Klimawende

Zwei grüne Rechenmodelle geben Klima und Umwelt eine Stimme

Zwei grüne Rechenmodelle geben Klima und Umwelt eine Stimme

Zwei grüne Rechenmodelle geben Klima und Umwelt eine Stimme

ghe/Ritzau
Kopenhagen
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Zwei neue Simulationsmodelle sollen Wirtschaftspolitik nachhaltiger gestalten und Umwelt und Natur stärker einbeziehen. Foto: Karin Riggelsen

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Wie viel kostet es, reine Luft einzuatmen oder einen Vogel zwitschern zu hören? Was kostet der Ausstoß einer Tonne CO₂ in Kronen? Und was kostet eine Gewässerverunreinigung? Zwei grüne Rechenmodelle der Universität Kopenhagen sollen künftig sicherstellen, dass Klima und Natur in der Wirtschaftspolitik mehr berücksichtigt werden.

Forscher der Universität Kopenhagen haben zwei Computermodelle entwickelt, die die Auswirkungen von Umwelt und Klima auf die Wirtschaft simulieren können. So soll es in Zukunft einfacher sein, die Bedeutung von Natur und Umwelt bei wirtschaftspolitischen Entscheidungen zu berücksichtigen.

Die zwei grünen Berechnungsmodelle namens „Grønt BNP“ (Grünes BIP) und „Grøn Reform“ (Grüne Reform) werden am Freitag an der Universität Kopenhagen vorgestellt. Sie sind in Zusammenarbeit mit Forschenden der Universität Aarhus entstanden. 

Die Idee ist es laut Pressemitteilung der Universität, „Wasserläufen, Wäldern, der Atmosphäre und der Haselmaus, die in einem dänischen Wald schläft, eine Stimme in der dänischen Wirtschaft zu geben“. 

Umweltverschmutzung beeinflusst Bruttoinlandsprodukt

Das „Grüne BIP“ soll es ermöglichen zu zeigen, wie hoch das dänische Bruttoinlandsprodukt (BIP) wäre, wenn die Auswirkungen auf die Umwelt berücksichtigt würden. Dabei werden zum Beispiel die Kosten der Luftverschmutzung eingerechnet. Dafür hat die Forschungsgruppe einen Wert für verschiedene Naturgüter festgelegt. Dabei halfen unter anderem Studien, in denen man repräsentative Bevölkerungsgruppen gefragt hat, wie viel sie bereit seien, für eine konkrete Umwelt- oder Klimaverbesserung zu bezahlen. 

Das BIP gibt den Gesamtwert aller Waren und Dienstleistungen nach Abzug aller Vorleistungen an, die während eines Jahres innerhalb der Landesgrenzen einer Volkswirtschaft als Endprodukte hergestellt wurden. Das BIP Dänemarks betrug im Jahr 2021 rund 398 Milliarden US-Dollar, 2,7 Billionen Kronen.

Peter Birch Sørensen, Professor für Wirtschaftswissenschaften an der Universität Kopenhagen, erklärt gegenüber „Ritzau“: „Wir können einen großen Unterschied feststellen. Wenn wir die Kosten für die Umweltverschmutzung vom traditionellen BIP abziehen, erhalten wir ein grünes BIP, das über 10 Prozent niedriger ist.“ Es mache daher einen großen Unterschied, ob man die Umwelt einbezieht oder nicht. 

Der Wissenschaftler, der für beide Projekte verantwortlich ist, geht davon aus, dass das grüne BIP Dänemark so um 250 Milliarden Kronen pro Jahr niedriger sei. 

„Grüne Reform“ blickt in die Zukunft

Während das Grüne BIP den Blick in die Vergangenheit wirft, schaut die „Grüne Reform“ in die Zukunft. Damit soll sichergestellt sein, dass bei der künftigen Gestaltung der Wirtschaftspolitik unter anderem die Kosten für die Umwelt beachtet werden. „Das Modell kann auch dazu verwendet werden zu sehen, welche Maßnahmen erforderlich sind, um das Ziel zu erreichen, unsere Treibhausgase bis 2030 um 70 Prozent zu reduzieren“, so Birch Sørensen.

Das Modell könne außerdem berechnen, wie sich eine bestimmte Klimapolitik auf die Volkswirtschaft auswirkt, erklärt er. „So wird es leichter sein, die Wirtschaftspolitik mit der Klima- und Umweltpolitik zu verbinden.“

Das Modell ist das größte seiner Art weltweit und erregt Aufmerksamkeit. Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) hat es kürzlich als Vorbild für andere Länder hervorgehoben.

Einsatz im Finanzministerium noch 2023?

Nach Angaben der Universität werde die Grüne Reform bis Ende 2023 in einer Reihe von Ministerien zum Einsatz kommen − unter anderem im Finanzministerium. Birch Sørensen hofft, dass Klima- und Umweltbelange künftig systematischer in die Wirtschaftspolitik einbezogen werden.

Schon im Jahr 2019 erklärte die Sozialdemokratie, die Grüne Reform nach ihrer Fertigstellung nutzen zu wollen. Der Grund dafür war, dass etwa Berechnungen des Finanzministeriums zu wenig auf das Klima ausgerichtet waren. 

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