LIET International

„Wir müssen unbedingt die Vielfalt feiern“

„Wir müssen unbedingt die Vielfalt feiern“

„Wir müssen unbedingt die Vielfalt feiern“

Tondern/Tønder
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Beim LIET International Song Contest der Minderheitensprachen traten am Freitagabend 13 Bands auf und boten musikalische Darbietungen auf höchstem Niveau. Foto: Nils Baum

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Ein musikalisches Feuerwerk und eine beeindruckende sprachliche und musikalische Vielfalt erwarteten das Publikum beim Liet International Song Contest 2022. Am Ende der mehr als dreistündigen Show standen alle Künstlerinnen und Künstler als Gewinner dar. Über den Jury Award konnte sich am Ende Doria aus Korsika freuen.

Nach mehr als zwei Jahren Planung war es am Freitagabend endlich so weit: Der Song Contest für regionale und Minderheitensprachen, Liet International, konnte in der Schweizerhalle in Tondern eröffnet werden.

Eröffnet hat die Show  die ukrainische Sängerin Ingret Kostenko mit dem Lied „Save My Planet“. Sie trat außer Konkurrenz auf.

Danach betrat das Moderatorenduo Niklas Nissen aus Hadersleben (Haderslev) und Steffi Wright aus Broacker (Brogaer) die Bühne und begrüßte das internationale Publikum mit den Worten „Mojn Tondern, mojn Grenzland, mojn Europe“.

Fröhliche Stimmung von der ersten Minute an

Bereits zu diesem Zeitpunkt war die Stimmung in dem bis fast auf den letzten Platz gefüllten Saal der Schweizerhalle hervorragend. Und daran konnten auch kleinere technische Pannen wie ein nicht gleich funktionierendes Mikrofon etwas ändern.

Der Bürgermeister der Kommune Tondern, Jørgen Popp Petersen (Schleswigsche Partei), eröffnete schließlich das Festival offiziell.

„Wenn ein Dialekt erst einmal verschwunden ist, kommt er nicht mehr zurück. Minderheitensprachen handeln nicht nur von Sprache, sondern auch von Kultur, Zusammenhalt und Geschichte. Auf diese Dinge müssen wir aufpassen. Ich meine nicht, dass wir die Kulturen daran hindern sollten, sich weiterzuentwickeln, aber solange es möglich ist, müssen wir unbedingt die Vielfalt feiern“, sagte er.

Dem Bürgermeister der Kommune Tondern, Jørgen Popp Petersen (Schleswigsche Partei), kam die Aufgabe zu, den Musikwettbewerb offiziell zu eröffnen. Foto: Patricio Soto

13 Bands, 13 Sprachen

In der ersten Reihe hatte die 13-köpfige Jury Platz gefunden. Jede sprachliche Region wurde von einem Jurymitglied repräsentiert, das jeweils nicht für sein eigenes sprachliches Gebiet stimmen konnte. Die 13 Sprachen des Festivals waren Synnejysk, Francoprovenzalisch, Galizisch, Nordfriesisch, Sardisch, Westfriesisch, Südtirolerisch, Samisch, Korsisch, Katalanisch, Dänisch, Hebräisch und Plattdeutsch.

Auch das Publikum hatte die Möglichkeit, mit dem Audience Award einen Favoriten zu küren.

Langwierige Planung im Vorfeld

Doch bevor überhaupt die ersten Töne erklingen konnten, hatte Uffe Iwersen, Kulturkonsulent des Bundes Deutscher Nordschleswiger und nach eigener Aussage „der Strippenzieher für Liet 2022“ das Festival intensiv geplant und vorbereitet.

„Ich erhoffe mir, dass es ein Riesenfeuerwerk gibt an Musik, an Sprachen, an begeistertem Publikum und die Halle im übertragenen Sinn explodieren wird“, sagte er kurz vor Showbeginn gegenüber dem „Nordschleswiger“.

