Jubiläum

450 Jahre St. Petri-Gemeinde in Kopenhagen: Eine deutsch-dänische Geschichte

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Die Petri-Kirche: Ein Symbol der langen deutschen Geschichte in Kopenhagen (Archivbild)

Die St. Petri-Gemeinde ist weit mehr als ihre historische Kirche – sie steht für gelebte Integration. Doch warum gibt es überhaupt seit 450 Jahren eine deutsche Gemeinschaft in Kopenhagen? Zum Jubiläum blickt die Gemeinde auf eine bewegte Geschichte zurück.

Die Sankt Petri-Gemeinde in Kopenhagen feiert ihren 450. Geburtstag. Zum Jubiläum wird ihre Geschichte am Sonntag, 23. Februar, mit einem Festgottesdienst (ab 11 Uhr in der St. Petri-Kirche) und einem umfangreichen Programm gewürdigt.

Doch wie kam es eigentlich dazu, dass König Frederik II. der deutschen Gemeinde 1585 mit der St. Petri-Kirche eine der vier städtischen Pfarrkirchen Kopenhagens vermachte? Und wie entwickelte sich das deutsch-dänische Verhältnis in Kopenhagen über die Jahrhunderte hinweg? Anlässlich des Jubiläums werfen wir einen Blick auf die Geschichte der St. Petri-Gemeinde.

Deutsch als Hofsprache und die Bedeutung der St. Petri-Gemeinde

Sankt Petri

Die Sankt-Petri-Gemeinde besteht seit 1575. Sie ist eine königliche Stiftung und bis heute über einen königlichen Patron mit dem Königshaus verbunden.

Vor der Reformation war die Sankt Petri-Kirche eine der vier städtischen Pfarrkirchen Kopenhagens. Durch die Reformation kam sie in die Verfügungsgewalt des Königs. König Frederik II. stellte sie 1585 der deutschen Gemeinde zur Verfügung.

Die Petri-Gemeinde ist die einzige deutschsprachige Gemeinde der dänischen Volkskirche (Folkekirken).

Im 16. und 17. Jahrhundert war Deutsch die Sprache des Hofes und der Verwaltung in Kopenhagen. Der dänische König war zugleich Herzog von Schleswig und Holstein, weshalb viele seiner Berater und Beamten Deutsch als Muttersprache sprachen. Die St. Petri-Gemeinde, die zunächst aus deutschsprachigen Handwerkern und Verwaltungspersonal bestand, entwickelte sich schnell zu einem Zentrum der deutschsprachigen Elite. Zahlreiche deutsche Adelige und Offiziere, die enge Verbindungen zur Krone hatten, wurden in der Kirche beigesetzt.

Ein besonderes königliches Privileg

Die Zuweisung der St. Petri-Kirche an die deutsche Gemeinde war eine außergewöhnliche Entscheidung von König Frederik II. Nach der Reformation standen viele Kirchen leer, so auch die St. Petri-Kirche, die zeitweise für die Glocken- und Kanonengießerei genutzt wurde. Erst 1585 wurde sie wieder als Gotteshaus eingerichtet. Der König gewährte der Gemeinde nicht nur die Kirche, sondern auch privilegierte Rechte: Sie war direkt der Krone unterstellt und erhielt finanzielle Unterstützung. Bis heute besitzt die Gemeinde das Patronatsrecht, was bedeutet, dass ein Vertreter des Königs als Patronin oder Patron fungiert.

Der Wendepunkt: 1848 und 1864

Mit der zunehmenden nationalen Bewegung im 19. Jahrhundert änderte sich das deutsch-dänische Verhältnis. Die Schleswig-Holsteinischen Kriege, die 1848 begannen und 1864 mit der dänischen Niederlage endeten, führten zu einem Bruch zwischen Dänen und Deutschen. Der Verlust Schleswigs und Holsteins an Preußen und der Rückzug vieler deutscher Beamter aus der dänischen Verwaltung führte dazu, dass Deutsch seine frühere Bedeutung am Hof verlor. Auch die St. Petri-Gemeinde schrumpfte, blieb jedoch weiterhin bestehen.

St. Petri heute: Eine lebendige Gemeinde

Trotz politischer Umbrüche blieb die St. Petri-Gemeinde ein fester Bestandteil des kulturellen und gesellschaftlichen Lebens in Kopenhagen. Heute ist sie mehr als nur eine historische Institution. Sie ist ein aktiver Ort der Begegnung und ein Bindeglied zwischen den beiden Kulturen – mit einer engen Verbindung zur St. Petri-Schule. Neben den Gottesdiensten organisiert die Gemeinde eine Vielzahl an Veranstaltungen, wie Konzerte, Vorträge und Bildungsangebote, die das kulturelle Erbe lebendig halten.

Mit knapp 1.400 Mitgliedern zählt die St. Petri-Gemeinde heute zu den größten deutschen Auslandsgemeinden. Sie versteht sich weiterhin als Brücke zwischen deutschem und dänischem Kirchen- und Kulturleben und trägt zur Vertiefung der deutsch-dänischen Beziehungen bei.