Natur im Mittelpunkt

Was machen Bienen, wenn es regnet?

Was machen Bienen, wenn es regnet?

Was machen Bienen, wenn es regnet?

Gravenstein/Gråsten
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Bienen bei der Arbeit. Aber warum produzieren die Insekten eigentlich Honig, und wie kommunizieren die Tiere miteinander? Die 2. Klasse der Förde-Schule hat Antworten gefunden. Foto: Annelene Petersen/Jysk Fynske Medier/Ritzau Scanpix

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Woher kommt der Honig, und was macht er, wenn ein ganzes Bienenvolk einfach davonfliegt? Hobby-Imker Volkmar Koch besuchte am Donnerstag die Förde-Schule und gab spannende Einblicke in seine Arbeit.

Warum schmeißen die Arbeiterinnen im Bienenstock vor dem Winter alle männlichen Drohnen raus? Warum gibt es nur eine Königin und keinen König, und wie spricht ein Bienenvolk miteinander? Hobby-Imker Volkmar Koch gab den Kindern der 2. Klassen an der Förde-Schule spannende Einblicke in seine Arbeit. Der ehemalige Schulleiter der Förde-Schule ist seit acht Jahren Imker, aktuell hat er fünf Bienenvölker und erntet zweimal im Jahr Honig.

Im Rahmen der Themenwoche „Natur im Mittelpunkt“ durften Kinder und andere Anwesende dem Imker unzählige Fragen stellen. Eine Auswahl.

Wieso gibt es überhaupt Honig?
„Die Bienen produzieren aus Nektar und Pollen Honig als Nahrung für sich selbst und um in den Wintermonaten zu überleben.“

Wenn du den Honig entfernst – was fressen die Bienen dann im Winter?
„Wenn ich im August zum zweiten Mal Honig geerntet habe, bekommen die Bienen Futter von mir. Das ist eine Zuckermasse, die die Bienen aufessen und in die leeren Waben füllen. Sie fressen mindestens 15 Kilo Zuckermasse, manchmal auch die doppelte Portion. Im November ist das Futter dann weg, und die Bienen leben aus dem Vorrat in den Waben. Ab Oktober habe ich dann sozusagen Ruhe, und die Bienen versorgen sich selbst.“

Raum für ein ganzes Volk: Volkmar Koch erklärte, wie die Bienen arbeiten und leben, wo sie Eier legen und wer im Winter die Königin wärmt. Foto: Sara Eskildsen

Was machen die Bienen im Winter – und wenn es regnet?
„Im Winter sind nur rund 1.000 Bienen im Bienenstock. Das sind die sogenannten Winter-Bienen, die leben rund sieben Monate. Die Sommerbienen leben nur etwa 35 Tage. Aufgabe der Winter-Bienen ist es, die Königin zu wärmen und zu versorgen. Denn die braucht mindestens 25 Grad, um sich wohlzufühlen. Die Bienen bilden eine Kugel, in deren Mitte die Königin ist. So wärmen sie ihre Königin. Die Bienen außen an der Traube holen immer wieder Futter und geben es an die Bienen weiter innen weiter. Wenn es regnet, bleiben alle Bienen im Stock. An warmen Tagen kann es mal sein, dass mal eine rausguckt. Ansonsten eher nicht. Erst im Frühling, so im März, fliegen die Bienen raus aus dem Stock – um ihre Blase zu entleeren. Daher sollte man im März übrigens keine weiße Wäsche aufhängen. Dann kann es passieren, dass die Bienen vom Weiß angezogen werden und ihre Blase darauf entleeren. Das gibt kleine, gelbe Flecken. Jetzt im Winter befinden sich übrigens nur die weiblichen Bienen im Stock – die Drohnen werden vor dem Herbst vor die Tür gesetzt. Die haben im Winter nämlich keine Funktion und werden nicht gebraucht. Also müssen sie ausziehen.“

An Silvester ist es so laut, erschrecken sich die Bienen da nicht?
„Ja, da werden sie aufgeregt. Aber sie sitzen in diesem Kasten, und der ist gut isoliert. Das kriegen sie nicht so laut mit.“

Wie lange leben Bienen und wie lang lebt die Königin?
„Die Königin lebt, wenn es gut geht, fünf Jahre. Ihre Lege-Tätigkeit lässt aber nach drei Jahren stark nach. Ich tausche meine Königinnen alle zwei Jahre aus.“

