Einwanderung

Zuzug nach Dänemark weiter hoch – aber ein Viertel ging 2024 zurück

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Julia Schatte ist zusammen mit ihrer Kollegin Ruth Faber unter anderem für den Zuzügler-Service in der Kommune Apenrade zuständig.

Nach wie vor ist die Anzahl der Deutschen, die gerne in Dänemark leben wollen, hoch. Das hat eine Nachfrage des „Nordschleswigers“ bei der Kommune Apenrade gezeigt. Doch nicht alle bleiben: 2024 sind etwa ein Viertel der deutschen Staatsbürgerinnen und -bürger zurück nach Deutschland gezogen. Die Kommune und das Regionskontor nennen Gründe.

452: So viele deutsche Staatsbürgerinnen und -bürger sind im vergangenen Jahr aus Deutschland in die Kommune Apenrade gezogen. Das geht aus den Zahlen hervor, die die Kommune auf Anfrage des „Nordschleswigers“ zur Verfügung gestellt hat. „Damit bleibt Deutschland Top eins bei der Zuwanderung“, sagt Julia Schatte, die in der Kommune für Zuzüglerservice und die deutsch-dänische Zusammenarbeit zuständig ist.

Zum Stichtag 23. September in diesem Jahr ist die Kommune Apenrade um 242 Deutsche angewachsen. „In den Sommermonaten geht es mit den Zahlen etwas runter, weil die jungen Menschen mit der Schule fertig werden und dann in die Studentenstädte ziehen“, so Schatte.

Kommune hilft bei Fragen

Die Deutschen haben jede Menge Fragen im Gepäck: Wo kann ich ein Haus kaufen? Wie funktionieren „MitID“ und „eboks“? Was ist mit der Einwanderungsbehörde Siri? Wo gibt es Sprach- und Sportkurse? Wie finde ich einen Job? Und manchmal wird es sehr speziell. „Da will auch schon mal jemand wissen, wo der Mist von den Pferden abgeladen werden kann. Da muss ich dann auch erst mal gucken“, erzählt Julia Schatte und lacht.

Unterstützung von eigenen Botschafterinnen und Botschaftern

Wer neu in Dänemark ist, hat oft viele Fragen. Wird es zu speziell, muss auch Julia Schatte erst mal recherchieren.

Auf der Webseite der Kommune Apenrade wird noch ein weiterer Service angeboten: Nämlich Unterstützung von Menschen, die selbst nach Dänemark ausgewandert und längst gut integriert sind. Deutsche Botschafter nennt die Kommune diese. Mit ihren Erfahrungen sollen sie den Neulingen das Leben einfacher machen; etwa auf Netzwerke verweisen und Tipps und Empfehlungen geben, die die Kommune nicht geben darf, oder auch Willkommenstreffen organisieren. Einen Haken hat die Sache: „Dieser Service wird nicht so richtig in Anspruch genommen. Da müssen wir sichtbarer werden“, sagt Julia Schatte.

113 der zugezogenen Deutschen gingen 2024 zurück

Trotz aller Unterstützung: Nicht jeder, der nach Dänemark zieht, bleibt. Von den 452 Zugezogenen gingen vergangenes Jahr 113 deutsche Staatsbürgerinnen und Staatsbürger, die in der Kommune Apenrade gemeldet waren, zurück nach Deutschland.

„Das beinhaltet aber auch Schüler, die mit der Schule fertig sind und in die Studentenstädte ziehen“, weiß Julia Schatte.

Zum Stichtag 23. September dieses Jahres sind von 242 Zugezogenen 89 Deutsche zurück in ihr Heimatland gezogen.

Warum jemand Dänemark wieder verlässt, dafür gibt es ganz unterschiedliche Gründe. „Einige kommen mit dem System nicht klar, oder aber man trennt sich von seinem dänischen Partner und geht dann wieder zurück“, so die Zuzügler-Beraterin. Es sei häufig auch eine Frage, was man erwarte: „Urlaub in Dänemark ist etwas anderes. Da darf man sich keine Illusionen machen.“ Und: Die Sprache zu lernen, sei das A und O.

Regionskontor Pattburg kennt auch Härtefälle

Peter Hansen vom Infocenter Regionskontor sieht das mit dem Urlaub differenzierter. „Rentner, die hier 30 Jahre Urlaub gemacht haben, kommen in der Regel gut zurecht“, meint der Leiter des Infocenters. Allerdings würden sich Glücksritter, bei denen in Deutschland schon alles auf Kante genäht war, schwertun in Dänemark.

Oft funktioniere auch das Business nicht, „Bed & Breakfast ist der Klassiker“, sagt Peter Hansen und fügt hinzu: „Wenn die Ersparnisse aufgebraucht sind, das Haus nicht verkauft werden kann, weil es für unbewohnbar erklärt wurde oder zu weit draußen liegt, dann müssten diese Menschen eigentlich zurück nach Deutschland. Doch sie können nicht.“

Es gibt Menschen, die müssten eigentlich zurück, aber sie können nicht.

Peter Hansen

Es gibt nicht viele solcher Fälle, ordnet Peter Hansen ein. Etwa zehn, fünfzehn in den vergangenen Jahren. „Doch die sorgen dann für Trubel.“ Dann gehe es etwa darum, auf welche Sach- oder Geldleistung Betroffene Anspruch haben und wer dafür zuständig ist. Das Regionskontor hilft auch hier, führt unter anderem Gespräche mit dem Sozialdienst und der Kommune. „Das ist ein langwieriger, fortlaufender Prozess“, sagt Peter Hansen.

Wo es Info und Unterstützung gibt

• Regionskontor Pattburg: Informationen rund um den Zuzug nach Dänemark gibt es auf der Webseite des Regionskontors.
Kommune Apenrade: Wer Hilfe von den Zuzügler-Botschaftern benötigt – oder auch selbst einer dieser Freiwilligen werden will – findet hier auf der Seite der Kommune Apenrade Informationen dazu. Dort wird auch aufgeführt, was die Botschafterinnen und Botschafter leisten können und was nicht.