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Kim Poulsen lässt sich auch bei Gegenwind nicht so leicht vom Kurs abbringen

Kim Poulsen lässt sich nicht so leicht vom Kurs abbringen

Kim Poulsen lässt sich nicht so leicht vom Kurs abbringen

Sonderburg/Sønderborg
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Kim Poulsen ist ab dem 1. Juli geschäftsführender Direktor von SønderjyskE Herrehåndbold. Foto: Rikke Kjær Poulsen/Ritzau Scanpix

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Der neue Handball-Direktor von SønderjyskE hat sich im Fußball-Geschäft einen Namen gemacht und betritt mit dem Wechsel zum Handball Neuland. Der 64-jährige Sonderburger erzählt im Gespräch mit dem „Nordschleswiger“, wie er mit der hohen Erwartungshaltung umgehen und wie er seine Erfahrung aus exotischen Destinationen im Ausland einsetzen will.

Anderthalb Jahrzehnte lang war Klaus Rasmussen der geschäftsführende Direktor von allen Sportarten bei Sønderjysk Elitesport. Mittlerweile hat er im Fußball und im Handball den Stab weitergereicht.

Nach dem Ausscheiden von Verkaufs- und Sportdirektor Simon Hajdu Lindhardt vor einem Jahr hat sich SønderjyskE Herrehåndbold lange Zeit gelassen, um sich auf Führungsebene neu aufzustellen. 

Für die Aufgabe gut gerüstet

Hans Christian Jensen war übergangsweise geschäftsführender Direktor, doch bei der Suche nach einer dauerhaften Lösung ist die Wahl auf Kim Poulsen gefallen. Ausgerechnet auf Kim Poulsen, der sich ein Leben lang im Fußball-Geschäft befunden hat, werden sich viele gedacht haben.

„Das war auch mein erster Gedanke. Das ist ja Handball. Wäre ich gefragt worden, ob ich Sportchef werden wolle, hätte ich dankend abgelehnt. Für die Funktion des Direktors sind aber Fähigkeiten als Führungskraft, Verständnis und Management wichtig, und da fühle ich mich für die Aufgabe gut gerüstet, besonders durch die Reise, die ich mit der FIFA gemacht habe“, sagt Kim Poulsen zum „Nordschleswiger“.

 

Kim Poulsen ist der neue geschäftsführende Direktor der SønderjyskE-Handballer. Foto: Kell Haugaard

Der 64-jährige Sonderburger hat ein Jahrzehnt lang als FIFA-Instrukteur gearbeitet und war als Fußball-Trainer nicht nur auf dem höchsten dänischen Niveau aktiv, sondern auch an exotischen Destinationen im Ausland wie Singapur und Tanzania. 

Horizont erweitert

„Wenn man sich im Ausland niederlässt, entwickelt man sich nicht nur als Führungskraft und Trainer, sondern auch als Mensch. Besonders wenn dies in so unterschiedlichen Kulturen wie Singapur und Tanzania ist. Dort macht man die Erfahrungen, dass Dinge auch ganz anders gelöst werden können. Anders, als ich es mir jemals vorgestellt hätte. Der Horizont ist erweitert worden“, meint Kim Poulsen.

Die Erfahrungen, die er nicht zuletzt im Ausland gemacht habe, sind durchaus auf seinen neuen Job übertragbar.

Robustheit und Widerstandskraft

„In Dänemark spürt man schon den Unterschied zwischen Erfolg und Misserfolg, aber das kann man in Tanzania mit 50 multiplizieren. Wenn man schon erlebt hat, dass man nicht nur Präsident des Fußball-Verbandes, sondern Präsident des gesamten Landes werden kann, um 14 Tage später von allen Leuten als untauglich abgestempelt zu werden und aus dem Land verwiesen gehört, dann macht das was mit einem als Mensch“, erzählt der Sonderburger.

„Das hat mir eine Robustheit und eine Widerstandskraft gegeben gegen diese extrem starken Gefühle im Sport, die so fantastisch sind und die ich liebe. Das ist meine Passion und meine Leidenschaft. Ich bin aber überzeugt davon, dass ich gemeinsam mit meinem Team nicht abweichen werde von dem Kurs, dem Geschäftsplan, der Strategie und der Vision, die gemeinsam mit dem Vorstand gesteckt worden ist. Gewinnen wir drei Spiele in Folge, heben wir nicht ab, verlieren wir drei Spiele hintereinander, lassen wir uns nicht hängen, sondern gehen Schritt für Schritt weiter“, so Kim Poulsen.

