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Warum die Westfriesen zum Tag der Muttersprache den „Krug an der Wiedau“ zeigen

Tag der Muttersprache: Westfriesen zeigen den „Krug an der Wiedau“

Westfriesen zeigen „Der Krug an der Wiedau“

Apenrade/Leeuwarden
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Der Krug an der Wiedau: ein Film – fünf Sprachen Foto: Bund Deutscher Nordschleswiger

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In der Kriminalkomödie aus dem deutsch-dänischen Grenzland werden fünf Sprachen gesprochen – jetzt kommt noch eine sechste hinzu. Wie es dazu gekommen ist und welche Verbindungen es zwischen den Niederlanden und Nordschleswig gibt, berichtet der Westfriese Onno Falkena.

Zum Tag der Muttersprache am 21. Februar wird in Leeuwarden in der niederländischen Provinz Friesland traditionell ein Film in einer oder mehreren Minderheitensprachen gezeigt. Der Internationale Tag der Muttersprache ist ein von der Unesco ausgerufener Gedenktag zur „Förderung sprachlicher und kultureller Vielfalt und Mehrsprachigkeit“.

In diesem Jahr fiel die Wahl auf den „Krug an der Wiedau“, in dem Deutsch, Dänisch, Friesisch, Plattdeutsch und Sønderjysk gesprochen wird. Der Westfriese Onno Falkena hat die deutsch-dänische Kriminalkomödie bereits bei der Premiere in Niebüll (Nibøl) und in Tondern (Tønder) im vergangenen Jahr gesehen.

„Der Film wird immer besser, je öfter ich ihn mir angucke. Mittlerweile verstehe ich auch jedes Wort, weil wir für unsere Kinoaufführung die Untertitel auf Westfriesisch übersetzt haben“, so der Organisator für die Aufführung in Leeuwarden, der im Vorstand vom Europeesk Buro foar Lytse Talen (EBLT) sitzt. EBLT ist eine Dachorganisation, die sich für die Förderung und den Schutz von Minderheitensprachen in den Niederlanden einsetzt.

Der Krug an der Wiedau – der Film

Ein Todesopfer, ein Krug, viel Alkohol, viel Geheimnistuerei und noch mehr Fragen – abgesehen vom Alkohol absolut keine alltägliche Situation im Krug an der Wiedau. Und dann auch noch den Krug-Alltag störende polizeiliche Ermittlungen eines gewöhnungsbedürftigen Kriminalbeamten aus dem fernen holsteinischen Kiel und einer Kriminalbeamtin aus Esbjerg, die für diesen Fall ihr Exil verlässt und in die Heimat ihrer Kindheit zurückkehrt.

Eine typisch unharmonische deutsch-dänische Kooperation. Der beschauliche und beinahe komatöse Ort gerät plötzlich in Aufruhr und Ungleichgewicht. Verstörend und unterhaltsam zugleich.

„Der Krug an der Wiedau“ ist ein humoristischer Kriminalfilm, der die Grenzziehung von 1920 in unserem deutsch-dänischen Grenzland beleuchtet und die Westküstenmentalität hervorhebt.

Die Handlung spielt hauptsächlich in einem Krug im Niemandsland zwischen Deutschland und Dänemark, in dem sich die Lokalbevölkerung – unabhängig von Staatsangehörigkeit und Sprache – trifft und versteht.

(Quelle: Bund Deutscher Nordschleswiger)

Auf die Frage, ob er das Friesisch verstehen könne, das im Film gesprochen wird, erklärt Onno Falkena: „Die Figur der Grethe konnte ich relativ gut verstehen, aber es gibt schon Unterschiede zwischen Nordfriesisch und Westfriesisch.“ Nicht nur deshalb, sondern auch wegen der anderen Sprachen hat sich das EBTL dazu entschieden, den Film mit Untertiteln zu zeigen, „damit das Publikum die Witze auch versteht“.

Friesischer Wolfszaun

Auch die Landschaft im Grenzland mit dem Wattenmeer weist Ähnlichkeiten zu den Niederlanden auf, findet der Westfriese. „Bei euch ist die Landschaft aber schöner, es gibt weniger Industrie“, sagt er und lacht.

Auch die Thematik mit dem Wildschweinzaun sei in seiner Region nicht unbekannt, erzählt er, dort gebe es derzeit eine öffentliche Debatte um einen „Wolfszaun“. „Wir haben hier Probleme mit Wölfen, und die Schäfer fordern, dass etwas getan werden muss. Es gibt sogar ein Komitee, das deswegen nach Dänemark gefahren ist, um sich den Wildschweinzaun anzugucken. Aber die meisten Leute sind dagegen, dass ein Zaun errichtet wird.“

Die Leiche des Landrats hängt über dem Wildschweinzaun. Foto: BDN

Am Tag der Muttersprache sind in Leeuwarden zwei Filmaufführungen in einem Arthouse Kino geplant. Das Interesse unter anderem bei den friesischen Studierenden ist groß, vermutet Falkena, der als Journalist beim friesischsprachigen Fernseh- und Rundfunksender „Omrop Fryslân“ arbeitet.

Allerdings gibt es zurzeit noch Einschränkungen aufgrund der Corona-Pandemie. „Es dürfen nur Menschen zusammensitzen, die aus einem Haushalt kommen“, erklärt er Anfang Februar, hofft aber, dass sich die Maßnahmen bis zur Premiere noch lockern.

Film und Förderung

Die Projektpartner von „Der Krug an der Wiedau“ sind „Et Nordfriisk Teooter e.V.“ und der Bund Deutscher Nordschleswiger.

Das Projekt wird gefördert mit Mitteln des Europäischen Fonds für regionale Entwicklung. Darüber hinaus wird das Projekt von der Kommune Tondern, der Kulturstiftung Nordfriesland und der Stiftung für die Friesische Volksgruppe finanziert sowie von der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien gefördert.

Zur Premiere wird es eine kleine Videobotschaft vom nordfriesischen „Krug an der Wiedau“-Regisseur Gary Funk geben, verrät Onna Falkena. „Gary spricht nämlich auch Westfriesisch, allerdings mit einem nordfriesischen Akzent.“

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Leitartikel

Gwyn Nissen
Gwyn Nissen Chefredakteur
„Minderheit mit Mut zur Zukunft“