Grenzhandel

Grenze dicht: Händler und Kommunen in Not

Grenze dicht: Händler und Kommunen in Not

Grenze dicht: Händler und Kommunen in Not

Carlo Jolly, SHZ
Süderlügum/Harrislee
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Gähnende Leere: Genau zwei Kunden zählte der Grenzhandel an der B5 bei Süderlügum am Montag um 13 Uhr. Foto: Carlo Jolly

Der Grenzhandel ist nahezu zum Erliegen gekommen. Harrislees Bürgermeister Martin Ellermann plädiert für eine Öffnung der Grenze zumindest für die ganze Region Schleswig/Sonderjylland.

Genau zwei Autos verlieren sich auf den weitläufigen Parkplätzen vor den Grenzhändlern Fleggaard und Fakta an der Bundesstraße 5 zwischen Süderlügum und Böglum. Das macht zwei Kunden drinnen bei Fakta – in diesem Paradies von Zuckerlakritz, Weingummi oder Salmiakbonbons.

Ein klein wenig belebter präsentiert sich der Scandinavian Park in Handewitt. Immerhin schiebt schon mal ein Kunde eine Getränkekiste zum Wagen. Der Weg zum Einkauf führt seit acht Wochen statt an Hotdogs und Latte Macciato an Flatterband und Sitzverboten vorbei.

Zur Geschäftslage will sich keiner der befragten Grenzhändler äußern. Kurzarbeit prägt weiter das Bild. Und in Harrislee am Ochsenweg, wo Poetzsch, Otto Duborg, Fleggaard & Co die größte Grenzhandelsdichte weit und breit präsentieren, ist die Lage besonders schwierig, weil zu allem Übel der sonst gut frequentierte Grenzübergang Pattburg am Ochsenweg seit Mitte März komplett geschlossen ist.

„Grenzschließung katastrophal“

Martin Ellermann ist einer, der die Lage am besten kennt – und auch die Folgen direkt zu spüren bekommt: „Die Auswirkungen der Grenzschließung sind katastrophal“, sagt der Bürgermeister von Harrislee. „Es können ja kaum mehr Umsätze stattfinden.“

Das trifft nicht nur die Grenzhändler, sondern auch deren Kommunen. Und gerade Harrislee, in Rekordjahren Krösus unter den Grenzgemeinden mit fast zehn Millionen Euro Gewerbesteuer, spürt jetzt die Last der Abhängigkeit vom Grenzhandel: Steueranteil deutlich über 40 Prozent.

Grenzöffnung für Region Schleswig/Sonderjylland

Da das Infektionsrisiko derzeit beiderseits der Grenze ähnlich niedrig sei, plädiert Ellermann für eine Öffnung der Grenze zumindest für die ganze Region Schleswig/Sonderjylland. Und wenn die Dänen, womöglich aus Frust vor der schwierigen Infektionslage beim Nachbarn Schweden, lieber alle Grenzen geschlossen halten, schlägt Ellermann vor, die Kontrollen einseitig zu stoppen und so die dänische Kaufkraft ins Land zu lassen.

„Das hängt nicht an der Landesregierung“, erklärt dazu der Kieler Regierungssprecher Peter Höver. Der Ball liege hier bei der Bundesregierung und der dänischen Staatsregierung, die derzeit sehr restriktiv agiere. Ein einseitiges Öffnen der deutsch-dänischen Grenze? Höver: „Das kann nur der Bundesinnenminister anordnen.“

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Gwyn Nissen
Gwyn Nissen Chefredakteur
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