Sklerose

Tästensen: „Nie den Mut verlieren“

Tästensen: „Nie den Mut verlieren“

Tästensen: „Nie den Mut verlieren“

Jon Thulstrup
Jon Thulstrup Online-Redaktion
Tingleff/Tinglev
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Trotz Sklerose arbeitet Willi Tästensen noch täglich als Maurer. Foto: Karin Riggelsen

Maurermeister Willi Tästensen aus Tingleff hält weiterhin an seiner Arbeit fest – trotz einer unheilbaren Krankheit.

Vor fünf Jahren bekam Willi H. Tästensen, Maurermeister in Tingleff, die niederschmetternde Diagnose des Arztes. An den Tag kann sich Tästensen noch genau erinnern. „Du hast Sklerose und die Krankheit ist unheilbar“, so waren die Worte des Arztes über die autoimmune, chronisch-entzündliche neurologische Erkrankung. „Das war selbstverständlich ein harter Schlag für mich und meine Familie. Wir waren gerade im Urlaub in Aalborg“, erinnert sich Tästensen. Trotzdem ist er froh über die direkte Art und Weise des Arztes. „Dann wusste ich auf Anhieb, womit ich es zu tun hatte“, unterstreicht er. Eine Rückenmark-Untersuchung im Sonderburger Krankenhaus hatte den Beweis geliefert.

Dass etwas mit seinem Körper nicht in Ordnung war, habe er zuvor beim Arbeiten bemerkt. „Auf einer Baustelle bin ich einmal umgekippt. Ich konnte mein linkes Bein nicht bewegen. Da wusste ich, dass irgendwas nicht stimmte“, so Tästensen. Zu dem Zeitpunkt hatte Tästensen sich einen beachtlichen Maurerbetrieb mit zeitweise zehn Mitarbeitern und vollen Auftragsbüchern aufgebaut. Selbstständig habe er sich vor fast 20 Jahren gemacht. „Davor habe ich viele Jahre in Deutschland gearbeitet“, so der 57-jährige Maurermeister. „Anfangs wollte ich lediglich einen Ein-Mann-Betrieb haben. Doch das änderte sich schnell“, erklärt er.

Nun hat er im Laufe der Jahre nach der Diagnose schrittweise seinen Betrieb verkleinert. Heute beschäftigt er noch einen Lehrling, der im kommenden April seine Ausbildung beendet. Wie es dann weitergeht, kann Tästensen noch nicht sagen. „Ob ich dann Schluss mache oder noch ein wenig weiterarbeite, muss ich dann sehen“, sagt er.

„Auf einer Baustelle bin ich einmal umgekippt. Ich konnte mein linkes Bein nicht bewegen. Da wusste ich, dass irgendwas nicht stimmte.“

Willi H. Tästensen
Was die Zukunft bringt, ist offen. Foto: Karin Riggelsen

Arbeit tut ihm gut

Noch tue ihm die Arbeit gut. „Dadurch halte ich meinen Körper fit. Der Arzt hat es auch empfohlen“, unterstreicht er. Es ärgert ihn aber, dass er seinen Betrieb aufgrund der Krankheit verkleinern musste. „Das Problem ist ja auch, dass sich schnell die Nachricht meiner Erkrankung verbreitet. Viele Leute denken dann, dass ich dann nicht mehr arbeiten kann, und rufen dann nicht an“, so der Maurermeister. Noch erledigt er Kleinreparaturen, wie Fugen-Arbeiten oder renoviert Badezimmer – stillsitzen kann und will er nicht.

„Anfangs war es schwer, mich der Krankheit anzupassen und einzuräumen, dass ich nicht mehr dieselben Dinge wie zuvor schaffen kann“, so Tästensen. Probleme habe er nach wie vor unter anderem mit seinem linken Bein. Auch mental muss man sich ihm zufolge mit der Krankheit abfinden. Zum Glück sei er mit der Renovierung seines Hauses, dass er zusammen mit Frau Marianne hat, fertig geworden. Es aber komplett behindertengerecht zu gestalten kommt für ihn nicht infrage. „Eine Rampe draußen vor der Treppe für einen Rollstuhl werde ich nicht bauen. Das stört mein kritisches Auge als Maurer“, schmunzelt er. Seinen Humor hat er nicht verloren.

Seit seinem 17. Lebensjahr ist Tästensen Maurer. Foto: Karin Riggelsen

Sollte er im April seine Arbeit beenden, würde dies mit der Pensionierung seiner Frau zusammenpassen. Wie sie dann ihre gemeinsame Zeit verbringen? „Ich denke, dass wir morgens zusammen Sport machen und oft Spazieren werden. Das ist wichtig, wenn ich die Bewegung meiner Arbeit nicht mehr habe“, unterstreicht er. Auch könnte er sich vorstellen, im örtlichen Seniorenverein aktiv zu werden – die soziale Gemeinschaft suchen.

16.000 Menschen mit Sklerose

Laut dem dänischen Skleroseverein leben in Dänemark rund 16.000 Menschen mit Sklerose. Rund zwei Drittel sind Frauen. Einen Rat an Personen, die daran erkranken, hat Tästensen auch. „Nie den Mut verlieren“, unterstreicht er. „Und die körperliche Fitness ist das A und O“, betont der Maurermeister.

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