Kim Poulsen war gleich zweimal A-Nationaltrainer Tanzanias. Foto: BackpagePix/Ritzau Scanpix

Große Schritte nach vorn hatte der Vorstandsvorsitzende von SønderjyskE Herrehåndbold im vergangenen Herbst angekündigt. Anders Stahlschmidt hatte mit seiner vollmundigen Aussage, dass Aalborg Håndbold nicht mehr in der Favoritenrolle sein würde, wenn er in ein bis zwei Jahren in Sonderburg spielt, für Aufsehen gesorgt.

In der Endrunde mitmischen

„Für mich ist es wichtig, dass wir uns jeden Tag nach vorn bewegen. Wir müssen jeden Tag unsere Arbeit so gut machen, dass wir ein wenig tüchtiger und besser werden. Das gefällt mir besser als zu sagen, dass wir in ein oder zwei Jahren dies und jenes erreichen müssen. Es können im Leistungssport so viele unvorhersehbare Dinge passieren“, sagt der neue Direktor und weist auf den größeren Konkurrenzkampf hin.

Derzeit werden von den dänischen Liga-Klubs massive Investitionen getätigt.

„Viele Klubs wollen dasselbe wie wir. Der Konkurrenzkampf ist groß. Das Geld spielt eine große Rolle, und es ist nicht ohne Grund, dass die meisten auf vier Klubs zeigen, die die Liga gewinnen können. Mit diesen Klubs werden wir uns nicht gleich messen können, aber es ist wichtig, dass wir die Denkweise haben, dass wir in der Endrunde mitmischen können, wenn wir hart arbeiten und unseren Weg finden, wie wir die Dinge anpacken wollen“, meint Kim Poulsen.

Prioritäten setzen

Am 1. Juli wird er seinen neuen Job antreten, aber bis dahin wird er Interimsdirektor Hans Christian Jensen, Vorstandsmitglied Helge Larsen und Sportmanager Thomas Mogensen über die Schulter schauen. 

„Ich werde mir einen Überblick verschaffen, was wir gut machen und was wir besser machen können. Ich werde nicht einfach sagen, hätten wir nur 50 Millionen mehr. Wir müssen Prioritäten setzen und sehen, wie wir unsere Ressourcen am besten einsetzen. Ich spüre eine große Unterstützung, und wenn alle in dieselbe Richtung ziehen, können wir die notwendigen Schritte machen. Wir haben in dieser Saison gesehen, dass sich die Dinge im Sport schnell ändern können. Erst waren wir weit von der Endrunde entfernt, plötzlich ungemein dicht dran“, so der neue Direktor.

Kim Poulsen vor seinem neuen Arbeitsplatz Foto: Kell Haugaard

Kim Poulsen ist nach seiner Entlassung als Nationaltrainer Tanzanias im August 2022 wieder nach Sonderburg zurückgekehrt und hat sich schon einige Heimspiele von SønderjyskE angesehen.

Besseres Zusammenspiel

„Ich denke, dass es ein Vorteil ist, dass ich in Sonderburg geboren und aufgewachsen bin. Ich kenne auch hier die Mechanismen. Ich werde mir jetzt alles anschauen, und wir werden dann unseren Weg finden. Wir dürfen nicht andere kopieren, sondern müssen jeden Tag unsere Dinge ein wenig besser machen, damit wir wirtschaftlich und sportlich wachsen können. So können wir unsere Träume und Ziele verwirklichen, ein fester Bestandteil der Endrunde zu werden“, meint der 64-Jährige.

„Es reicht aber nicht, dies einfach zu sagen. Wir müssen handeln, und das gehört zu meinen Stärken als Führungskraft, dass ich handele und Dinge umsetzen kann. Ich sehe eine große Herausforderung darin, die Wirtschaft, die Kommune und den Leistungssport zusammenzubringen. Je besser das Zusammenspiel ist, desto größere Fortschritte werden wir machen können“, sagt Kim Poulsen.

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