Filmaufnahmen

Kamera läuft: Sprachliche Vielfalt der Westküste

Kamera läuft: Sprachliche Vielfalt der Westküste

Kamera läuft: Sprachliche Vielfalt der Westküste

Rosenkranz/Rosenkrans
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Zwei „gestiefelte" Männer bei Wind und Regenwetter im Rickelsbüller Koog. Schauspieler Matthias Harrebye-Brandt und Laiendarsteller Dirk Andresen (v. l.) Foto: BDN

Der alte deutsche Grenzkrug in Rosenkranz bildet die Hauptkulisse für den Kriminalfilm „Der Krug an der Wiedau". In der fiktiven Gaststätte im Niemandsland treffen sich die Leute aus dem Lokalbereich, die sich ungeachtet ihrer Sprache und Zugehörigkeit verstehen. Dennoch gibt es für die Kriminalpolizistin und ihren Kollegen einiges zu ermitteln.

„Loorens“ dringt eine weibliche aus der Schankstube des „Krugs an der Wiedau“ während draußen ein Radlader der Marke „Liebherr“ auf der Straße in Rosenkranz vorbeituckert.

Eine zentrale Rolle für die Filmaufnahmen mit fünf Grenzlandsprachen in Regie von Gary Funck aus der friesischen Minderheit spielt der Alte Deutsche Grenzkrug von Silvia Brodersen in Rosenkranz.

Die Gemeinschaftsproduktion des Bundes Deutscher Nordschleswiger (BDN) und Nordfriisk Teooter richtet im Rahmen des Kurs-Kultur-Projekts mit Blick für das Detail den Fokus auf den 100. Geburtstag der Grenzziehung im deutsch-dänischen Grenzland und die besondere Westküstenmentalität.

Bislang waren wir viel in der Region zu Außenaufnahmen unterwegs. Die Darsteller proben gerade. Gleich geht es an die Aufnahme der ersten Szene.

Christoph Knorr, Kameramann

„Bislang waren wir viel in der Region zu Außenaufnahmen unterwegs. Die Darsteller proben gerade. Gleich geht es an die Aufnahme der ersten Szene“, berichtet Kameramann Christoph Knorr beim Ortstermin des „Nordschleswigers“ draußen vor der Gaststätte, bevor er wenige Minuten später drinnen mit der Kamera im Einsatz ist.

Dort wird Deutsch, Dänisch, Friesisch, Plattdeutsch und „Synnejysk“ gesprochen.

„Mädchen für alles"

Die Fäden laufen beim BDN-Kulturkonsulenten Uffe Iwersen zusammen. „Einer hat mich als Producer bezeichnet. Ich selbst nenne mich Mädchen für alles“, so Iwersen lachend.

Das Konzept und die Idee zum Film haben er und Gary Funck ausgebrütet. Das Drehbuch stammt aus der Feder von Funck.

Geschminkt wird die Schankstube als Treffpunkt für ihren neuen Zweck nicht, sondern sie präsentiert sich im Original-Look.
Hinter vorgezogenen Gardinen ist auch die Stimme des Pastors (Helmuth Petersen) zu hören.

Mit der Filmwelt betritt der BDN-Kulturkonsulent Uffe Iwersen neues Terrain. Foto: Monika Thomsen

„Wir nutzen die ersten beiden Tage der Woche für Innenaufnahmen, da der Krug montags und dienstags geschlossen hat. Es läuft überraschend gut. Aber natürlich gibt es Defizite, wir haben noch nie einen Film gemacht. Es macht aber Spaß“, so Iwersen, der neben anderen Aufgaben auch für Requisiten und das Catering sorgen muss.

