Brexit

Dienstag ist Tag der Entscheidung

Ruth Nielsen
Ruth Nielsen Lokalredakteurin
Sankelmark
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Johanna Asmussen Foto: Karin Riggelsen

Johanna Asmussen, Politikberaterin im britischen Ministerium für Umwelt, gewährte als EU-Bürgerin Einblicke in den Brexit.

Seit vier Jahren wohnt und arbeitet Johanna Asmussen in London. Sie hat somit die Zeit vor, während und nach dem Volksentscheid miterlebt: Soll das Vereinigte Königreich in der EU bleiben oder die EU verlassen?

Auf der Neujahrstagung des Bundes Deutscher Nordschleswiger in der Akademie Sankelmark hat sie am Sonnabend als EU-Bürgerin Einblick in den Brexit gewährt.

Für das Unternehmen Dods hat sie 2015 in London als sogenannte „Beobachterin“ gearbeitet und hat von 2016 bis 2018 für Dods Kampagnen zur Abstimmung geleitet. Seit September 2018 ist sie als Politikberaterin im Ministerium für Umwelt, Ernährung und Angelegenheiten des ländlichen Raums tätig.

Den letzten Tag bei Dods wird sie nicht vergessen. Sie wurde daran erinnert, dass sie beim Wechsel ins Ministerium nun eine andere Königin als die dänische hat.

Von Haustür zur Haustür

Als die Konservativen die Wahl 2015 gewannen und Premierminister David Cameron damit sein Versprechen über ein Referendum zur EU einlösen musste, sei sie als Freiwillige für die Labour Party von Haustür zu Haustür gegangen, um für einen Verbleib in der EU zu werben, obwohl sie selbst kein Stimmrecht hat.

Die 33-Jährige war am 23. Juni 2016 als Wahlbeobachterin unterwegs. Diese Aufgabe führte sie auch in Kirchen und Fußballklubs, die auch Abstimmungslokale waren.

Das Ergebnis des Volksentscheids ist bekannt: 51,9 Prozent stimmten für einen Austritt. Es war überwiegend die ältere Generation, die Nein zur EU sagte.

EU ist oft der Sündenbock

Es dürfte nicht verwundern. Wie Johanna Asmussen erzählte, hätten seit EU-Beitritt 1973 Gewerkschaften, Politiker und die Presse Stimmung gegen die EU gemacht. Da bleibe wohl etwas von der negativen Berichterstattung haften. Das Wissen über die EU sei gering. Daher sollte es ein Unterrichtsfach an Schulen werden, meint sie.

Mit Spannung blickt sie auf Dienstag, den 15. Januar 2019. Dann stimmt das Parlament über das Verhandlungsergebnis ab. Es geht um „Deal or No-Deal“. Sicher ist auf jeden Fall, dass das Vereinigte Königreich am 29. März 2019 die EU verlassen wird.

Sieben Szenarien

Sollte das Parlament den Vertrag ablehnen, dann muss innerhalb von drei Tagen (statt üblicherweise 21 Tage) ein neuer Plan her. Das ist eines von sieben Szenarien. An ein zweites Referendum glaubt Johanna Asmussen nicht. Premierministerin Theresa May respektiere den Volksentscheid und lehne daher einen weiteren ab.

Die 33-Jährige sagte, dass sie vom Abstimmungsergebnis betroffen gewesen wäre. Sie sei „mit europäischen Werten aufgewachsen. Viele Briten haben von der EU profitiert, so wie ich, denn ich kann im Vereinigten Königreich arbeiten“.

Zudem schätze sie London, deren Bürgermeister die Kampagne „London is open“ initiiert hat. „Die zeigt wie vielfältig London ist.“ Vielfalt sei auch Kernprinzip ihres „fantastischen Arbeitsplatzes“, denn Vielfalt habe sie in der Minderheit kennengelernt.

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