Deutsche Minderheit

80. Geburtstag: „Es gibt keine Probleme, die man nicht lösen kann“

80. Geburtstag: „Es gibt keine Probleme, die man nicht lösen kann“

80. Geburtstag: „Keine Probleme, die man nicht lösen kann“

Ulderup/Ullerup
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Heidi Brüning in ihrer Werkstatt, wo sie sich dem Weidengeflecht widmet. Foto: Karin Riggelsen

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Heidi Brüning aus Ullerup wird am 26. November 80 Jahre alt. Mit einem bestimmten Buch hat sie ihren geliebten, aber früh verstorbenen Stiefeltern ein großes Dankeschön überbracht.

Heidi Brüning aus Ulderup (Ullerup) ist ein dankbarer Mensch. Sie rückt sich aber nicht gern selbst in den Mittelpunkt: „Schreib nun nicht so viel“, meint sie lächelnd, als die beiden Mitarbeiterinnen des „Nordschleswigers“ mit ihr und ihrem Mann Walter im gemütlichen Wintergarten Kaffee trinken. Die Aufmerksamkeit wird sie am 26. November aber nicht vermeiden können. An dem Tag wird Heidi Brüning 80 Jahre alt.

Seit 1967 verheiratet

Heidi und Walter Brüning lernten sich vor 58 Jahren in Hadersleben (Haderslev) im Juweliergeschäft von Walter Brünings Eltern kennen. Oder besser gesagt – Heidi wurde von Walter Brünings Mutter bedient, die sofort die junge Frau aus Deutschland in ihr Herz schloss. Diese Frau sollte einen ihrer beiden Söhne heiraten, die sich gerade auf Gran Canaria aufhielten, meinte die Mutter.

Heidi und Walter Brüning vor ihrem Haus in Ulderup. Er wollte eigentlich nicht mit auf das Foto. Aber das ließ die Ehefrau nicht durchgehen: „Du bist doch das Wichtigste von mir." Foto: Karin Riggelsen

„Damit hatte ich damals überhaupt nichts am Hut. Ich hatte eigentlich einen Freund, der in Grönland war. Aber Walter hat dann recht schnell Feuer gefangen. Er hat mich jedenfalls immer wieder nach Hause gebracht“, erklärt Heidi Brüning und schaut verliebt hinüber zu ihrem Walter. Am 12. Mai 1967 heirateten die beiden: „Der Walter hat mich also viele Jahre ausgehalten.“

Meine liebe neue Mutti

Heidi Brüning war eigentlich ins Juweliergeschäft in Hadersleben gekommen, um das einzige Erinnerungsstück an ihre leibliche Mutter, ein goldenes Armband und einen Goldring, für ihre geliebte Stiefmutter ändern zu lassen.

Verwirrt? Das war die Mutter von Walter Brüning auch. Darüber hat Heidi Brüning in ihrer Biografie „Meine liebe neue Mutti“ – „Min kære nye mor“ – geschrieben. Das Buch wurde 2010 veröffentlicht und vor Kurzem in der dritten Auflage gedruckt.

Heidi Brüning mit ihrer Biografie „Min kære nye mor“, die es auf Deutsch, Dänisch und nun auch digital in einer englischen Übersetzung gibt. Das Buch kostet 120 Kronen und kann bei Heidi Brüning bestellt werden. Foto: Karin Riggelsen

Auf die Idee, ihre ganz besondere Geschichte, die in Breslau mit ihrer Geburt beginnt, in eine Biografie zu verwandeln, brachten Heidi Brüning die vielen Fragen ihrer Enkelin. „Erzähl mir doch etwas von deiner Kindheit“, bat das Mädchen immer wieder.

Eine dramatische Flucht

Da wusste Heidi Brüning: Ihre dramatische Geschichte durfte nicht in Vergessenheit geraten. Ihre Nachfahren sollten wissen, wie sie und ihre Familie im Zweiten Weltkrieg aus Breslau flüchten mussten.

Ich habe noch nie Menschen mit einem größeren Herzen erlebt. Für mich war es, als ob ich mit diesem Buch einen Rucksack geleert habe.

