Deutsche Minderheit

Über die Schweiz nach Nordschleswig: Susanne Heigolds musikalischer Alltag

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Susanne Heigold ist die Leiterin der Musikvereinigung Nordschleswig. Aktuell bereitet sie sich mit dem großen Chor auf die Jubiläumskonzerte vor, die am 24. und 25. Oktober stattfinden.

Seit über einem Jahrzehnt prägt Susanne Heigold die Musikvereinigung Nordschleswig – mit Leidenschaft, ungewöhnlichem Einsatz und einem besonderen Blick auf die Kraft der Gemeinschaft. Im Gespräch erzählt die 40-Jährige, warum sie ihren Beruf liebt, wie sie nach Nordschleswig kam und wie ein Arbeitsalltag aussieht, der sie häufig bis spät in die Nacht begleitet.

Wenn man Susanne Heigold fragt, was sie an ihrer Arbeit begeistert, sprudeln die Antworten nur so hervor. „Mich reizt, dass ich Musik in allen Facetten erleben kann – vom Kinderchor bis zum großen Orchester. Ich finde es toll, mit Profis zu arbeiten, aber genauso spannend ist es, jemandem Musik nahezubringen, der keinen Ton halten kann“, sagt die Leiterin der Musikvereinigung Nordschleswig. 

Es ist Dienstagmorgen, die drei Kinder sind in Schule und Kindergarten und Susanne Heigold hat Zeit und Ruhe für Chorvorbereitungen. Großblättrige Partituren liegen vor ihr auf dem Küchentisch. Die Dirigentin studiert Einsätze und taktet die verschiedenen Stimmen, 27 Linien für Instrumente und Gesang gilt es zu koordinieren, die Jubiläumskonzerte der Musikvereinigung stehen bevor.

Schon vor anderthalb Jahren hat die Leiterin der Musikvereinigung mit der Planung für die Jubiläumskonzerte begonnen, die am 24. Oktober in Apenrade (Aabenraa) und am 25. Oktober in Sonderburg stattfinden. 

Ihr Alltag besteht aus Kinderchören, Konzerte vorbereiten, Gesangsstimmen erarbeiten oder Proben mit dem großen Chor und lokalen Abteilungen.

Dirigentin Susanne Heigold ist ihre Leidenschaft für die Musik bei jeder Probe anzusehen.

Gerade diese Mischung aus musikalischer Finesse, Chorarbeit, Singen und Auftritten sei es, die ihre Arbeit einzigartig mache: „Alleine nur den Profibereich hätte ich langweilig gefunden. Die Herausforderung liegt für mich darin, alle mitzunehmen – von den Jüngsten bis zu den Erfahrenen.“

Susanne Heigold fand ihren Traumjob in der deutschen Minderheit

Der Weg nach Nordschleswig war für die gebürtige Ostdeutsche keineswegs vorgezeichnet. „Mir war klar: Skandinavien. Ich bin in der DDR aufgewachsen und habe mich Skandinavien immer irgendwie näher gefühlt – wegen des Gemeinschaftsgefühls und der Frauenrechte. In der Schweiz hatte ich da persönlich große Probleme“, erzählt Heigold. 

2012 zog ihr Mann Elias – Solo-Trompeter im „Sønderjylland Synfoniorkester“ – mit einer Festanstellung in der Tasche an den Alsensund (Alssund). „Mit Blick auf Stellen habe ich damals gesagt: bitte nur Skandinavien. Als wir die Stelle in Sonderburg sahen, meinte ich gleich: bewirb dich, genau da!“ Im Januar 2013 trat sie schließlich selbst ihre Stelle bei der Musikvereinigung Nordschleswig an. Ihr Traumjob, bis heute.

Die mittlerweile dreifache Mutter jongliert mit einem vollen Terminplan, der oft bis spät abends dauert. „Eine normale Woche habe ich eigentlich nicht“, sagt sie lachend. Am Montag etwa unterrichtet sie Musik an der Deutschen Schule Sonderburg. Danach geht es nachmittags zurück zur Familie – und am Abend weiter nach Apenrade zur Chorprobe. „Ich komme dann frühestens gegen 22 Uhr nach Hause. Oft erledige ich danach noch E-Mails oder plane die nächsten Konzerte.“

Mein Job ist es, dass gute Stimmen und diejenigen, die mehr Hilfe brauchen, am Ende zusammenfinden.

Susanne Heigold

Die Konzertvorbereitung ist für sie ein eigener Kosmos: Partituren mit bunten Markierungen, zahllose Notizen, Überlegungen zu Tonarten und Stimmlagen. „Ich brauche dafür riesige Tische, weil die Notenblätter so groß sind. Ich markiere mir mit Farben, wo Einsätze sind oder welche Dynamik wichtig ist. Rot bedeutet: ganz wichtig, da darf ich nichts verpassen.“ 

Dabei schwingt immer der Anspruch mit, dass nicht nur ausgebildete Sängerinnen und Sänger zu einem überzeugenden Ergebnis gelangen. „Mein Job ist es, dass gute Stimmen und diejenigen, die mehr Hilfe brauchen, am Ende zusammenfinden. Das gibt mir am meisten – viel mehr als nur einen Profichor zu dirigieren.“

Die Arbeit mit Kinderchören – hier in der Deutschen Schule Sonderburg – ist Susanne Heigold wichtig.

Dass diese Arbeit gelingt, zeigt jede Probe aufs Neue. „Klar, manchmal ist es auch anstrengend. Aber wenn ich die Gesichter sehe und die Begeisterung spüre, weiß ich: Ja, genau deshalb mache ich das“, sagt Heigold. Besonders berührt sie, wenn ehemalige Kinderchorsänger mittlerweile im großen Chor mitsingen. „Das ist unglaublich schön, diese Entwicklung mitzuerleben. Es ist wie ein Stück Familiengeschichte – nur eben in Tönen.“

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