Kommunales

Venstre prescht mit grünem Energievorschlag voran

Venstre prescht mit grünem Energievorschlag voran

Venstre prescht mit grünem Energievorschlag voran

Tondern/Tønder
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Der Fraktionsvorsitzende Preben Linnet (l.) und Bürgermeisterkandidat Martin Iversen präsentierten am 9. Februar den Venstre-Fahrplan. Foto: Brigitta Lassen

Ein neuer „Fahrplan" soll Arbeitsruhe in den eigenen Reihen und bei den Bürgern schaffen. Partei fordert mehr Transparenz für Projekte zur Nutzung erneuerbarer Energie.

Die Durchführung von Windenergie-Projekten in der Kommune Tondern ist ein Fass ohne Boden. Bürger und Bürgerinnen, in dessen Nähe Windräder aufgestellt werden sollten, gingen auf die Barrikaden. Die Politiker, die sich in der Nutzung der erneuerbaren Energie auch nicht einig waren, legten ein zweijähriges Timeout ein, um jetzt einen neuen Vorstoß zu wagen.

Um nicht nur Ruhe und Aufklärung in den betroffenen Orten, die als Standort für Windparks im Gespräch sind, sondern auch in eigenen Reihen zu schaffen, hat sich die Partei Venstre (V) jetzt intensiv mit dem Thema auseinandergesetzt. Bürgermeisterkandidat Martin Iversen und der Fraktionsvorsitzende Preben Linnet präsentierten am Dienstag eine Grundlage, wie sich die V-Leute künftig zu Windenergieprojekten verhalten werden. Abgestimmt wurde diese Marschroute mit den neun Mitgliedern der V-Fraktion und den 15 Lokalvereinen der Partei.

Es hat Meinungsverschiedenheiten über Windkraftenergie eigentlich schon seit der Gründung der Großkommune Tondern gegeben.

Preben Linnet, Venstre-Fraktionsvorsitzender

„Es ist kein Geheimnis, dass es auch in unseren Reihen unterschiedliche Meinungen gibt. Entsprechend ist auch der Stadtrat mit Kritikern und Befürwortern in zwei Lager gespalten. Dies zeigte zum Beispiel die Abstimmung, als im Herbst über die neuen Richtlinien (Guidelines) für erneuerbare Energieformen abgestimmt werden sollte. 17 Mitglieder wollten diese gutheißen, 14 votierten dagegen. Venstre hat zurzeit 9 der 31 Mandate, und wir sind noch die größte Fraktion. Und wer bis 16 zählen kann, muss vermutlich auch mit unserer Unterstützung rechnen, um eine Mehrheit zu erzielen. Es hat Meinungsverschiedenheiten über Windkraftenergie eigentlich schon seit der Gründung der Großkommune Tondern gegeben. Dies könnte ein realistischer Vorschlag sein für eine zumindest etwas größere Einigkeit, denn wir werden bei Abstimmungen im Stadtrat in dieser Frage nie ein 27:4-Ergebnis erzielen können, unterstreicht Preben Linnet.

„Und es soll auch kein Geheimnis sein, dass wir bei der Formulierung unserer eigenen Richtlinien auch Kompromissbereitschaft an den Tag legen mussten. Wir haben auch mit den Betroffenen in den als Windkraft ausgewiesenen möglichen Standorten gesprochen“, pflichtete Martin Iversen ihm bei.

Zu schwammig formuliert

So hat Venstre jetzt gewisse Richtlinien festgesetzt, die stellenweise den gutgeheißenen Guidelines der Kommune entsprechen. „Diese waren uns zum Teil zu schwammig formuliert. Wir haben klipp und klare Formulierungen gewählt. Es ist quasi die zweite Version der Guidelines“, unterstreicht der Bürgermeisterkandidat. Besonders wichtig sei für sie, dass in die Windprojekte mehr Transparenz komme und sie nicht wie bisher von Geheimniskrämerei umwoben seien.

Nicht größer als 150 Meter und Meereswindpark vor Röm

  • So will Venstre nur eine Mindesthöhe von 150 Metern für Windräder zulassen. Die riesigen Anlagen lehne Venstre an Land ab und schlägt gleichzeitig vor, dass vor Röm (Rømø) ein neuer Meereswindpark errichtet wird. „Der sogenannte Sektor fünf ist als solcher auch schon gescreent worden“, erläutert Martin Iversen.
  • Denjenigen Bürgern, die mit den Windrädern als Nachbarn leben müssen, soll ein größeres Stimmrecht eingeräumt werden als denjenigen, die weiter entfernt wohnen. Mindestens 70 Prozent müssen dem Projekt zustimmen. Außerdem muss ein Gewinn von mindestens 10 Prozent jährlich herausspringen.
  • Von der Gesamtinvestition sollen 40 Prozent lokal verankert sein, gern aber 50 Prozent. Venstre hofft, dass auch beispielsweise Fernwärmewerke und Betriebe, die billigeren Strom abnehmen, als Investoren gewonnen werden können.
  • Sechs Prozent des Umsatzes müsse den direkt Betroffenen zukommen, die restlichen Gelder sollen vom Ausschuss für den ländlichen Raum über die ganze Kommune verteilt werden.
  • Für ein neues Windrad müssen zwei alte abgebaut werden. Damit würde man die Gesamtanzahl halbieren können, vielleicht aber auch durch etwas höhere Windräder als die veralteten Modelle.

Eine Mehrheit im Technischen Ausschuss der Kommune hatte sich in der vergangenen Woche nach langer Diskussion entschieden, dass mit sechs der eingereichten Windprojekte weitergearbeitet werden kann, die auch den gutgeheißenen Guidelines entsprechen. Die fünf Windkraftprojekte und eine kombinierte Anlage mit Windkraft und Sonnenenergie bringen es gemeinsam auf 58 Windräder mit einer Höhe zwischen 136 und 180 Meter.

„Wir können die Anzahl mit Leichtigkeit auf zwei bis drei Projekte reduzieren, da alle sechs nicht in diesem Jahr durchgeführt werden können“, meint Fraktionssprecher Linnet.

An diesen sechs Projekten wird weitergearbeitet:

• Vattenfall, Haved, 18 Windräder (155 m) Leistung: 108 MW

• Vattenfall, Rejsby Hede, 15 Windräder (155 m), 101 MW

• NRGI, Drengsted/Lovrup, 6 Windräder (136 m), 33,6 MW

• Eurowind, Vollum Enge, 10 Windräder (180 m), 56 MW

• Momentum Energy Jutlandia, Arrild, 9 Windräder, (136 m), 38 MW

• Eurowind, Gasse Hede, 8 Windräder (150 m) und eine 48 Hektar große Solaranlage, Leistung 90 MW

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