Deutsch-Dänisches

Hauskauf mit Hindernissen

Hauskauf mit Hindernissen

Hauskauf mit Hindernissen

Apenrade/Aabenraa
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Jens Mittag
Jens Mittag, hier im Gespräch mit seiner Vorgängerin am DGN, Ilse Friis. Foto: Karin Riggelsen

Der Leiter des Deutschen Gymnasiums für Nordschleswig, Jens Mittag, hat sich seinen Hauskauf in Dänemark anders vorgestellt. Die Familie hat unerwartet viele Steine aus dem Weg räumen müssen und lange gewartet.

„Wir fühlen uns allein gelassen und unpersönlich behandelt“, sagt Jens Mittag, der Leiter des Deutschen Gymnasiums für Nordschleswig (DGN). Er und seine Familie wollten in Nordschleswig ein Haus kaufen. Das stellte sich jedoch als schwieriger heraus, als erwartet, denn Lucila, Jens Mittags Ehefrau, ist keine EU-Bürgerin.

Hauskauf nur mit CPR

Die Odyssee der Familie Mittag begann im September. Jens Mittag wurde Nachfolgerin von DGN-Leiterin Ilse Friis, und dazu gehörte der Umzug nach Nordschleswig. Ein passendes Haus war schnell gefunden, der Kaufvertrag sollte von den Eheleuten unterzeichnet werden. „Das ließ sich jedoch nur machen, wenn wir eine Personennummer (CPR-Nummer) haben, die bei der Steuerbehörde ,Skat‘ beantragt werden muss. Da begannen unsere Probleme“, erinnert sich der DGN-Schulleiter, denn für seine Frau Lucila, die aus Venezuela stammt, ging das nicht so schnell.

Doch bevor das passierte, wurde eine grundsätzliche Anfrage beim Justizministerium gestellt, ob Lucila Mittag ein Haus in Dänemark kaufen könne. Die Antwort lautete Ja. „Der Anwalt beantragte dann den Hauskauf der beiden Eheleute. Auch hier erhielten wir eine positive Antwort“, berichtet Mittag.

Warten auf Antwort

Es wurde der Antrag für die Aufenthaltsgenehmigung für die ganze Familie gestellt. „Auch das war noch kein Problem“, so der Schulleiter. Doch schon zu diesem Zeitpunkt stellte sich der Kontakt und die Kommunikation mit den Behörden als schwierig dar. Telefonisch gelangte der Hauskäufer in spe in die Warteschleife und wurde von Mitarbeiter zu Mitarbeiter verwiesen, weil die Kompetenzen nicht klar waren. Per E-Mail dauerte das Warten auf eine Antwort meist mehrere Wochen.
Doch dann öffneten sich die Falltüren auf dem Weg zum Hauskauf der Familie Mittag. Die Bank, die die Finanzierung sichern sollte, wollte nämlich kein bindendes Angebot machen, wenn keine Personennummer von Lucila Mittag vorliege.

„Einen Kaufvertrag möchte ich aber eigentlich ohne verbindliches Angebot der Bank nicht unterschreiben“, so Jens Mittag. Die Steuerbehörde meldete, dass es eine Personennummer nur dann gebe, wenn ein unterzeichneter Kaufvertrag vorliege. Eine Sackgasse. Hinzu kam, dass der Makler innerhalb von zehn Tagen die Bezahlung erwartete. „Eine immens ungewisse Situation tat sich für uns auf“, erzählt ein enttäuschter Jens Mittag.

„Wir fühlen uns von den Behörden allein gelassen. Obwohl so oft von der Effizienz der Dänen gesprochen wird, konnten wir nun das Gegenteil feststellen. Vergleiche ich das mit den Schulen, wo der Schüler im Mittelpunkt steht und alles auf ihn ausgerichtet wird, so ist das Behördensystem zwar nach innen effektiv, aber gegenüber dem Bürger ist das nicht der Fall. Es ist unpersönlich und langsam“, so Mittag, der sich heute rückblickend fragt, warum die vom Staat geforderten Bedingungen sich nicht parallel erledigen ließen.

Haus könnte weg ein

„So haben wir eine Bank, die uns keine bindende Hausfinanzierung geben will, weil zunächst nicht beide Personennummern vorlagen. Außerdem bestand die Gefahr, dass der Makler das Haus anderweitig verkauft oder der Verkäufer vom Vertrag abspringt“, ärgert sich der Familienvater.
Trotz aller Hindernisse und ohne eine verbindliche Finanzierung soll der Umzug nun im Februar stattfinden – statt wie geplant schon im Oktober vergangenen Jahres. Das hofft jedenfalls Familie Mittag, denn „manche Stolpersteine tauchen unverhofft auf“, resümiert Jens Mittag.

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