Inklusion

Zehn-Punkte-Plan soll Institutionen der Minderheit barrierefreier machen

Institutionen der Minderheit sollen barrierefreier werden

Institutionen der Minderheit sollen barrierefreier werden

Apenrade/Aabenraa
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Jana Surkus möchte mit ersten einfachen Schritten die Minderheit noch offener für alle gestalten. Foto: Karin Riggelsen

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Wickeltische, barrierefreie Zugänge oder „Laid Back Performances“: Mit einem Projekt will der Bund Deutscher Nordschleswiger (BDN) erste Schritte für eine inklusivere Minderheit auf den Weg bringen. Jugendkunstkonsulentin Jana Surkus hat über ihre Ideen gesprochen.

Die deutsche Minderheit mit ihren angeschlossenen Vereinen und Verbänden soll künftig inklusiver werden. Derzeit werde ein Zehn-Punkte-Plan ausgearbeitet, wie sich die Angebote der Minderheit künftig schwellenfreier gestalten lassen, sagt Jana Surkus, Jugendkunstkonsulentin beim Bund Deutscher Nordschleswiger.

„Die Idee dazu kam, weil mir aufgefallen war, dass im Haus Nordschleswig ein Vater keinen Wickeltisch finden kann.“ Ein Papa müsse also neben den Urinalen auf dem Boden sein Kind wickeln. Nichtmal in jeder Frauentoilette gebe es Wickeltische, so Surkus.

 

Für manche älteren Menschen ist die Entscheidung zur Teilnahme an einer Veranstaltung von der Verfügbarkeit einer Toilette abhängig.

Jana Surkus

Schrittweise Umsetzung

So arbeitete die Jugendkunskonsulentin eine erste Liste mit möglichen Maßnahmen aus, und legte sie der Geschäftsführendenrunde vor. „Mir war es wichtig, dass sich alle zehn Minuten Zeit nehmen, um darüber nachzudenken, was man tun kann.“ Die Resonanz sei durchaus positiv gewesen. 

Mit Hilfe eines internen Fragebogens sollen die Geschäftsführenden für ihre Einrichtung die Liste abarbeiten, um daraus anschließend den Bedarf an Material ableiten zu können. Bis Ende März sollen konkrete Maßnahmen festgelegt werden die dann, so hofft Surkus, in den Folgemonaten bis zum Sommer schrittweise umgesetzt werden können.

Ein barrierefreier Zugang ist nur eine von vielen Möglichkeiten, Inklusion zu fördern. Foto: Adobe Stock

Manche Dinge ließen sich leicht ändern – zum Beispiel im Internet. „Da geht es um den Hinweis in der Veranstaltungsankündigung, wo man extra auf die Barrierefreiheit hinweist“, sagt Surkus, es gehe aber auch um die bessere Markierung von Behindertenparkplätzen sowie die Beschilderung von behindertengerechten Eingängen generell. „Es wäre gut, wenn gleich auf der jeweiligen Homepage steht, ob man den Ort barrierefrei besuchen kann.“

Wenn die Toilette entscheidend ist

„Für manche älteren Menschen ist die Entscheidung zur Teilnahme an einer Veranstaltung von der Verfügbarkeit einer Toilette abhängig.“ Die Information könne man bei den Ankündigungen bedenken.

„Wir müssen bei Veranstaltungen auch mehr auf gegenläufige Interessen achten, etwa Tageszeiten, Beruf oder Mobilität“, so Surkus. „Es muss nicht immer alles um 19 Uhr beginnen.“

Auch Diversität müsse mehr mitgedacht werden. Wer zum Beispiel als Hörgeräteträgerin oder -träger eher auf Stille angewiesen sei, dem müsse man genauso mit Angeboten begegnen, wie Menschen mit neurodiversen Erkrankungen – etwa Tourette oder ADHS. Eine Idee seien explizite „Laid Back Performances“, also Veranstaltungen für ein Publikum, das es mit dem Stillsitzen schwer hat.

Eine Riesenchance

Schwellen würden für jeden irgendwann im Leben einmal ein Problem, sagt Surkus. Manche Dinge seien vielen einfach nicht bewusst. Darüber ins Gespräch zu kommen, sei eine Riesenchance. „Die Veränderung muss im Kopf anfangen.“

„Es sind jetzt erste Schritte, aber das Thema wird uns weiter begleiten und wir werden in dem Prozess jedes Jahr fragen müssen, was ist bereits geschafft?“, so Surkus. Vieles sei einfach nötig, nicht zuletzt auch deshalb, weil der politische Druck dahin gehend wachse. Das fange schon bei automatischen Türöffnern an. 

Jeder solle sich willkommen fühlen und nicht aufgrund von Schwellen ausgegrenzt werden. „Wir wollen eine Minderheit, die divers ist und bunt, und in der jeder gedankenlos teilhaben kann.“

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