Die Darsteller/innen
• Mahara Jacobsen (Kriminalpolizistin Pernille Poulsen)
• Matthias Harrebye-Brandt (Kriminalpolizist Hannes Schröder)
• Stella Sina (Charlotte)
• Helmuth Petersen (Pastor Pörksen)
• Dirk Andresen (Bauer Jens)
• Christian Petersen (Pedsen)
• Antje Arfsten (Grete)
• Güde Boysen (Ulla)
• Ingwer Boysen (Loorns)
• Ilwe Boysen (Lehrer Lars)
• Thore Johannsen (Doos)

Gastrollen
• Kai Bosch (Uwe Bahlmann)
• Lene Neumann Jepsen (Ingrid Abrahamsen)
• Tanja Klindt (Sekretärin)
• Jørgen Popp Petersen (Jörn Bock)
• Florian Lorenzen (Landrat Ketelsen)
• Sybilla Nitsch (Postbotin)
• Christoph Schmidt (Postbote)

Die Maskenbildnerin sowie Kamera- und Tonleute sind Profis.

„Die Profis wussten, worauf sie sich einlassen. Wir wollten der sprachlichen Vielfalt, die besonders an der Westküste ausgeprägt ist, eine Bühne bieten, wo man alles in einem Paket bekommt“, so Uffe Iwersen. Im Freundschaftsjahr wird das Thema 2020 eine Rolle spielen. „Auf eine versteckte Art und Weise“, sagt Iwersen mit einem Schmunzeln.

Blick in die Schankstube Foto: BDN

Ein ganz besonderer Cocktail

Der Film spielt in der Gegenwart „Er ist ein bisschen auf altbacken gemacht und wir haben die Stereotypen vom Pastor, dem Bauer, den Dorftrotteln und die Putzfrau aus dem Grenzhandel dabei. Es ist eine Mischung aus einem Laienspiel-Schenkelklopfer wie in Jündewatt und einem seriösen Kriminalfilm“, lautet seine Beschreibung.

Der einzige Profi im Team ist Schauspieler Matthias Harrebye-Brandt, der Wurzeln in der deutschen Minderheit hat. Während Mahara Jacobsen Musicalerfahrung mitbringt, wie Iwersen erläutert.

„Es ist sehr wertvoll, dass Matthias dabei ist, da er die anderen coachen kann“, sagt, „das Mädchen für alles“.

Politiker spielen Politiker

Die Büroszenen wurden im Haus Nordschleswig in Apenrade (Aabenraa) gedreht. Eine Station bildete in Seewang (Søvang) der Hof von Jørgen Popp Petersen. Ansonsten wurde in Rosenkranz und im Umkreis von zehn Kilometern gedreht.

„Über die Handlung weiß ich nicht besonders viel“, so Gastdarsteller Jørgen Popp Petersen, der den Politiker Jörn Bock spielt.

Die Kriminalpolizistin Pernille Poulsen (Mahara Jacobsen) fährt bei ihm auf den Hof vor, um ihn zu verhören.

Nichtraucher Popp bei den Dreharbeitern mit Pfeife Foto: BDN

„Obgleich ich nicht viel Text hatte, war es nicht ganz einfach. Es hat aber Spaß gemacht“, so die neu gewonnene Filmerfahrung von Popp, der in früheren Jahren als Laienspieler aktiv gewesen ist. Etwas überrascht ist er vom Zeitfaktor.

Die Sache mit der Klappe kann ich jetzt nachvollziehen. Das ergibt Sinn, damit man weiß, wo bei den Aufnahmen Kopf und Schwanz sind.

Jørgen Popp Petersen, Nebendarsteller

„Die Sache mit der Klappe kann ich jetzt nachvollziehen. Das ergibt Sinn, damit man weiß, wo bei den Aufnahmen Kopf und Schwanz sind“, so Popp, der im Film „Synnerjysk“ spricht.

Mit Landrat Ketelsen (alias Nordfrieslands Landrat Florian Lorenzen) spricht Politiker Bock jedoch Deutsch. Gary Funck, den er im wirklichen Leben aus der grenzüberschreitenden Politik kennt, erlebte Popp nun in einer neuen Rolle als Regisseur.

