Neues Naturschutzgebiet

2024 bleibt Margrethenkoog Nord noch trocken

2024 bleibt Margrethenkoog Nord noch trocken

2024 bleibt Margrethenkoog Nord noch trocken

Hoyer/Højer
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Der nördliche Teil des Margrethenkoogs bei Hoyer wird zum Naturschutzgebiet. Wasser aus der Wiedau (siehe Foto) soll bis 2026 unter dem Straßendamm zwischen Hoyerschleuse und Wiedauschleuse hindurch in den Koog fließen – zugunsten seltener Tierarten, als Maßnahme zum Schutz der Tonderner Marsch vor Überschwemmungen und für den Klimaschutz. Foto: Volker Heesch

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Die Stiftung „Den Danske Naturfond“ lässt frühere Eigentümer der Flächen im künftigen Feuchtgebiet bei Hoyer in diesem Jahr noch Ackerbau betreiben: So werden dem Boden im Schutzgebiet Nährstoffe entzogen – Gülle und Pestizide sind aber bereits tabu.

Naturfreundinnen und -freunde wundern sich bei ihren Besuchen an der Wiedauschleuse bei Hoyer, dass im nördlichen Teil des Margrethenkoogs in diesem Frühjahr die Flächen wie in den vergangenen Jahrzehnten gepflügt und für die Ansaat vorbereitet werden. 

Vor über 40 Jahren eingedeichter Koog

Dabei war bereits im vergangenen Jahr mitgeteilt worden, dass das zwischen 1978 und 1981 eingedeichte, 230 Hektar umfassende Gebiet, in die Obhut der dänischen Naturschutzstiftung „Den Danske Naturfond“ übergegangen ist.

Die Karte zeigt den Nordteil des Margrethenkoogs, der bis 1981 durch den Bau des Deichs zwischen Emmerleff Kliff und dem Hindenburgdamm unter Einschluss des vorherigen Vorlandes und eines Stücks Wattenmeer entstanden ist. Bis 2026 soll das heute überwiegend intensiv landwirtschaftlich genutzte Gebiet der Natur „zurückgegeben“ werden. Foto: Den Danske Naturfond

Den Landwirten, die das Marschland zuvor genutzt hatten, waren Ersatzflächen übertragen worden. Damit wird im Margrethenkoog Nord auf den einstigen Vorland- und Wattflächen, die beim Bau des neuen Bollwerks gegen die Nordseesturmfluten zwischen Emmerleff Kliff und Rodenäs vor über 40 Jahren verloren gegangen sind, wieder Raum für See- und Wiesenvögel zur Verfügung gestellt. 

Platz für steigende Wassermengen in der Wiedau

Zugleich wird Platz für die Wassermassen geschaffen, die als Folge des Klimawandels immer häufiger zu bedrohlich hohen Wasserständen in der angrenzenden Wiedau führen, wenn bei hohen Regenmengen Sturmfluten ein Abfließen des Binnenwassers  ins Wattenmeer durch die Wiedauschleuse verhindern. 

In der Wiedau kommt es häufiger zu Hochwasser mit Überschwemmungsfahr. Ursache sind im Zuge des Klimawandels steigende Niederschlagsmengen, die bei Sturm aus westlicher Richtung nicht durch die 1982 eingeweihte Wiedauschleuse ins Wattenmeer abfließen können. Foto: Volker Heesch
Voraussichtlich im Bereich der Pumpstation, die seit rund 40 Jahren den nördlichen Margrethenkoog entwässert, wird künftig Wiedauwasser zur Entlastung der Audeiche bei Hochwasser in den Koog geleitet. So wird ein neues Feuchtgebiet gewonnen. Foto: Volker Heesch

„Es läuft alles im Zeitplan“, so Mads Jacobsen von der Naturstiftung, der Projektleiter des mit Ausgaben in Höhe von 69 Millionen Kronen verbundenen Vorhabens ist, das in Zusammenarbeit mit der Kommune Tondern realisiert wird. 