Auch im Winter ist es im Inneren eines Bienenstocks schön warm: Die Königin wird inmitten einer dichten Traube Bienen bei mindestens 25 Grad bei Laune gehalten. Foto: Terkel Broe Christensen/Ritzau Scanpix

Wie viele Eier legt die Königin pro Tag?
„Die Königin legt 3.000 bis 4.000 Eier pro Tag, damit das Volk dann im Sommer auf die 30.000 Bienen kommt.“

Wie lange dauert es, bis aus einem Ei eine Biene wird?
„Das dauert rund 28 oder 29 Tage, bis aus einem Ei eine kleine Biene wird. Und damit das Ei ganz in Ruhe wachsen kann und geschützt ist, legen die Bienen eine Wachsschicht drauf. Erst wächst da eine Larve und dann eine Biene. In die anderen Räume der Wabe, in denen keine Eier sind, legen die Bienen ihren Honig rein.“

Diesen Block Zuckermasse stellt Volkmar Koch den Bienen im Herbst in den Bienenstock. Foto: Sara Eskildsen

Können die Mädchen-Bienen auch Eier legen?
„Nein, das kann nur die Königin. Die Mädchen sind nur dazu da, dass sie auf die Königin aufpassen und sie pflegen, dass sie die Brut versorgen und den Honig reinholen.“

Ist die Königin größer, weil sie Eier legen kann?
„Ja, als einzige Biene im ganzen Volk kann nur die Königin Eier legen. Deshalb ist sie groß und hat einen langen, schlanken Körper, mit dem sie Eier produzieren kann. Die Königin kann mehrere Tausend Eier pro Tag legen. Sie hat aber keinen Stachel, genauso wie die Drohnen, die haben auch keinen. Nur die weiblichen Bienen können stechen.“

Die Kinder der Förde-Schule lernten: Bienen sind nicht nur dazu da, um Honig zu produzieren. Durch umherfliegende Bienen werden Bäume und andere Pflanzen bestäubt, nur so können sie Früchte tragen. Ohne Bienen gibt es keinen Honig – aber auch keine Äpfel oder Birnen. Foto: Morten Rasmussen/Biofoto/Ritzau Scanpix

Was machen die weiblichen Bienen im Bienenstock?
„Die haben richtig viel zu tun. Man hat ausgerechnet, dass eine Biene 120.000 Kilometer fliegen müsste, wenn sie ein Honigglas vollmachen müsste. Sie hat einen kleinen Rüssel und fliegt von Blume zu Blume. Abhängig von den Blumen muss die Biene 300 bis 3.000 Blumen anfliegen, um ihren Rüssel voll zu bekommen. Das heißt, dass sie bis zu 3 Millionen Mal eine Blume anfliegen muss, um ein Glas voll zu bekommen. Man sagt nicht ohne Grund, die fleißigen Bienchen.“

Wie kommen die Bienen in den Bienenstock rein?
„Unten an der Kiste ist eine Öffnung, durch die sie hineinkrabbeln können. Im Sommer laufen vor dem Eingang Wächter-Bienen hin und her und passen auf, dass nur Bienen hereinkommen, die auch zu dem Volk gehören. Und wenn da eine Wespe kommt, jagen sie die gemeinsam weg.“

In der Kaminhalle der Schule stand am Donnerstag das Thema der Woche auf dem Programm: Natur im Mittelpunkt. Foto: Sara Eskildsen

Wie viel Honig kannst du ernten?
„Ich kann pro Jahr 15 bis 20 Kilo pro Volk ernten, und ich habe fünf Völker.“

Gibt es auch Tiere, die Bienen fressen?
„Ja, die Hornissen gehen gerne an die Bienen ran, und Wespen kämpfen auch gerne mal mit einer Biene. Wenn sie allein ist, hat sie keine Chance. Aber Bienen helfen sich gegenseitig, und dann haben sie eine Chance gegen solche Fressfeinde. Vögel mögen auch gerne Bienen fressen.“

Was machen die Wächter-Bienen, wenn eine Wespe nicht davonfliegt?
„Ach, das schaffen die. Wenn sie gemeinsam gegen die Wespe ankämpfen, schaffen sie das.“

Wenn eine Biene gegen eine Wespe kämpft – wer gewinnt?
„Wenn die Biene allein ist, gewinnt die Wespe. Es sei denn, es ist noch eine sehr junge Wespe.“

