Grenzland-Geschichte

Ein Nordschleswiger Brot ging um die Welt

Ein Nordschleswiger Brot ging um die Welt

Ein Nordschleswiger Brot ging um die Welt

Apenrade/Aabenraa
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Foto: Jan Schmidt

Das Foto einer Packung „Nordschleswiger Schifferbrot“ aus Deutschland hat unter Nordschleswigern in den sozialen Medien die Runde gemacht. Was steckt dahinter? Wir haben es herausgefunden – und sind auf eine spannende Grenzland-Geschichte gestoßen, die bis in das Jahr 1916 zurück reicht.

In der vergangenen Woche veröffentlichte der Bund Deutscher Nordschleswiger (BDN) in den sozialen Medien ein Foto von einer Packung Roggenvollkornbrot mit der Aufschrift „Original Nordschleswiger Schifferbrot“ der Bäckerei Bachendorf. Warum wird südlich der Grenze ein „Nordschleswiger“ Roggenbrot gebacken, fragten sich viele – und auch wir in der Redaktion.

Die kurze Antwort vorweg: Das Originalrezept des Brotes stamme tatsächlich aus der Region Nordschleswig, verrät Jürgen Bachendorf, der Leiter der Bäckerei Bachendorf.

Entstehung der Bäckerei Bachendorf

Die lange Fassung der spannenden Grenzland-Geschichte, die hinter dem „Original Nordschleswiger Schifferbrot“ steckt, geht so:

Bachendorfs Großvater schloss 1916 eine Ausbildung zum Bäcker und anschließend zum Konditor ab. „Opa hat in Sonderburg gelernt – Bäcker und Konditor – und danach ist er zur See gegangen. Erst versuchte er es bei einer Reederei in Flensburg, doch die Schiffe waren nicht groß genug und hatten nur einen Koch- und keinen Bäckerjob.“

So sei der Großvater nach Hamburg gegangen, um eine Bäckermeister-Stelle auf einem Hapag Lloyd Schiff anzutreten. „Opa ist mit der SS Brasilia um die ganze Welt gefahren, und dort konnte er natürlich nur das Brot backen, so wie es einst in Sonderburg gelernt hatte“, so Bachendorf.

Ankerwurf in Gammellund

1918 verließ Großvater Bachendorf die Weltmeere und warf in Gammellund zwischen Schleswig und Tarp seinen Anker. Dort hatte der vermögende dänische Grundbesitzer Jens P. Hansen die ehemalige Gammellunder Mühle zum Verkauf gesetzt. Die Flügel der Mühle, die das Mahlwerk antrieb, waren im Jahre 1921 in einem schweren Sturm stark beschädigt worden und musste somit abgebaut werden.

Bachendorf nutze die Chance und baute die Mühle zu einer Backstube um, mit angrenzendem Wohnhaus und Stubenladen. 1924 wurde die Bäckerei Bachendorf eröffnet.

Mittels Pferdefuhrwerk lieferte Jürgen Bachendorf in die ganze Umgebung Gammellunds und teilweise sogar bis nach Flensburg in die Schleswiger Straße, erzählt der heutige Leiter der Bäckerei.

Und in den Kriegs- und Nachkriegszeiten ging es besonders turbulent zu. Um die Grundversorgung der Bevölkerung gewährleisten zu können, mussten die Bäcker mit viel Fantasie Rohstoffengpässe meistern.

Das Pferdefuhrwerk der Bäckerei Foto: Privat Bäckerei Bachendorf

Nach dem Krieg

„Nach dem Krieg hat mein Vater Johannes den Betrieb übernommen – bescheiden und klein. Aber das sieht heute, 96 Jahre später, ganz anders aus“, erzählt Bachendorf. Es sei eine „knappe und schwere Zeit“ gewesen, doch Bachendorfs Vater führte bis 1970 in den ursprünglichen Betriebsräumen die Bäckerei weiter. In diesem Jahr wurde die Bäckerei durch einen Brand zerstört und Vater und Sohn mussten die Bäckerei neu aufbauen. Seither ist der Betrieb ständig erweitert und umgebaut worden.

Die Backstube in der alten Mühle Foto: Privat Bäckerei Bachendorf

Nur Bio ist Original

„Was aber niemals verändert wurde, ist die Rezeptur des „Original Nordschleswiger Schifferbrotes“ und die Bäckerei arbeite auschließlich mit biologischen Rohwaren. „Wenn wir das Brot original nach Opas Rezeptur backen wollen, dann müssen wir mit Bio-Produkten arbeiten. Sonst arbeiten wir nicht nach der originalen Rezeptur.“

Bevor das Brot seinen Namen bekam, fragten die Bachendorfs sicherheitshalber in Apenrade nach. „Dabei habe ich mich an den Vorsitzenden des Bundes Deutscher Nordschleswiger gewendet und gefragt, ob ich den Begriff ‚Nordschleswiger‘ nutzen darf. Da der Begriff nicht geschützt war, habe ich ihn übernommen und mit dem Schifferbrot kombiniert“.

Bachendorf fährt gerne und häufig nach Dänemark und freut sich darüber, hier immer als „Freund“ empfangen zu werden. „Ich bewundere die Region für ihre friedliche Zusammenarbeit - nach der Geschichte, die wir hinter uns haben“, so Bachendorf.

Bäckermeister Jürgen Bachendorf Foto: Privat Bäckerei Bachendorf
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