Die EU trägt Großteil der Kosten

 Rund zwei Drittel der Kosten übernimmt die EU, deren LIFE-Programm Klima- und Naturschutzvorhaben fördert.

Mads Jacobsen ist bei der dänischen Naturstiftung für das Projekt Margrethenkoog Nord zuständig. Für die technische Realisierung ist die Kommune Tondern mit ihrer Expertise im Bereich Naturschutz engagiert. Foto: Den Danske Naturfonds

„Es sind umfangreiche Planungen und Berechnungen erforderlich, bevor wir in dem bisher entwässerten Gebiet den Wasserstand anheben können“, so Jacobsen. Er erläutert, dass künftig Wasser aus der Wiedau durch Öffnungen im Damm, auf dem die Straße zwischen Hoyerschleuse und Wiedauschleuse verläuft, in den Koog fließen wird.

Gegen Überschwemmungsgefahr in Tondern 

Damit wird die Überschwemmunsgefahr im Bereich von Tondern (Tønder) verringert, wo in den vergangenen Jahren das Wasser der Wiedau oft bis an die Krone der Audeiche reichte. Im Zuge der Entwässerung der Marsch seit Beginn der 1930er-Jahre ist dort der Marschboden aufgrund der Zersetzung von Torfschichten abgesackt, und liegt im östlichen Teil der Tonderner Marsch vielfach nur noch auf Niveau des Meeresspiegels.

Die vor gut 40 Jahren angelegten tiefen Entwässerungskanäle sind Voraussetzung für die bisherige intensive Nutzung des nördlichen Margrethenkoogs. Sie werden außer Betrieb gehen und künftig der Bewässerung des neuen Naturschutzgebietes dienen. Auch Drainagen werden beseitigt. Foto: Volker Heesch

„Erst im kommenden Jahr werden die Bauarbeiten im Margrethenkoog anlaufen. Es müssen zuvor mehrere Behörden das Vorhaben behandeln“, so der  Biologe der Stiftung, die viele erfolgreiche Naturschutzvorhaben vorweisen kann. Im Wattenmeer beispielsweise auf der Insel Mandø und in Nordschleswig im Kollunder Wald. 

Künftig werden Vogelarten wie der Austernfischer wieder Brutplätze im nördlichen Margrethenkoog finden, in dem Bodenbrüter bisher angesichts intensiver Nutzung kaum eine Chance hatten. Foto: Volker Heesch

Der in diesem Jahr zugelassene Ackerbau im nördlichen Margrethenkoog, in dem traditionell große Zugvogelschwärme rasten, ist auch Teil des Projektes. 

Nährstoffe werden entzogen

„Die Landwirte entziehen mit dem Anbau ihrer Feldfrüchte dem Boden Nährstoffe, die bei Vernässung der Flächen ungünstig sind. Allerdings darf jetzt weder gedüngt noch mit Pestiziden gespritzt werden“, so Jacobsen. Während der vergangenen Jahre war auf den Koogsflächen, die kaum noch als Grünland genutzt wurden, oft in großen Mengen Gülle ausgebracht worden. Kiebitze, Austernfischer und andere Wiesenvögel konnten im Rahmen der intensiven Nutzung der Flächen kaum noch Junge aufziehen. 

