Deutsche Minderheit

Halle der Volksgruppe ist offen für alle

Kjeld Thomsen
Kjeld Thomsen Lokalredakteur
Tingleff/Tinglev
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Auch für buntes Fasching der deutschen Schulen oder Kindergärten wird die Sporthalle gerne genutzt. Foto: Karin Riggelsen

Die Deutsche Sporthalle Tingleff hat Grenzen überwunden und wird längst auch von der Mehrheit genutzt.

Mehr als die Hälfte der Zeit, in der es die Sporthalle Tingleff gibt, ist Erwin Andresen Vorsitzender der Stiftung „Sport und Kulturzentrum“ gewesen. „Es ist quasi ein Verband innerhalb der Volksgruppe, vergleichbar mit einem Ruderklub“, so Andresen zum Konstrukt, dem die Halle als Sport- und Versammlungsstätte einverleibt ist. Seit Anfang der 90er Jahre hat Andresen den Vorsitz.Er hat dabei nicht nur bauliche, sondern auch mentale Veränderungen erlebt. Die Halle war – vor allem in der Anfangszeit – einzig und allein deutschen Einrichtungen und Veranstaltungen vorbehalten. Das hat sich geändert.

Deutsche Vereine haben immer noch Vorrang, die Sporthalle ist aber längst eine Begegnungs- und Sportstätte auch für andere. Von einem Gegeneinander und einem Nebeneinander ist die Halle zu einer Immobilie des Miteinanders geworden. Im Prinzip genau so, wie sich das Verhältnis zwischen Minderheit und Mehrheit im Laufe der Jahrzehnte entwickelt hat. Die deutsche Halle wurde in der kommunalen Förderung aufgenommen und gleichgestellt.

Halle als Prüfungssaal: Examen im Schuljahr 1969/70 Foto: Foto: HPB

Geben und nehmen

„Wenn wir gleichberechtigt sein und bezuschusst werden wollen, dann müssen wir die Halle bei freien Kapazitäten auch zur Verfügung stellen“, sagt Erwin Andresen.
„Wir sind eine offene Halle“, so der Vorsitzende. Auch dänische Vereine aus der Nachbarschaft und Klubs wie SønderjyskE haben auf die Halle zurückgreifen können und wollen. Bei Nichtauslastung ist das mittlerweile auch sehr wichtig.

Andresen: „Die Entwicklung weg vom Mannschaftssport bedeutet weniger Betrieb. Zu meiner aktiven Zeit hatten wir im SV Tingleff allein fünf Handball-Männermannschaften. Das hat sich geändert und stellt vor Herausforderungen“, so Erwin Andresen. Die Halle, der Cafeteriabereich und das Lehrschwimmbecken gelte es zu vermieten, wenn sie gerade nicht von Einrichtungen und Verbänden der Volksgruppe genutzt werden. Die Betriebskosten wollen gedeckt werden.

Und es warten Sanierungsmaßnahmen. Insbesondere die Heizungsanlage müsse dringend erneuert werden. Hinzu kommen weitere energetische Maßnahmen. „Es ist vor allem im Lehrschwimmbecken nötig.“ Wenn die Mittel dafür beisammen sind, hoffe man, ein Warmwasserbecken für gymnastische und Reha-Zwecke schaffen zu können. „Das wäre dann nicht nur für Vereine der Minderheit, sondern auch für andere Nutzer wie Behindertengruppen reizvoll. Das ,Hjernecenter Syd‘ ist bereits Mieter der Schwimmhalle und könnte dies ausweiten“, so Erwin Andresen.

Im Zuge von Einsparungen in der Volksgruppe ist die Tingleffer Sporthalle verwaltungstechnisch der Deutschen Nachschule unterstellt. Dieses Modell habe sich bewährt, meint Erwin Andresen. „Es wurde damals in der Volksgruppe unter anderem überlegt, wie man im Bereich Hausmeisterei Aufgaben zusammenlegen könnte. Bei uns in Tingleff kam dabei die Nachschule ins Spiel. Sie ist mittlerweile für die Halle zuständig. Die Halle unterliegt aber immer noch der Stiftung“, so Erwin Andresen zum neuen Konstrukt.

Auch für Klassikkonzerte eignet sich die Sporthalle und wird unter anderem vom Tingleffer Dachverband „Tinglev Forum“ dafür gemietet. Foto: Karin Riggelsen
Handball, aber auch viele andere Sportarten wie etwas Volleyball sind 50 Jahre lang am Zeppelinvej gespielt worden. Foto: Privat
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