Volkmar Koch hatte verschiedene Waben dabei und verriet, wie das Wachs entfernt wird, um an den Honig zu kommen. Foto: Sara Eskildsen

Sind dir schon mal Bienen weggeflogen?
„Ja, und die musste ich dann wieder einfangen. Meistens kriegt man sie wieder. Wenn die Königin davonfliegt, folgen ihr die Bienen – und bilden eine Traube um sie herum. Das kann sehr beeindruckend ein, wenn sich im Sommer 30.000 Bienen im Stock befinden und 10.000 davon wegfliegen. Meistens setzt sich die Königin irgendwo an einen Baum – und wird von den Bienen umringt. Einzelne Bienen schwärmen dann aus, um ein geeignetes neues Zuhause zu suchen. Ich komme dann mit einem Korb, und schüttel die ganze Traube Bienen hinein. Mache einen Deckel darauf und gehe zurück zum Bienenstock. Dort stelle ich den Korb auf eine gelbe Decke vor den Bienenstock und lasse unten einen Spalt auf. Die Bienen gehen raus, entdecken die Kiste – und ziehen wieder ein.“

Wenn die Königin aus dem Bienenstock abhaut, folgen ihr alle Bienen – und bilden rund um die Königin eine Traube. Volkmar Koch erzählte davon, wie man das Bienenvolk in diesem Fall wieder einfangen kann. Foto: Eva Rosenqvist/Biofoto/Ritzau Scanpix

Wie können die Bienen miteinander kommunizieren?
„Bienen tanzen. Wenn eine Arbeiterbiene mit Honig zurückkommt und einen guten Platz gefunden hat, von dem sie den anderen erzählen will, dann setzt sie sich vor den Stock, gibt ihren Honig an die Transportier-Bienen ab, und dann fängt sie an zu tanzen. Beispielsweise eine Acht. Die anderen Bienen können auf diese Weise verstehen, wo sie hinfliegen müssen, um zu diesem Platz zu gelangen. Im Volk selbst unterhalten sie sich, indem sie Duftstoffe abgeben. Sie müssen sich sehr viel darüber unterhalten, wer was macht, wo soll der Honig hin, wo steckt die Königin, die Wächter müssen vor Gefahren warnen und so weiter.“

Warum brauchen wir Bienen, warum sind sie wichtig?
„Dass wir Honig kriegen, ist die eine Sache. Wenn wir die Bienen nicht hätten, hätten wir zwar blühende Apfelbäume und blühende Pflaumenbäume – aber da würden keine Äpfel oder Pflaumen entstehen. Daher sind die Bienen ganz, ganz wichtig für unsere Natur – sie bestäuben die Pflanzen und sorgen dafür, dass Früchte entstehen. Deswegen müssen wir ganz doll aufpassen auf unsere Natur!“

Die Honigschleuder: Hier werden die vollen Waben geschleudert, der flüssige Honig läuft an den Wänden nach unten und kann über einen Abfluss abgezapft werden. Foto: Sara Eskildsen

Wie weißt du, wie viele Bienen du in einem Stock hast?
„Ich muss das schätzen. Zählen kann ich die Bienen nicht, die laufen durcheinander, da komme ich mit dem Zählen nicht weit. Aber ich kann es ganz gut schätzen.“

Wie ist es, wenn die Biene sticht?
„Wenn die Biene uns sticht, steckt ihr Stachel in der Haut, und der Giftbeutel hängt auch daran. Darum soll man möglichst schnell den Stachel herausziehen. Wenn die Biene einmal gestochen hat, ist ihr ganzes Hinterteil weg, dann lebt sie vielleicht nur ein, zwei Tage, und dann stirbt sie. Eine Biene kann nur einmal stechen, eine Wespe kann ein paarmal stechen.“

Über mehrfaches Schlagen wird aus dem flüssigen Honig eine cremige Masse, die Zuckerkristalle bauen Stabilität auf. 35 Kronen kostet ein Glas frischer Honig bei Volkmar Koch. Foto: Sara Eskildsen
Würde jede Biene nach einem Stundenlohn von 2,30 Mark bezahlt werden, müsste ein Glas Honig 27.000 Mark kosten – diese Fakten aus einem alten Gedicht las Lehrerin Nicole Diemer zum Schluss vor, bevor sie mit Lehrerin Lisa Stobbe ein kleines Dankeschön überreichte. Foto: Sara Eskildsen
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