Im westlichsten Bereich des nördlichen Margrethenkoogs ist etwas Grünland erhalten. Es ist ein Gebiet, das zum Zeitpunkt der Eindeichung eine Wattfläche war. Hier könnte die Wiedervernässung für reiches Brutgeschehen sorgen. Im Hintergrund die Ackerflächen. In Kürze wird das Grünland wieder beweidet. Der Einsatz von Rindern, Pferden und Schafen als Landschaftspfleger ist Teil des Naturschutzkonzeptes. Eine Verbuschung des Gebiets soll vermieden werden, um eine offene Landschaft zu erhalten, die bodenbrütende Vogelarten anzieht. Foto: Volker Heesch
Wie südlich der Wiedau werden im Nordteil des Margrethenkoogs künftig Robustrinder als Naturpfleger dafür sorgen, dass sich dort keine Büsche und Bäume ausbreiten und eine niedrige Vegetation erhalten bleibt, die von Wat- und Wiesenvögeln bevorzugt wird. Auch fressen auf den Flächen dann weiter Gänse, und werden von kommerziell genutzten Agrarflächen „weggelockt“, auf denen sie nicht willkommen sind. Foto: Volker Heesch
Nester von Bodenbrütern, abgebildet das Gelege eines Sandregenpfeifers, werden im neu gestalteten Margrethenkoog Nord besser geschützt als auf den bisher intensiv genutzten Koogsbereichen. Foto: Volker Heesch

Dennoch ist das Gebiet auch jetzt schon attraktiv für Naturkennerinnen und -kenner, weil es außerhalb der Saison des Ackerbaus von Durchzüglern wie Goldregenpfeifern, Großen Brachvögeln oder diversen Gänsearten aufgesucht wird. 

Sumpfohreulen auf Jagd

In den vergangenen Wochen waren regelmäßig Sumpfohreulen zu Gast, Seeadler sind ständig über der Niederung unterwegs, die in wenigen Jahren in ein Naturparadies (zurück-)verwandelt wird. Es werden dort laut Mads Jacobsen die Drainagen beseitigt, neue Seen und Tümpel für Vögel, aber auch für Amphibien wie die Kreuzkröte angelegt.

Während der vergangenen Woche waren Sumpfohreulen entlang des Deichs und der Kanäle im nördlichen Margrethenkoogs zu sehen. Die Bodenbrüter, die auch am Tage vor allem Wühlmäuse jagen, könnten künftig auch im neuen Naturschutzgebiet geeignete Brutplätze finden. Foto: Volker Heesch

In Zusammenarbeit mit der schleswig-holsteinischen Stiftung Naturschutz und der dänischen Naturschutzbehörde werden gezielt gegen Raubsäuger mit Elektrozäunen geschützte Brutplätze angelegt. 

Gefährdete Arten werden gefördert

Vor allem bodenbrütende Arten wie Uferschnepfen, Rotschenkel, Säbelschnäbler, Kampfläufer und Austernfischer, die europaweit drastische Bestandseinbußen erleiden, bekommen eine neue Chance. Das gleiche gilt für Entenarten wie Löffelente, Krickente und Pfeifente, die bereits im benachbarten südlichen Margrethenkoog sowie im deutschen Rickelsbüller Koog verbesserte Bedingungen im Zuge von Wasserstandsanhebungen und Brutplatzschutz erleben.

Säbelschnäbler kommen zur Futtersuche ins Watt westlich des Deichs im Gebiet des nördlichen Margrethenkoogs. Sie könnten im neuen Feuchtgebiet neue Brutplätze finden – wie bereits im südlichen Bereich des Margrethenkoogs, das die Naturbehörde verwaltet und für die Öffentlichkeit gesperrt hat. Foto: Volker heesch
Im südlichen Margrethenkoog sind im Zuge des neuen Naturschutzmanagements als Butvögel die hierzulande vom Aussterben bedohten Seeregenpfeifer und eigentlich weit südlicher heimische Stelzenläufer registriert worden. Auch Flussseeschwalben bekommen im Margrethenkoog neue Brutgebiete. 



 

Die Flussseeschwalbe war früher in der Tonderner Marsch häufig. Wie bereits im südlichen Teil des Margrethenkoogs könnte die Art von neuen, gegen Raubsäuger gesicherte Brutinseln profitieren. Die schönen Vögel sind im Bereich der Wiedauschleuse oft zu sehen. Foto: Volker Heesch
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