Leitartikel

„Doppelter Wechsel auf dänischer Seite“

Doppelter Wechsel auf dänischer Seite

Doppelter Wechsel auf dänischer Seite

Kopenhagen/Nordschleswig/Südschleswig
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Grenzland: Warum ist der Personalwechsel auf zwei dänischen Posten auch für die deutsche Minderheit von Bedeutung? Chefredakteur Gwyn Nissen klärt auf und schreibt seine Meinung dazu.

Im deutsch-dänischen Grenzland gibt es in diesen Monaten zwei aktuelle und wichtige Wechsel auf dänischer Seite: Generalkonsul Kim Andersen hat sich diese Woche nach sechseinhalb Jahren aus Flensburg verabschiedet und gibt an Annette Lind ab, während sich Journalist Mirco Reimer-Elster für den Posten als Vorsitzenden von Grænseforening bewerben wird.

Eigentlich sind dies „rein“ dänische Posten, aber sie sind dennoch auch wichtig für die deutsche Minderheit in Nordschleswig.
 
Kim Andersen sagte bei seinem Abschiedsempfang im Generalkonsulat, dass es ein „Erlebnis gewesen sei, in die Herzkammer der lieben, dänischen Minderheit“ eingedrungen zu sein. Die dänische Minderheit sei „etwas ganz Besonderes“ sowohl historisch als auch in der heutigen Zeit. 
 
„Es ist eine Minderheit, auf die wir gemeinsam gut aufpassen müssen – auch in Zukunft“, sagte Andersen, der nach Jahrzehnten in der Politik und als Folketingsmitglied ins Flensburger Generalkonsulat wechselte.
 
Dabei war sein Start alles andere als einfach, denn sein in Südschleswig beliebter Vorgänger Henrik Becker-Christensen wurde quasi aus dem Amt gedrängt und sollte durch den früheren Minister und Grenzlandkenner Bertel Haarder ersetzt werden. Doch das Kopenhagener Ränkespiel ging in Südschleswig nicht auf, und so endete Kim Andersen stattdessen 2017 in Flensburg – und das, obwohl er – so die Kritik – kaum Deutsch konnte.
 
Die Ära Kim Andersen wurde dennoch eine glückliche, nachdem sich der inzwischen 66-Jährige eingearbeitet hatte, und die Verbindungen zu Minderheiten und Mehrheiten im deutsch-dänischen Grenzland pflegte und prägte. 
 
So hinterlässt er nicht nur in der dänischen Minderheit, sondern auch in Schleswig-Holstein bei der Landesregierung einen bleibenden Eindruck. Andersen habe die Zusammenarbeit zwischen Schleswig-Holstein und Dänemark gestärkt und mit seinem Engagement die Minderheiten im Grenzland unterstützt, so Johannes Callsen, Minderheitenbeauftragter des Landes Schleswig-Holstein zum Abschied.
 
Aber auch die deutsche Minderheit in Nordschleswig profitiert von einem starken Generalkonsulat, das im Grenzland viele Fäden zieht, und Kim Andersen hat keinen Hehl daraus gemacht, dass er sich auch für die deutsche Minderheit mitverantwortlich gefühlt und diese in den vergangenen Jahren schätzen gelernt habe.
 
Kim Andersen überlässt das Generalkonsulat nun dem sozialdemokratischen Folketingsmitglied, Annette Lind, die sich bereits im Vorfeld mit Vertreterinnen und Vertretern der deutschen Minderheit getroffen hat. Die starke Verbindung zwischen dem Flensburger Generalkonsulat und den Deutschen in Dänemark bleibt also bestehen.
 
Der dänische Grenzverein, Grænseforeningen, steht ebenfalls vor einem baldigen Wechsel. Bischof Peter Skov-Jacobsen aus Kopenhagen hört nach zwei Amtszeiten im April auf. Noch steht nicht fest, wer die Nachfolge übernimmt, doch Mirco Reimer-Elster, Journalist sowie Deutschland- und USA-Kenner, hat sich bereiterklärt, den Posten zu übernehmen. Ob andere sich zur Wahl stellen, steht noch nicht fest.
 
Obwohl auch dieser Posten eine rein dänische Angelegenheit ist, hat Mirco Reimer-Elster die deutsche Minderheit auf dem Radar.  Der Südschleswiger sagte im Interview mit dem „Nordschleswiger“, dass er die beiden Minderheiten im Grenzland näher bringen möchte:
 
„Insofern der Wunsch von beiden Minderheiten besteht, wäre es meine Hoffnung, dass Grænseforeningen helfen kann, sie näher zueinander zu bringen, die Kontakte zu intensivieren, ohne dass man die Ambition hat, dass sie zusammenschmelzen sollen.“
 
Richtig so. Es gibt keine deutsch-dänische Minderheit. Es gibt die dänische in Südschleswig und es gibt die deutsche in Nordschleswig – mit einer eigenen Geschichte, eigenen Wurzeln und Wünschen. 
 
Aber was Mirco Reimer-Elster eben auch erkannt hat: die beiden Minderheiten – und auch die der Friesen und Sinti und Roma – haben zum Teil dieselben Herausforderungen, die gemeinsam besser gelöst werden können.
 
Es besteht bereits heute eine viel bessere Zusammenarbeit zwischen den Minderheiten beiderseits der Grenze, als vor 20 Jahren, aber es geht noch mehr – auch über eine Fussball-Europeada im Sommer hinaus.
 
Da ist es natürlich erfreulich zu wissen, dass es im deutsch-dänischen Grenzland mit Grænseforeningen und dem Generalkonsulat in Flensburg auch in Zukunft weiterhin zwei großartige Mitspielerinnen und Mitspieler gibt, die beiden Seiten wohlgesonnen sind.
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