Musik

Dinesens „Kind“ kommt im November

Monika Thomsen
Monika Thomsen Journalistin
Tondern/Tønder
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Jacob Dinesen
Das musikalische Interesse von Jacob Dinesen hat sein Vater von Kindesbeinen an geschürt. Foto: Karin Riggelsen

Der landesweit erfolgreiche Musiker aus Tondern schickt bald sein 3. Album auf den Markt. Er schreibt auch Songs, bei denen der letzte Punkt nicht gesetzt wird.

Im Festivalprogramm 2018 figurierte der aus Dyrhuus bei Tondern stammende Musiker Jacob Dinesen nicht mit dem gesungenen, sondern beim Artist-Talk mit dem gesprochenen Wort. Zu Spontan-Auftritten kam es jedoch bei Konzerten von seinem musikalischen Ziehvater Allan Taylor und Sängerin Laura Mo, die im April im Vorfeld seines Arena-Konzerts in Apenrade gespielt hatte.

Der 22-jährige landesweit erfolgsgekrönte Sänger gewährte Einblick in die Rolle, die das Tønder Festival für seinen musikalischen Werdegang gespielt hat. „Das Festival hat ohne Zweifel einen sehr großen Abdruck auf meine musikalische Karriere gesetzt. Hier im Wild West dk. mit den offenen Weiten bin ich, seit ich klein war. Ich habe die Musiker aus erster Hand spielen gesehen“, so Jacob Dinesen, der durch den Besuch von Gospelkonzerten mit seiner Urgroßmutter mit dem Festival Bekanntschaft schloss.

„Ich habe mir fast in die Hose gemacht“

Eine Bindung, die nie abgerissen ist. „Ich erinnere mich noch gut an eines meiner ersten Konzerte mit der Oysterband, als ich alt genug wurde, um abends mit ins Zelt zu kommen“, so der Mann mit der charakteristischen rauchigen Stimme. Die Frontfigur John Jones machte einen riesigen Eindruck. „Seinen Trick, ins Publikum herauszuspringen, habe ich etwas abgekupfert“, gesteht er mit einem Lachen.

„Ich habe mir fast in die Hose gemacht“, meint er zu dem Gefühl, das erste Mal beim Festival auf der Bühne zu stehen. Obgleich er noch bei der telefonischen Anfrage von der künstlerischen Festivalleiterin Maria Theessink 2015 ganz cool reagiert hatte. Dies währte nur, bis sie aufgelegt hatte. Es sei schon komisch gewesen, selbst einer der Namen auf dem Festivalplakat zu sein. „Früher wünschte ich mir, wie die Künstler auf dem Festivalplatz zu sein,“ so Dinesen, der sich, was seinen Musikstil anbelangt, nicht gerne auf ein Genre festnageln lässt, ob es nun Folk, Rock, Pop, oder Soul ist.

Schlaflose Nächte

Wenn er neue Musik auf den Markt schickt, gibt es vorher schlaflose Nächte. „Es ist wie bei einem Kind, das man in die Welt hinausschickt. Das Kind muss die Prügel einstecken, die es gibt. Wenn das Album fertig ist, dann drücke ich die Daumen. Neue Musik gebe ich immer mit einem Gefühl von Ehrfurcht heraus. Dann ist es das größte Glück, wenn ich spüre, dass es auf fruchtbaren Boden fällt“, so der Songschreiber, der keinen Bogen um Musik-Kritiken macht.

„Ich überlege, ob in die moderne Rockmusik mehr Spinette hineinpassen"

„Dabei handelt es sich ja um die Meinung eines Einzelnen. Vieles ist Geschmackssache. Ich habe mir den Maßstab gesetzt, dass ich meinen eigenen Erwartungen entsprechen und zu dem stehen können muss, was ich mache. Wenn man versuchen will, die Erwartungen anderer zu erfüllen, wird man verrückt. Das Wichtigste ist für mich, dass ich dazu stehen kann und dass es dem Publikum gefällt“, erzählt der Musiker, der auf einem seiner neuen Stücke ein altes Spinett aus dem Mittelalter einsetzt. „Ich überlege, ob in die moderne Rockmusik mehr Spinette hineinpassen“, sagt er lachend.

Als Songschreiber hat er stets die Antennen auf Empfang gestellt und läuft mit offenen Augen und Ohren durch die Welt. „Ich arbeite jeden Tag von 9 bis 16 Uhr, obgleich an einigen Tagen vielleicht nur zwei brauchbare Sätze für später dabei herauskommen.“ Und er hat auch schon mal 29 in einem Rutsch geschriebene Lieder in den Papierkorb katapultiert, da sie nicht seinen Ansprüchen gerecht wurden.

„Das Tolle an dieser Arbeit ist, dass es keine Ergebnisliste gibt“, so Dinesen. Der Song Dancing Devil sei immer noch nicht fertig, und er schreibe nach dem Erscheinen laufend Verse um.
Drittes Album in Arbeit„Wenn man das erste Mal sein Kind vorzeigt, dann erfolgt das im Taufkleid. Beim 100. Mal ist es aber verdammt langweilig, das Kind im Taufkleid zu sehen“, nimmt er sich einen Rat von Musiker Allan Olsen zu Herzen.

„Platz im Herzen der Menschen"

„Es ist ja fantastisch, wie wir uns als Menschen weiterentwickeln und uns erlauben können, unsere Lieder anders anzukleiden. Auch weil es da, wo wir jetzt sind, in zehn Jahren vielleicht anders klingt. Who knows?, so der in Aarhus wohnende Künstler, der eine große Passion für seine eigene Musik hat. „Weil ich weiß, dass es das ist, was ich kann“, meint er mit Blick auf das Handwerk, das gelernt sein will.

„Ich will gerne mein eigenes Universum erforschen und mich selber herausfordern. Das Wichtigste für mich als Songschreiber ist es, ein Teil im Leben der Leute zu sein. Ich will gerne, dass die Lieder einen Platz im Herzen der Menschen einnehmen.“

Er zehrt auch von Erfahrungen von anderen, u. a. von seinem Lehrmeister Allan Taylor. „Wenn ich etwas spannend finde, dann sind es Erfahrungen. Ich brocke mir manchmal Probleme ein, um Erfahrungen zu gewinnen“, sagt Dinesen, der im November sein drittes Album auf den Markt schickt, mit einem verschmitzten Lächeln.

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