Heidi Brüning

Die anstrengende Reise mit den Kindern kostete ihrer Mutter das Leben. Sie starb ausgemergelt und erschöpft im Krankenhaus von Perleberg an Typhus. Die kleine Heidi wurde in Ostdeutschland von einer Familie aus Nordschleswig aufgenommen. Nicht zuletzt diesen Menschen wollte sie mit ihrer Biografie ein warmes Dankeschön überbringen. Die beiden starben mit 60 und 62 Jahren.

„Sie starben viel zu früh, und ich habe ihnen nie richtig Danke sagen können. Ich habe noch nie Menschen mit einem größeren Herzen erlebt. Für mich war es, als ob ich mit diesem Buch einen Rucksack geleert habe“, meint Heidi Brüning, die 1956 mit ihrer Pflegefamilie nach Nordschleswig ins Hostrupholz (Hostrupskov) zog. Ihr richtiger Vater starb in russischer Gefangenschaft, wie sie erst 1960 vom Roten Kreuz erfuhr.

In Ulderup gut angekommen

Walter Brüning bekam seine große Liebe Heidi. 1971 zog das Paar zum Nederbyvej 83 B nach Rinkenis (Rinkenæs). Dort kamen die beiden Töchter Alice und Doris hinzu. Sie leben heute in Varde und Alnor. Vor drei Jahren zog das Paar Brüning, das schon immer Teil der deutschen Minderheit war, in eine Anteilhaberwohnung am Trekanten in Ulderup. „Wir hatten eigentlich überhaupt keinen Bezug zu Ulderup. Aber wir fühlen uns wirklich wohl hier. Wir sind hier angekommen“, so das Geburtstagskind.

Heidi Brüning Foto: Karin Riggelsen

Heidi Brüning ist eine kreative Frau mit diversen Hobbys. Sie pflegt den schönen Garten hinter dem gemütlichen Eigenheim. Montags geht sie zum Yoga, im Sommer schwimmt sie jeden Morgen. Heidi spielt Klavier – und widmet in ihrer gemütlichen Werkstatt am Garten dem kreativen Weidengeflecht. Die schönen Arbeiten verzieren auch den Garten, von dem man hinüber zur Kirche schauen kann. Sie liest gern Biografien und Sachbücher. Ihr Walter schätzt seine Frau: „Man kann sich ausgezeichnet mit ihr unterhalten. Sie hat so viele starke Seiten.“

Ein sehr positiver Mensch

Das Geburstagskind ist seit über 25 Jahren Mitglied in der Schwesterloge Svanen. Heidi  Brüning ist dankbar für ihr Leben: „Und die Nächstenliebe. Man muss andere so behandeln, wie man selbst behandelt werden möchte. Das habe ich auch an meine Töchter weitergegeben.“

Seit vielen Jahren ist Heidi Brüning eine fleißige Weidenflechterin. Foto: Karin Riggelsen

Sie ist ein durch und durch positiver Mensch, der sich nicht umhauen lässt. „Es gibt keine Probleme, die man nicht lösen kann“, meint sie. Vor einem Jahr erhielt sie die Diagnose Alzheimer Demenz.

„Aber ich bekomme Medizin, und der Prozess ist ausgebremst. Mein Rat ist immer: lass dich untersuchen. Die Tabletten verzögern es“, so Heidi Brüning. Sie schreibt immer noch Reden und kann diese halten. Von ihren Geschwistern leben noch zwei Schwestern, Hannelore und Christa. Ihre Stiefeltern bekamen noch den Sohn Gerd, der Heidi und Walter regelmäßig in Ulderup besucht.

Den runden Geburtstag feiert das Paar mit den beiden Töchtern Alice (52) und Doris (47) und deren Familien und einigen Bekannten.

Bei den Brünings gibt es viele geflochtenen Dekorationen. Foto: Karin Riggelsen
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Leitartikel

Siegfried Matlok
Siegfried Matlok Senior-Korrespondent
„Zum Tode von Günter Weitling – Seelsorger und Seele“