Uffe Iwersen hat das Liet International Festival für den Bund Deutscher Nordschleswiger als Veranstalter ausgerichtet. Foto: Nils Baum

Rockiger Start mit „Æ Nordschleswig-Lied“

Und dafür sorgte dann auch gleich der erste Act des Abends. Der Nordschleswiger Martin Hørløck eröffnete den bunten musikalischen Reigen mit seinem „Æ Nordschleswig-Lied“, einer rockigen Hymne an das Grenzland.

„Das Lied ist halb auf Synnejysk und halb auf Deutsch geschrieben. In dem Lied geht es um den sehr stark ausgeprägten Zusammenhalt in Nordschleswig, den ich auch immer so wahrgenommen habe“, hatte er im Gespräch mit dem „Nordschleswiger“ im Vorfeld der Show gesagt.

„Ich finde, es ist eine wunderbare Möglichkeit zu zeigen, dass es in der Minderheit verschiedene Sprachen gibt, und für mich ist es auch eine Ehre, dass ich Nordschleswig vertreten darf. Das ist unsere erste Show, wir sind komplett neu. Wir geben Vollgas, und wir machen uns einfach einen schönen Abend und versuchen, unser Bestes zu geben“, so Martin Hørløck übereinstimmend mit seinen beiden Bandkollegen.

Martin Hørløck hat „Æ Nordschleswig-Lied“ erst im Januar geschrieben und anschließend seine beiden Bandkollegen gefunden. „Es ist unsere erste Show, wir sind komplett neu. Das funktioniert so gut, dass wir auch fortan die Bandkonstellation aufrechterhalten und weiter Songs schreiben wollen“, sagt er. Foto: Nils Baum

Und genau das taten die drei Nordschleswiger Jungs. Das Adrenalin wurde regelrecht von der Bühne durch die Halle gepumpt.

Dem Beitrag aus Nordschleswig folgten die Darbietungen von zwölf weiteren Bands.

Musikalische und sprachliche Vielfalt

Mit Billy Fumey ging es dann ruhiger weiter. Der auf Francoprovenzalisch singende Musiker begleitete sich selbst auf der akustischen Gitarre.

Und damit wurde bereits zu Beginn der Show die beeindruckende musikalische Vielfalt deutlich, die zudem durch den Sprachenreichtum noch weiter getoppt wurde. Von akustischer Musik über gediegenen Pop bis zu orientalischen Klängen wurden die Zuschauerinnen und Zuschauer in den Bann gezogen.

Nach 2 Stunden und 20 Minuten konnten die beiden Moderatoren dann ein musikalisches Resümee ziehen.

„Bringt über die Musik eure Minderheiten in die Welt“

„Ein Feuerwerk der Vielseitigkeit“, lautete dann auch das Fazit von Moderatorin Steffi Wright.

Anschließend dankte die Kulturausschussvorsitzende des Bundes Deutscher Nordschleswiger, Marion Petersen, den Organisatorinnen und Organisatoren des Festes und richtete diese Botschaft an die Künstlerinnen und Künstler: „Geht raus als Künstler, als Musiker, ihr seid die Vertreter eurer Minderheiten. Geht raus mit Vielfalt, mit Identität, mit Kultur. Seid wirklich die Botschafter eurer Minderheitensprachen, -kultur und eurer Minderheiten selbst. Also geht selbst raus, bringt über die Musik eure Minderheiten in die Welt und haltet sie am Leben“, sagte sie.

Audience Award für Emanuele Pintus

Und dann überreichte sie den Audience Award, über den das Publikum online abgestimmt hatte.

„The Winner of the Liet International Audience Award 2022 is… Emanuele Pintus.”

Die Freude unter den Musikern war groß, und etwas überwältigt dankte Emanuele Pintus mit einem „Thank you“. 

