Natur & Umwelt

Bangen um Bäume an der Bücherei

Bangen um Bäume an der Bücherei

Bangen um Bäume an der Bücherei

Hadersleben/Haderslev
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Die Edelkastanie, auch Esskastanie und Echte Kastanie genannt, ist der einzige europäische Vertreter der Gattung Kastanien aus der Familie der Buchengewächse. Auf dem Büchereigelände steht ein alter Baum dieser Art. Foto: Ute Levisen

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Die Deutsche Bücherei Hadersleben zieht im kommenden Jahr in die Stadtmitte um. Unterdessen machen sich die Baumgruppe, aber auch Leserinnen und Leser Sorgen um die Zukunft der alten Bäume auf dem Grundstück. Ein kommunales Baumregister könnte die Rettung sein, sagt SP-Politiker Carsten Leth Schmidt.

Sattes Grün macht sich im „Hinterhof" der Deutschen Bücherei Hadersleben am Aastrupvej breit. Eine alte Edelkastanie spendet Schatten, und auch sonst wird das Büchereigrundstück von Bäumen umkränzt.

Ungewisse Zukunft

Ihre Zukunft scheint mit dem geplanten Umzug der Bücherei in das Kulturhaus Bispen ungewiss. Neben Leserinnen und Lesern der Bücherei macht sich die Haderslebener Baumgruppe „Trægruppen i Haderslev" Sorgen um die grüne Oase.

Grün ist der Hinterhof der deutschen Bücherei. Foto: Ute Levisen

Es sind bange Befürchtungen, die Carsten Leth Schmidt von der Schleswigschen Partei nachvollziehen kann: „Die Bäume bleiben hoffentlich nach dem Verkauf des Anwesens verschont", so Leth, der zugleich Vorsitzender des kommunalen Ausschusses für Technik und Klima ist.

Gewiss ist dies nicht: Solange die Kommune keine klar definierte Baumpolitik hat, müssen die Baumgruppe sowie umweltbewusste Bürgerinnen und Bürger um die Zukunft alter Bäume in der Domstadtkommune bangen.

Fällen unter Auflagen

So ist das Schicksal der alten Bäume auf dem P. N. Lagonis Vej in Woyens besiegelt: Dank einer Ausnahmegenehmigung des Ausschusses für Technik und Klima dürfen sie gefällt werden – aber nur unter der Auflage einer Ersatzbepflanzung, betont Leth Schmidt.

SP drängt auf neue Baumpolitik

„Die SP in Hadersleben ist mit dem Wunsch nach einer revidierten Baumpolitik in den Wahlkampf gezogen – und seitdem arbeiten wir daran“, betont Leth Schmidt.

Und er fügt hinzu, dass sich eine Baumpolitik nicht in einer Hauruckaktion aus dem Boden stampfen lasse: „Wir brauchen ein Baumregister, mit dessen Hilfe wir unsere Bäume kategorisieren können. Darin wird beispielsweise erfasst, welche Bäume in Stadt und auf dem Land unter Schutz gestellt werden sollten. Es wird eine Art Baumkarte für die Kommune."

Carsten Leth Schmidt ist mit der Forderung nach einer neuen Baumpolitik in die Kommunalwahl gezogen. Foto: Ute Levisen

Ein erster Schritt vor den Ferien

Der Politiker hofft, dass eine revidierte Baumpolitik noch vor den Sommerferien auf die Agenda des Klimaausschusses kommt.

Dies wäre ein erster Schritt. Nachfolgend müssten Fachleute der Kommunalverwaltung einen Baumplan erarbeiten, der einem Register den Weg ebnet, wie Leth erläutert.

Dies wiederum würde bedeuten, dass Bäume bei Grundstücksverkäufen in das Verkaufsmaterial eingearbeitet werden, sodass die Verkäuferseite genau weiß, worauf sie sich einlässt und wie die Bäume kategorisiert sind.

Dies könnte, je nach Kategorie, entscheidenden Einfluss auf die Bebauung eines Grundstücks haben, sagt Carsten Leth Schmidt: „Ein derartiges Baumregister wäre somit das Pendant zum Denkmalschutz für Gebäude."

Das Schicksal dieser Buchen in Woyens scheint besiegelt. Der Investor muss eine Ersatzbepflanzung für die alten Bäume vornehmen. Foto: Ute Levisen

Das große Dilemma

„Die Politik steckt bei einem Projekt wie am P. N. Lagonis Vej in einem großen Dilemma, weil die aktuelle Baumpolitik ein Mischmasch aus politischen Wünschen und unklaren, nicht zu Ende gedachten Verwaltungsauflagen ist. In der Praxis wurde zu spät mit Projektentwicklern über Bäume mit einem eventuellen Bewahrungsstatus gesprochen. Dadurch entstand nicht nur auf Investorenseite große Verunsicherung, sondern auch bei Verwaltung, Politik und Trægruppen", pointiert Leth Schmidt.

Hadersleben brauche dringend eine Politik, die Ziele und Ambitionen beschreibt, so der SP-Politiker: „Mit einem stringenten und praxisnahen Verwaltungsplan funktioniert es hoffentlich besser mit dem Bewahren wertvollen Grüns."

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