Es wurde in Rosenkranz unweit der Wiedau und dem Ruttebüller See gefilmt. Foto: Monika Thomsen

Hemmschwelle schnell abgebaut

Mit von der Partie ist auch der Tonderaner Dirk Andresen. „Das war lustig, es zu probieren. Auf der Theaterbühne kannst Du einen Schritt zurückgehen. Das ist hier aus Platzgründen einfach nicht machbar“, sagt Dirk Andresen, der als Laienschauspieler ein erfahrener Hase ist.

„Faszinierend finde ich es beim Theater wie auch jetzt bei den Filmaufnahmen, dass man vielleicht nur eine Person kennt. Nach drei Stunden hat man aber das Gefühl, du kennst sie alle. Die Hemmschwelle ist ruckzuck weg“, sagt Andresen.

„Durch das intensive Zusammensein werden die Schwellenängste schnell zur Seite gelegt“, so die Erfahrung von Andresen, der mit Matthias Harrebye-Brand auch zu Aufnahmen im Rickelsbüller Koog war.

„Bei Regen und Sturm“, berichtet Andresen mit einem Lachen. Beim dortigen Dreh kamen auch schon mal Schafe oder Maschinen ungewollt vor der Kamera oder als ungewünschte Geräuschkulisse in die Quere.

Kripomenschen unter sich: Mahara Jacobsen als die dänische Polizistin Pernille Poulsen und ihr deutscher Kollege Hannes Schröder, der von Matthias Harrebye-Brandt dargestellt wird. Foto: BDN

„Ich wusste vorher, dass es anders sein würde. Die Strukturen sind ganz anders“, sagt Matthias Harrebye-Brandt zur Frage wie es für ihn ist, mit Laiendarstellern zusammenzuarbeiten.

„Bei diesem internationalen Projekt gibt es für jeden Einzelnen mehr zu tun. Ich gebe ein bisschen Schauspielführung. Der Motivationsfaktor unter den Teilnehmern ist groß“, so der 46-Jährige.

„Ich habe mich darauf eingelassen, da ich gerne in der Heimat drehen und mit alten Bekannten und Freunden zusammen sein wollte“, sagt der Mann, der den Kriminalpolizisten Hannes Schröder verkörpert.

„Wie eine kreative Klassenfahrt"

„Wir sind eine eingeschworene Gemeinschaft. Das ist wie eine kreative Klassenfahrt. Der Lokalkolorit ist uns wichtig und die Eigencharaktere sind durchgehende Typen. Die Tage sind vollgepackt“, so der in Berlin lebende Schauspieler.

Abgesehen von einem Dokumentarfilm ist es das erste Mal, dass er soweit nördlich dreht. „Das Nördlichste war sonst mit Kripo Holstein und mit der Küstenwache war ich mal in Flensburg“, berichtet Matthias Harrebye-Brandt.

„Ja, ganz sicher“, beantwortet er die Frage, ob alle mit Spaß bei der Sache sind, die fröhliche und lockere Atmosphäre klingt auch im Gespräch durch. „Die ganze Truppe wohnt rundum den Grenzkrug in Gästehäusern. Es ist in etwa, wie wenn bei einem Auslandsdreh alle im Hotel wohnen.“

Aufnahme an der Theke Foto: BDN

„Du stehst hier quasi mit dem einen Bein in Deutschland und dem anderen in Dänemark. Wir sind eine gute Woche hier, gefühlt jedoch viel länger. Wir trotzen dem Wetter. Mit dem fertigen Produkt rechnen wir Mai oder Juni“, berichtet Matthias Harrebye-Brandt.

Der Kriminalfilm kommt in lokale Kinos

Geplant ist, dass der Kriminalfilm made in Rosenkranz in die lokalen Kinos an der Ost- und Westküste hüben wie drüben kommt. Angedacht ist außerdem, den Krimi bei Filmabenden in Vereinen zu zeigen. Zudem soll er zu einem noch nicht festgelegten Zeitpunkt online gestellt werden.

Man darf auf das Ergebnis gespannt sein, wenn „Der Krug an der Wiedau“, „Æ kro ve æ Viå“, „E krouf bai e Wiedå“, De Krooch an de Wiedau“, Kroen ved Vidåen“ auf die Leinwand kommt.

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