Emanuele Pintus aus Sardinien gewinnt den Audience Award. Foto: Nils Baum

„Wir sind extrem überrascht“

Und dann endlich kam der ersehnte Höhepunkt der Show, die Vergabe des Liet International Jury Awards 2022. Und das war alles andere als einfach, denn die musikalischen Darbietungen waren schlichtweg alle von sehr hoher Qualität, wie eine der Jurorinnen zu bedenken gab.

Die Punkte 1-9 wurden jeweils auf den Displays links und rechts von der Bühne eingeblendet; und dann gab jedes der 13 Jurymitglieder vor der Bühne bekannt, an wen die Punkte 10, 12 und 14 gingen.

Nach den ersten sechs Abstimmungen war das Lied „Hudsult“ von Yourdaughters in Führung gegangen, gefolgt von Jimi Henndreck aus Südtirol und Doria aus Korsika. Zu diesem Zeitpunkt betrug der Abstand zwischen den dreien noch 11 beziehungsweise 8 Punkte.

„Wir sind extrem überrascht, das ist unser erster Auftritt. Aber es fühlt sich gut an“, sagte Lotta Sösemann von Yourdaughters.

Die Jurorin Jannike Brakels aus Friesland gibt ihre Punkte bekannt. „Es war schwierig“, gibt sie zu. Ihre 14 Punkte gingen an Doria. Foto: Nils Baum

Wettlauf mit extrem dichten Punkteabstand

Doch die Spannung im Saal stieg noch weiter an, denn der Wettlauf nahm im weiteren Verlauf an Dramatik zu. Doria überholte zunächst Jimi Henndreck, doch dann übernahm zwischenzeitlich Carolina Rubirosa aus Galizien die Führung.

Bevor die letzte Person der 13 Jurymitglieder ihre Punkte bekannt gab, lagen Carolina Rubirosa, Yourdaughters und Doria mit 109, 106 und 105 Punkten an der Spitze.

Am Ende bekam Doria ein fünftes Mal mit 14 Punkten die maximale Punktzahl. Und damit stand sie schließlich als Gewinnerin des Liet International Song Contest 2022 fest.

Am Ende war es ganz knapp: Doria aus Korsika sicherte sich mit einem Punkt Vorsprung die Führung und damit den Siegertitel. Foto: Nils Baum

„Ihr seid alle zusammen Gewinner”

Es dauerte ein paar Sekunden, bis sie verstand, dass sie gewonnen hatte, doch dann kannte der Jubel keine Grenzen.

„Thank you very much for the show, Tondern, I don’t have the words”, rief sie gerührt in den Saal.

Überreicht bekam sie den Preis von Per Rasmussen, Repräsentant von Sydbank Fonden. Er hatte sich vorab im Interview überwältigt gezeigt von der Vielfalt der Künstlerinnen und Künstler und dem Bund Deutscher Nordschleswiger zur gelungenen Show gratuliert.

„Ihr seid alle zusammen Gewinner. Ich bin sehr imponiert über das hohe Niveau. Hier ist eine fantastische Energie. Die zwei Stunden vergingen so schnell wie eine Viertelstunde“, sagte er.

„Thank you very much for the show, Tondern”, rief Doria gerührt in den Saal. Foto: Patricio Soto

„Eine fantastische Show“

Mit einem „Mojn Europe“ verabschiedeten sich Niklas Nissen und Steffi Wright und überließen Doria die Bühne, die zum Abschluss noch einmal ihren Song „Roma“ darbot.

Doch damit war das Fest noch lange nicht vorbei. Nach dem Ende der Show füllte sich das Foyer der Schweizerhalle mit den Musikerinnen und Musikern, Gästen und Juroren.

Und auch Uffe Iwersen war nach der Show in Feierlaune.

„Ich bin wirklich erleichtert und bin wahrscheinlich der glücklichste Mensch gerade hier neben den Gewinnern. Es war eine fantastische Show. Es war wirklich so, wie ich es mir erhofft hatte. Ein Feuerwerk und eine Megastimmung.“

„Der Nordschleswiger“ hat kurz nach dem Ende der Show noch weitere Stimmen eingefangen:

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