jessen und Hinrich Jürgensen
Uwe Jessen und Hinrich Jürgensen setzen sich in Berlin, Kiel und Kopenhagen für die Interessen der Minderheit ein und sind dabei auf wohlgesinnte Politikerinnen und Politiker wie Petra Nicolaisen angewiesen.

Sie konnte sich in ihrem Wahlkreis mit 26,5 Prozent der Erststimmen gegen den Kanzlerkandidaten der Grünen, Robert Habeck, durchsetzen. Letztlich reichte das Ergebnis jedoch nicht aus, um einen der 208 Sitze zu ergattern, die der Union im Bundestag zustehen.

Herber Verlust für die Minderheit

Der BDN-Hauptvorsitzende Hinrich Jürgensen reagiert darauf aus der ersten Emotion heraus: „Das ist so sch...ade (Änderung der Redaktion).“ Er wirkt aufgebracht. „Das ist ein wirklicher Verlust für uns.“ Nicolaisen habe sich für die Belange in Nordschleswig starkgemacht und den Vertretern aus dem Haus Nordschleswig oft ihr breites Netzwerk zur Verfügung gestellt. „Petra hat uns viele Türen geöffnet und Treffen mit Menschen ermöglicht, an die wir sonst nicht oder nur schwer herangekommen wären.“

„Ich habe Minderheitenpolitik gelebt und geliebt“, sagt Petra Nicolaisen im Telefonat mit dem „Nordschleswiger“. Seit 2009 habe sie die deutsche Minderheit in Dänemark erst als Politikerin im schleswig-holsteinischen Landtag, später als Bundestagsabgeordnete begleitet. „Die Nordschleswiger liegen mir sehr am Herzen.“

Nicolaisen will der Minderheit treu bleiben

Wie es für sie jetzt weitergeht, werde sich noch zeigen, das Kapitel Berlin möchte sie jedoch noch nicht schließen. „Ich würde gerne irgendwie hier weitermachen. Aber es gibt noch keine konkreten Pläne.“

Den Minderheiten im deutsch-dänischen Grenzland verspricht sie, dass ihre Türen immer offen stehen und macht deutlich, dass sie nach wie vor viele Kontakte habe: „Ich möchte gerne weiterhin helfen, wo ich kann.“