Zugezogene

„Wir wollten eine bessere Lebensqualität haben“

„Wir wollten eine bessere Lebensqualität haben“

„Wir wollten eine bessere Lebensqualität haben“

Nübel/Nybøl
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Sina Malina mit ihrem Mann Marcel und ihren zweieinhalb und viereinhalb Jahre alten Kindern. Foto: Privat

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Als Kind hat Sina Malina gegenüber von Annies Kiosk schwimmen gelernt, wenn sie die Ferien bei ihren Großeltern verbrachte. Inzwischen ist sie mit ihrer Familie von Kaltenkirchen selbst nach Nordschleswig gezogen. Von der deutschen Minderheit wünscht sie sich mehr Sichtbarkeit, um Neuankömmlingen die erste Kontaktaufnahme zu erleichtern.

Im April dieses Jahres war es so weit. Im nördlich von Hamburg gelegenen Kaltenkirchen fuhr der Umzugswagen vor und brachte Sina Malina und ihre Familie direkt an ihr neues Domizil in Nübel (Nybøl).

„In erster Linie haben wir uns zum Umziehen entschlossen, weil wir ein günstiges Angebot für ein Haus bekommen haben. In Deutschland hätten wir uns das nicht mehr leisten können“, verrät Sina Malina im Gespräch mit dem „Nordschleswiger“.

In einer Serie beleuchtet der „Der Nordschleswiger“, wie Zugezogene das Angebot der deutschen Minderheit sehen und was die Minderheitenorganisationen selbst machen können, um mehr Zuzüglerinnen und Zuzügler als aktive Mitglieder zu gewinnen.

Auf der Suche nach mehr Lebensqualität

Gemeinsam mit ihrem Mann Marcel und ihren beiden zweieinhalb und viereinhalb Jahre alten Kindern hat sie nach einer besseren Lebensqualität gesucht. Und da habe sich Dänemark einfach angeboten, schließlich sei hier das Bildungssystem vom Kindergarten bis zur Schule viel besser als in Deutschland, ist sich die 30-Jährige sicher.

Als Kind hat sie vor den Ochseninseln in der Flensburger Förde schwimmen gelernt, wenn sie in den Sommerferien ihre Großeltern in Tarp besucht hat und mit ihrem Opa zu Annies Kiosk gefahren ist.

Der liegt inzwischen nur noch rund 20 Kilometer vom neuen Zuhause der Familie Malina entfernt. Während ihr Mann einen Job in einer dänischen Gärtnerei bekommen hat, pendelt Sina seitdem über die Grenze zur Flensburger Brauerei, wo sie als Pressesprecherin arbeitet. Daneben ist das Ehepaar dabei, sich mit seinem Fotostudio „LiLaLu Fotografie“ für Neugeborene in ihrem neuen Zuhause zu etablieren.

Wunsch nach Informationen für Unternehmensgründer

„Die Fotografie soll nebenberuflich laufen, sie ermöglicht uns, dass wir uns selbst künstlerisch verwirklichen können. Ich liebe es, zu fotografieren, und ich bin gespannt, wie die Leute hier vor Ort auf unser Angebot reagieren. Es ist ja ein familienfreundliches Land, da glaube ich schon, dass es Potenzial gibt“, erzählt Sina Malina.

Deshalb wünscht sie sich auch noch mehr Informationen darüber, welche Möglichkeiten es für Kooperationen gibt, wenn man als deutsche Unternehmensgründerin und als deutscher Unternehmensgründer in Nordschleswig durchstarten möchte. „Da wäre es klasse, wenn man ein wenig an die Hand genommen werden könnte“, sagt sie.

Tolle Hilfe vom Deutschen Kindergarten 

Bereits gut unterstützt worden sind sie vom deutschen Kindergarten in Broacker (Broager), den die Familie über Google gefunden hat. „Die Leitung dort hat uns sehr geholfen, um die Kleinen anzumelden. Da war die deutsche Minderheit sehr von Vorteil“, sagt Sina Malina.

Ansonsten sind die Neuankömmlinge bislang allerdings noch nicht weiter in die Angebote der Minderheit vorgedrungen. „Dadurch, dass ich jetzt einen neuen Job habe, bin ich noch in der Eingewöhnungsphase. Ich wollte mich jetzt erstmal ganz auf das Ankommen hier konzentrieren“, so Sina Malina.

Neugierig auf das Angebot der Minderheit

Doch sie ist sich sicher, dass sich die Familie über die Kinder dem ganzen System weiter annähern wird, denn wenn, dann wollen sich die Malinas gerne in einem Verein der deutschen Minderheit anmelden. Sie selbst möchte am liebsten etwas in Richtung Wassersport, Windsurfing oder Yoga machen, ihre Tochter hat ein Auge auf einen Reitverein und Ballett geworfen.

„Im Sommer waren wir schon beim Knivsbergfest, gemeinsam mit zwei weiteren Familien, die aus Deutschland hierhergezogen sind. Man tastet sich eben langsam ran“, sagt sie.

Mehr Sichtbarkeit

Dennoch wünscht sie sich von der deutschen Minderheit, dass diese ihre Angebote online noch besser kommuniziert. „Sodass man das über Google und die sozialen Medien besser findet. Uns ist das ein bisschen schwergefallen. Ich finde die Sichtbarkeit nicht so gut, man muss sehr viel recherchieren“, gibt sie zu bedenken.

Und überlegt, ob man den Leuten einen Newsletter zukommen lassen könnte, sodass es vor allem für Zuzüglerinnen und Zuzügler einfacher wird, sich über die zahlreichen Angebote zu informieren.

Denn sich einbinden und Teil der deutschen Kultur hier werden, das möchte sie auf jeden Fall.

„Der Nordschleswiger“ veröffentlicht in dieser Woche täglich einen neuen Artikel zum Thema „Zugezogene“.

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