Erfindungen für die Bauern

Kuh-App sorgt für mehr Tierwohl

Kuh-App sorgt für mehr Tierwohl

Kuh-App sorgt für mehr Tierwohl

SHZ
Mörel
Zuletzt aktualisiert um:
Gecheckt: Über eine neue App kann Milchviehhalter Klaus-Peter Lucht erkennen, ob es seinen Tieren an etwas fehlt. Foto: Marcus Dewanger/shz.de

Diesen Artikel vorlesen lassen.

Neuer Verein will Innovationen in der Landwirtschaft fördern und Investoren mit Ideengebern verbinden.

Es kostet Klaus-Peter Lucht nur einen Blick auf das Smartphone. Dort hat der Landwirt aus Mörel (Kreis Rendsburg-Eckernförde) Fotos von Kühen, die er mit den Tieren in seinem Stall vergleicht. „Ich kann sofort erkennen, ob mit meinen Kühen etwas nicht stimmt“, sagt der Milchviehhalter, der mit rund zwei Dutzend anderen am Pilotversuch „Tierwohl-Check“ des Landeskontrollverbandes (LKV) teilnimmt, der die gleichnamige App entwickelt hat. „Das Ding ist eine absolute Hilfe, weil es uns Landwirte davor bewahrt, betriebsblind zu werden. Wir haben ja das größte Interesse daran, dass es unseren Tieren gut geht“, sagt der Vize-Präsident des Bauernverbandes.

Verein will Innovationen praxistauglich machen

Im Mai 2022 endet das von der EU geförderte Projekt. „Wir wollen aber nicht, dass dann alles im Sande verläuft, sondern dass viele die App nutzen“, erklärt Daniela Stadte vom LKV. Um das dieser und anderen Innovationen in der Land- und Forstwirtschaft sowie in der Lebensmittelproduktion zu ermöglichen, hat sich jetzt das Zentrum für innovative Ernährungs-, Land- und Forstwirtschaft Schleswig-Holstein (Ziel) gegründet.

„Vereine für Wirtschaftsförderung gibt es schon länger, aber nicht für die Förderung von StartUps in der Landwirtschaft. Wir wollen so etwas wie eine Partnerbörse sein“, sagt die Vorsitzende Carola Ketelhodt. Ihr Ziel ist es, mit dem ehrenamtlich geführten und gemeinnützigen Verein Innovationen zu fördern und Ideen mit Investoren zusammenzubringen.

„Genau der richtige Ansatz in dieser Zeit“, meint Schirmherr Jan Philipp Albrecht (Grüne). Der Landwirtschaftsminister erhofft sich so mehr Impulse für die Umstellung der Landwirtschaft.

Der Verein will Studierenden Mut machen, StartUps ins Leben zu rufen, wenn sie gute Ideen haben. Deswegen wird der Verein von einer Basis aus Wissenschaft und Wirtschaft getragen. So will Ketelhodt etwa Projekte bekannter machen, in denen sich Bauern in Bodenkunde fortbilden oder berechnen können, wann sie wie ihren Knick pflegen müssen – um damit sowohl gutes Geld zu verdienen als auch die Natur schützen zu können.

Erleichterungen für die Landwirte

Dass es dem Verein nicht nur darum geht, Geld für Projekte zu bekommen, zeigt der „Tierwohl-Check“, den Klaus-Peter Lucht ausprobiert hat. Die Smartphone-App ist kostenlos für alle LKV-Mitglieder, sagt Daniela Stadte – und soll es bald für alle Bauern sein. „Uns geht es nicht ums Geld, sondern ums Tierwohl.“ Und mit der App können Bauern sehen, was ihren Tieren fehlt und daran deren Haltung ausrichten.

Für Lucht ist die App sinnvoll, denn so kann er leichter die betriebliche Eigenkontrolle seiner Tiere leisten, die die EU von ihm verlangt. „Ich muss nicht mehr mit Zettel und Stift in den Stall. Und die App erleichtert es uns, die Tiere gesund zu halten – und das Ding ist absolut praxistauglich.“

Mehr lesen

Leserbeitrag

Hanns Peter Blume
„Sozialdienst kam im Haus Quickborn zusammen“