Lesung

Tondern im neuen Krimi

Brigitta Lassen
Brigitta Lassen Lokalredakteurin
Tondern/Tønder
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Volker Streiter in der Deutschen Bücherei Tondern. Foto: Brigitta Lassen

Der Kölner Polizist Volker Streiter las in der Bücherei in Tondern aus seinem neuesten Werk vor.

Büchereileiterin Marie Medow hatte das Licht leicht gedämpft, und die kleine Runde (sogar mit zwei Teilnehmern aus Tönningstedt) wartete gespannt, als Volker Streiter aus seinem neuesten Nordsee-Krimi „Nacht über Föhr“ in der Deutschen Bücherei in Tondern vorlas.

Der Mord wird auf der Ferieninsel begangen, nicht in der Gegenwart, sondern 1854, als Föhr noch mit einer Grenze in den deutschen und dänischen Teil aufgeteilt war und es zu beiden Seiten eine eigene kulturelle, soziale und Verwaltungsstruktur gab.

Auch diese Thematik beschreibt der aus Köln kommende Polizist zum Teil sehr humorvoll. Denn wer ermittelt, obduziert und trifft die Entscheidungen? Auch die sogenannte feine Gesellschaft wird vom Schriftsteller mit viel Humor auf die Schippe genommen. Immer wieder baut er Persönlichkeiten in die Handlung ein, die tatsächlich auf Föhr gelebt haben, so zum Beispiel Theodor Storms erste Verlobte, Emma Kühn, die nach der Trennung selbst Schriftstellerin wurde.

In seinem historischen Roman (seine ersten Werke spielen auch an der Westküste, in Sankt Peter-Ording, auf Eiderstedt und auf Amrum, beide Mitte des 19. Jahrhunderts) lässt Streiter seinen Erzähler, Reiseschriftsteller Johann Kohl, die Insel mit all ihren Eigenarten erleben, als der Mord verübt wird. Sofort wird ein dunkelhäutiger Südseemann (auch Menschenfresser genannt) verdächtigt. Die Tat stört die Inselruhe. In diese hat sich Volker Streiter im Urlaub verliebt und sie als Schauplatz für seine historischen Krimis gewählt.

Ausgiebig gab er nach der Lesung Einblick in die Arbeit eines Buchautors. Streiter verriet, dass sein nächster Krimi in Dänemark, unter anderem in Tondern, spielen wird. Die ersten 200 der geplanten 450 Seiten seien schon fertig. Für dieses Buch wählte er das Jahr 1847.

Es müsse diszipliniert recherchiert werden. 95 Prozent des Materials würden nicht benutzt werden, das er in der Literatur, Zeitungsartikeln und im Internet findet. Bei Ausübung seines Berufs als Polizist müsse er genau hinschauen können. Er habe Interesse für die Welt im Allgemeinen, für Gesellschaft und Geschichte im Besonderen. Seine Nordsee-Krimis seien sein Markenzeichen geworden. Er wolle seine Leser mit auf eine Zeitreise nehmen und nicht mit Infos zuschmeißen. „Ich erzähle und spiele gerne mit der Sprache, und ich bin einer ironischer Mensch“, gestand er. Und ein Mensch mit viel Humor, stellten seine Zuhörer fest.

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Leitartikel

Gwyn Nissen
Gwyn Nissen Chefredakteur
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