Nordschleswig

Ein Regisseur aus Passau dreht einen Psychothriller für die deutsche Minderheit

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Der Spielfilm „Haus Quickborn“ soll im Herbst 2026 erscheinen.

Wie kann die Minderheit ihre Vergangenheit weiter aufarbeiten? Mit einem Film, der im Haus Quickborn spielt, findet der Bund Deutscher Nordschleswiger. Weshalb die Versammlungsstätte in den Mittelpunkt gerückt ist und warum ein Filmemacher aus Passau das Projekt realisieren soll, verraten Produzent Uffe Iwersen und Regisseur Luka Radovic.

Nach dem „Krug an der Wiedau“ soll es einen neuen Spielfilm für die deutsche Minderheit in Nordschleswig geben. Der Arbeitstitel des neuen Projekts heißt „Haus Quickborn“. Verantwortlich dafür ist Kulturkonsulent Uffe Iwersen. Er arbeitet beim Bund Deutscher Nordschleswiger (BDN), dem Dachverband der deutschen Minderheit in Dänemark. Iwersen und der Regisseur Luka Radovic haben im Podcast „Mojn Nordschleswig“ die wichtigsten Fragen und Antworten geklärt.

Wie ist es dazu gekommen, dass es einen neuen Film geben soll?

Uffe Iwersen: „Wir haben jedes Jahr eine Theatergruppe aus Deutschland zu Besuch, die durch unsere Kindergärten ziehen und ein Stück aus der Katze-Bartputzer-Reihe spielen. Diese Theatercrew habe ich meistens im Haus Quickborn untergebracht. Nach einem Theatertag saßen wir dort noch beim Bier zusammen. Es war November, unheimliches Wetter draußen, wir ganz allein im Haus Quickborn, und da meinten die Schauspielerinnen und Schauspieler von Katze Bartputzer: eigentlich ein idealer Ort, um einen Horrorfilm zu drehen. Und dann stellte sich heraus, dass Ronja Seyfried, eine von der Schauspielcrew, einen Freund hat, der Filmregisseur ist.“

Das bist du, Luka?

Luka Radovic: „So ist es.“

Du wohnst eigentlich in Passau?

Luka Radovic: „Genau, ich komme gebürtig aus Stuttgart, und ich bin vor neun Jahren nach Passau gezogen, um dort zu studieren. Dort habe ich mich verliebt, in die Ronja und bin dann im Passau hängen geblieben.“

Worum geht es denn in dem Film?

Das Haus Quickborn wird vom 10. November bis zum 5. Dezember zum Drehort für den gleichnamigen Psychothriller.

Uffe Iwersen: „Wir haben uns in erster Linie viele Gedanken über einen Horrorfilm gemacht. Dann ist uns aber klar geworden, was wir mit diesem Film wollen. Im Gegensatz zum ,Krug an den Wiedau’ haben wir jetzt vor, ein etwas ernsteres Thema anzupacken. Und zwar die dunkle Nazi-Geschichte der deutschen Minderheit in Dänemark. Da mit einem Horrorfilm ranzugehen, wäre dieser Thematik nicht gerecht geworden. Deswegen wird es schlussendlich kein Horrorfilm, sondern etwas in Richtung Psychothriller. Aber ja, es ist ein Kulturbeitrag der Minderheit zur eigenen Aufarbeitung der dunklen Nazi-Zeit.“

Kannst du mehr zu dem Plot sagen?

Uffe Iwersen: „Wir haben uns tatsächlich an Katze Bartputzer und der Schauspielcrew orientiert. Eine Schauspielgruppe, die der BDN engagiert hat, um ein Theaterstück aufzuführen, kommt ins Haus Quickborn. Sie werden da dann auch vom BDN begrüßt. Quasi so, wie es in der Realität auch sein würde. Vor Ort passieren merkwürdige Dinge, die unerklärlich sind. Es erscheinen Charaktere, die man auch aus dem wirklichen Minderheitenleben kennt.“

Luka Radovic: „Genau. Also nur zum Verständnis: Wir haben in der Vorarbeit sehr viel recherchiert, auch in Zusammenarbeit mit dem Deutschen Museum Nordschleswig. Museumsleiter Hauke Grella hat uns da zum Beispiel unfassbar geholfen. Vor allem in der historischen Recherche. Also sämtliche psychologischen Hintergründe oder persönlichen Geschichten der Figuren, ihre Vorstellungen davon, wo sie hinwollen, was deren Ziele sind, was deren Wünsche sind, sind aus dem echten Leben extrahiert und in diesen Film eingebaut worden. Alles hat einen realen Hintergrund aus dieser Region. Und ich glaube, das ist vor allem das Ziel, diese Geschichten zu erzählen.“

War es schwer, sich in diese Thematik reinzudenken?

Kerrin Trautmann, Uffe Iwersen und Luka Radovic (r.) haben im Podcaststudio über den neuen Spielfilm gesprochen.

Luka Radovic: „Tatsächlich überhaupt nicht. Meine Familie stammt aus Bosnien und ist wegen des Krieges nach Deutschland gekommen. Interkulturelles Zusammenleben kann entweder auf die eine Art und Weise funktionieren, so wie hier, oder eben auch nicht, so wie da, wo meine Familie herkommt. Es gibt sehr viele Parallelen und viele Sachen, die hier wunderbar funktionieren und sehr gut gelaufen sind, vor allem innerhalb der letzten 80 Jahre. Umso mehr hat es mich interessiert zu verstehen, warum das funktioniert, was die Hintergründe sind. Und ich glaube, dass tatsächlich in allen Grenzgebieten dieser Welt – Passau ist ja auch im Länderdreieck – sehr ähnliche Sachen passiert sind.“

Gibt es Schauspielerinnen oder Schauspieler, die bei dem „Krug an der Wiedau“ mitgespielt haben und jetzt in dem neuen Projekt auch wieder vor der Kamera stehen?

Uffe Iwersen: „Ja, die männliche Hauptrolle wird von Mathias Harrebye-Brandt besetzt. Wir haben aber auch Helmuth Petersen dabei, der eine kleine, aber wichtige Rolle übernimmt. Wir arbeiten aber auch wieder mit Laiendarstellern. Helmuth ist ja ein Laiendarsteller. Aber wir haben zum Beispiel eine Rolle des Hausmeisters des Hauses Quickborns dabei. Und diese Rolle übernimmt Freddy Hansen, der wirkliche Hausmeister im Haus Quickborn.“

Worauf freut ihr euch am meisten in diesem Projekt?

Uffe Iwersen: „Ich habe so ein bisschen Hummeln im Hintern. Ich möchte am liebsten morgen loslegen mit den Dreharbeiten, denn jetzt haben wir schon relativ lange diese ganze Vorarbeit, diese auch teilweise sehr lästige Vorarbeit gemacht, und jetzt möchte man am liebsten loslegen, was aber nicht geht, weil da noch viele, viele, viele Sachen als Vorbereitung kommen. Aber man würde am liebsten loslegen.“

Luka Radovic: „Ja, mir geht es genauso. Also ich glaube, bei einem Film allgemein gesprochen kann man sagen, dass 70 Prozent der Arbeit im Vorhinein passieren. Das Drehen an sich ist quasi der größte Spaß. Ich glaube, das sehen alle so. Aber das Drehen an sich macht tatsächlich nur 10 Prozent oder so aus. Also je besser man sich vorbereitet, desto einfacher ist es dann beim Dreh. Und deswegen freue ich mich sehr aufs Drehen.“

Wer das ganze Interview von „Mojn Nordschleswig“, hören möchte, kann dies hier tun: