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Vor der WM: „Deutsche Mannschaft besser als die dänische“

Vor der WM: „Deutsche Mannschaft besser als die dänische“

Vor der WM: „Deutsche Mannschaft besser als die dänische“

Apenrade/Aabenraa
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Die Fußball-Weltmeisterschaft findet in den kommenden Wochen in der Wüste statt. Foto: Miriam Dalsgaard/Politiken/Ritzau Scanpix

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Die SønderjyskE-Trainer der vergangenen zehn Jahre finden es alles andere als gut, dass die Weltmeisterschaft in Katar stattfindet, werden aber dennoch ihren Blick auf die Spiele werfen. Einer fliegt sogar hin. „Der Nordschleswiger“ hat gefragt, wer Weltmeister wird, wie Dänemark und Deutschland abschneiden und was sie von der Katar-WM halten.

Lars Søndergaard war trug vier Jahre die sportliche Verantwortung und ist somit der Trainer, der bei SønderjyskE am längsten im Amt war. Foto: Karin Riggelsen

Lars Søndergaard (63), SønderjyskE-Trainer von Juni 2011 bis Juni 2015, seit Dezember 2017 Trainer der dänischen Frauen-Nationalmannschaft:

1. Wer wird Weltmeister?

„Holland wird Weltmeister. Von der Papierform her haben die eine feine Mannschaft, mit einer starken Abwehr und einem starken Mittelfeld. Vielleicht fehlt der Torjäger, aber den können sie im Laufe des Turniers erfinden.“

2. Wie schneiden Dänemark und Deutschland ab?

„Beide werden gut abschneiden und auf alle Fälle die Gruppenphase überstehen, aber ich habe den Turnierbaum nicht näher studiert und weiß nicht, welche Gegner danach warten. Die Deutschen können weit kommen, aber auch die Dänen sehe ich als Außenseiter. Es ist wohl zu viel verlangt, wenn man vom Titel träumt, aber es kann sehr weit gehen, wenn die Dänen erst auf einer Euphoriewelle schwimmen.“

3. Was hältst du von einer WM in Katar und ändert der Austragungsort etwas daran, wie du diese Endrunde verfolgen wirst?

„Ja, das ändert etwas daran, wie ich die WM verfolge. Einerseits wegen des Austragungsortes. Es ist zutiefst kritisierbar, dass die WM in Katar ausgetragen wird. Andererseits wegen der Jahreszeit und den Anpfiffzeiten. Ich werde mir die dänischen Spiele ansehen und sicherlich auch die entscheidenden Spiele zum Ende der WM hin.“

Jakob Michelsen wurde mit SønderjyskE dänischer Vizemeister und führte die Mannschaft ins Europa-League-Playoff gegen Sparta Prag. Foto: DN

Jakob Michelsen (42), SønderjyskE-Trainer von Juni 2015 bis Dezember 2016, heute Trainer von HamKam in Norwegen:

1. Wer wird Weltmeister?

„Ich glaube, dass England Weltmeister wird. Für mich sind England und Frankreich in der Favoritenrolle.“

2. Wie schneiden Dänemark und Deutschland ab?

„Beide Mannschaften überstehen die Gruppenphase, da bin ich mir recht sicher, von da an kann alles passieren. Die Deutschen haben eine starke Mannschaft, die auch besser ist als die dänische Mannschaft. Es hängt aber vieles von der Auslosung ab. Die Dänen betrachte ich als Außenseiter, die sehr weit kommen können, wenn sie die richtigen Gegner erwischen oder besser gesagt aus dem Wege gehen.“

3. Was hältst du von einer WM in Katar und ändert der Austragungsort etwas daran, wie du diese Endrunde verfolgen wirst?

„Prinzipiell finde ich es falsch, dass die WM dort stattfindet, und auch, wie sie vergeben wurde. Wenn das gesagt ist, dann werde ich die WM so verfolgen, wie ich es immer tue, nur mehr drinnen als draußen. Das Gemeinschaftsgefühl, den man beim Public Viewing erlebt, ist für mich ein wichtiger Teil des Ganzen, und das geht hier ein wenig verloren. Ich hoffe, dass wir uns anders versammeln werden.“

Claus Nørgaard nimmt WM-Teilnehmer Alexander Bah bei einem 4:2-Sieg in Brøndby vom Platz. Foto: Jens Dresling/Ritzau Scanpix

Claus Nørgaard (42), SønderjyskE-Trainer von Januar 2017 bis Dezember 2018, heute U18-Nationaltrainer Dänemarks:

1. Wer wird Weltmeister?

„Brasilien und Argentinien sind meine Favoriten.“

2. Wie schneiden Dänemark und Deutschland ab?

„Die dänische Mannschaft hat gute Voraussetzungen für ein gutes Abschneiden. Die Dänen haben bei der EM im vergangenen Jahr bewiesen, dass sie auf hohem Niveau spielen können. Wenn alles läuft, Verletzungen und Pech ausbleiben, kann ich nicht sehen, wieso sie nicht weit kommen sollten. Die Dänen werden auf jeden Fall die Gruppenphase überstehen. Die Deutschen schneiden traditionell gut ab, bis auf die WM 2018. Ich denke, der Erfolgshunger ist nach einem kleinen Tief groß. Es fehlt vielleicht ein Stürmer mit Torgarantie, aber die Deutschen bilden viele tüchtige Spieler aus.“

3. Was hältst du von einer WM in Katar und ändert der Austragungsort etwas daran, wie du diese Endrunde verfolgen wirst?

„Es ist eine unglückliche Entscheidung, die WM an Katar zu vergeben, aber es wird nichts daran ändern, was ich von der WM am Bildschirm sehen werde. Ich fliege nicht hin, aber das hätte ich auch nicht getan, wenn es in einem anderen Land weit weg gewesen wäre.“

Glen Riddersholm wurde 2020 mit SønderjyskE dänischer Pokalsieger. Foto: Karin Riggelsen

Glen Riddersholm (50), SønderjyskE-Trainer von Januar 2019 bis Mai 2021, heute Trainer von IFK Norrköping in Schweden:

1. Wer wird Weltmeister?

„Für mich ist es eine sehr offene WM, die schwer vorauszusagen ist, und ich sehe eine Gruppe von Favoriten. Mein Tipp ist ein wenig romantisch. Ich hoffe, dass die Argentinier Weltmeister werden, damit Messi seinen WM-Titel bekommt. Die haben aber nicht nur Messi, sondern auch ein starkes Kollektiv. Brasilien und Frankreich sind für mich auch Kandidaten.“

2. Wie schneiden Dänemark und Deutschland ab?

„Die Deutschen sind immer stark, aber für mich gibt es in der deutschen Mannschaft zu viele Löcher. Die Deutschen müssen diese Endrunde nutzen, um sich für die EM im eigenen Land und für die nächste WM bereitzumachen. Der Generationswechsel ist angelaufen. Die Mannschaft ist gut, aber es fehlt die Reife auf allerhöchstem Niveau, die wir früher gesehen haben. Die Dänen werden, so glaube ich, besser abschneiden als die Deutschen. Sie werden auf alle Fälle die Gruppenphase überstehen und können mit massenhaft Selbstvertrauen, einem starken Kollektiv und Konzept sehr weit kommen. Es gibt keinen Gegner, den die Dänen nicht schlagen können, wenn sie den richtigen Tag erwischen.“

3. Was hältst du von einer WM in Katar und ändert der Austragungsort etwas daran, wie du diese Endrunde verfolgen wirst?

„Ethisch und moralisch nehme ich von der WM in Katar großen Abstand. Es ist verwerflich, dass die WM dort stattfindet. Es ändert aber nichts, ob ein Zuschauer mehr oder weniger am Bildschirm sieht. Es ist besser, wenn man seine Plattform nutzt, um sich zu dem Thema zu äußern. Als Fußball-Trainer werde ich selbstverständlich vor dem Bildschirm sitzen, um zu sehen, was sich im Fußball auf höchstem Niveau bewegt.“

Michael Boris musste bei SønderjyskE nach nur viereinhalb Monaten gehen. Foto: Karin Riggelsen

Michael Boris (47), SønderjyskE-Trainer von Juni 2021 bis November 2021, seit seiner Entlassung im Oktober bei MOL Fehervar in Ungarn ohne Verein:

1. Wer wird Weltmeister?

„Gute Frage, aber mein Tipp lautet Brasilien. Die spielen den besten, erfolgreichsten und technisch versiertesten Fußball, und die kommen auch mit dem Klima dort klar.“

2. Wie schneiden Dänemark und Deutschland ab?

„Beide Mannschaften kommen über die Gruppenphase hinaus, danach ist es für beide Teams immer 50:50, ob sie die nächste Runde erreichen.“

3. Was hältst du von einer WM in Katar und ändert der Austragungsort etwas daran, wie du diese Endrunde verfolgen wirst?

„Ich denke, wir hätten uns vor fünf Jahren über die Vergabe der WM nach Katar aufregen und etwas verändern müssen. Für mich ändert sich nicht viel. Ich fliege selbst hin und werde als Analyst für die ARD arbeiten. Ich bin 14 Tage vor Ort und werde gemeinsam mit Kommentatorin Christina Graf die Gruppe mit Marokko, Kroatien, Kanada und Holland begleiten, aber auch das Spiel Ghana gegen Südkorea. Die K.-o.-Spiele werde ich dann am Bildschirm verfolgen.“

Henrik Hansen war bis vor kurzem noch Cheftrainer. Foto: Claus Fisker/Ritzau Scanpix

Henrik Hansen (43), SønderjyskE-Trainer von Januar 2022 bis November 2022:

1. Wer wird Weltmeister?

„Das ist in diesem Jahr wirklich schwierig. Es gibt viele Titelanwärter. Ich entscheide mich aber für Brasilien. Die haben hohe individuelle Qualität, eine gute Balance im zentralen Mittelfeld und eine starke Abwehr.“

2. Wie schneiden Dänemark und Deutschland ab?

„Beide Mannschaften kommen über die Gruppenphase hinaus, aber danach ist für Dänemark leider schon im Achtelfinale gegen Argentinien Schluss. Die Deutschen werden das Viertelfinale erreichen.“

3. Was hältst du von einer WM in Katar und ändert der Austragungsort etwas daran, wie du diese Endrunde verfolgen wirst?

„Ich trete für anständige Bedingungen und Rechte für alle Menschen ein und hätte mir wünschen können, dass die WM woanders ausgetragen wird. Ich denke, dass diese Angelegenheiten auf einem höheren Niveau diskutiert werden müssen. Ich werde mir die Spiele der dänischen Mannschaft ansehen, und auch andere, je nachdem wie es passt.“

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