Verkehr

Selbst einschätzen, wann Schluss ist

Selbst einschätzen, wann Schluss ist

Selbst einschätzen, wann Schluss ist

Sebastian Möbius
Hadersleben/Haderslev
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Eine Fahrtüchtigkeitsprüfung ist seit Juli 2017 keine Pflicht mehr. Foto: Adobe Stock

Sollten ältere Leute ab einem bestimmten Alter ihren Führerschein abgeben und was wären Alternativen? „Der Nordschleswiger“ hat sich umgehört.

Sicheres Fahren sollte für jeden Autofahrer selbstverständlich sein. Doch was, wenn das Autofahren zur Herausforderung wird und die Reaktionen langsamer werden? Der Sozialdienst für Nordschleswig beugt vor: Zusammen mit der Fahrschule Jürgensen aus Hadersleben wird am 5. Oktober ein Fahrschultraining durchgeführt, damit Autofahrer ihre Kenntnisse auffrischen können.

Doch wie lange sollte ein jeder hinter dem Steuer sitzen dürfen? Eine Altersgrenze für Autofahrer findet Fahrschullehrer Carsten Jürgensen jedenfalls nicht sinnvoll. „Eine pauschale Altersgruppe festzulegen, die dann im besagten Alter ihren Führerschein abgeben muss, sehe ich nicht als Lösung an. Manche sind mit 80 noch relativ fit, wobei manche 70-jährigen Autofahrer schon große Schwächen aufweisen“, so Jürgensen.

Fahrtüchtigkeitsprüfung keine Pflicht mehr

Er sieht das angebotene Fahrtraining, das er selbst auch durchführt, als sinnvolle Veranstaltung. „Es ist ein guter Kursus für alle Altersklassen. Das bezieht sich nicht nur auf die älteren Leute unter uns. Auch jüngere Fahrer haben so einige Probleme. Wir wollen allen Teilnehmern mehr Sicherheit im Straßenverkehr mitgeben“, so der 45-Jährige.

Eine Tüchtigkeitsprüfung, die Senioren durchführen müssen, sobald der Hausarzt es anordnet, gibt es seit dem 1. Juli 2017 nicht mehr. Senioren ab 75 Jahre müssen lediglich zum Bürgerservice, wo der Führerschein um bis zu 15 Jahre verlängert werden kann.

Der Verkehrssicherheitsrat in Dänemark, Rådet for Sikker Trafik, bedauert, dass es keine verpflichtenden ärztlichen Untersuchungen für Senioren mehr gibt.

„Irgendeine Form verbindlicher ärztlicher Untersuchungen sollte es geben. Die Gefahr ist ansonsten, dass sich unbemerkt eine Demenz einschleichen kann“, sagt Pressemitarbeiter Jeppe Gudmandsen. Es sei problematisch, diese Aufgabe den Familienangehörigen anzulasten.

„Wir befürchten auch, dass ältere Menschen trotz Beschwerden gar nicht mehr zum Arzt gehen, wenn sie damit rechnen, dass ihnen bei der Gelegenheit der Führerschein weggenommen werden kann. Eine regelmäßige obligatorische Untersuchung ist dann besser“, sagt Jeppe Gudmandsen. Wie konkret dies umgesetzt werde, sei eine politische Entscheidung.

Sigrid Jansen von der Straßenverkehrsgenossenschaft Schleswig-Holstein sieht ebenfalls die Senioren in der Verantwortung. „Ältere Leute müssen mehr Eigenverantwortlichkeit zeigen und selbst wissen, wann es Zeit ist, aufzuhören“, so die ehemalige Fahrlehrerin. Außerdem hat sie einen Vorschlag parat. „Es wäre ein gutes Zeichen von offizieller Seite, wenn man Senioren, die freiwillig ihren Führerschein abgeben, ein Jahr lang freie Fahrt mit den öffentlichen Verkehrsmitteln gewährt. Dadurch fällt die Umstellung auf ein Leben ohne Auto leichter“, sagt Jansen.

Fahrlehrer Jürgensen berichtet: Wenn die Bürger es sicherheitshalber dennoch vorziehen, den Hausarzt zu besuchen, um sich die Fahrtüchtigkeit bestätigen zu lassen, gibt es trotzdem noch Einzelfälle der besonderen Art. „Ich habe schon oft erlebt, dass Familienangehörige sagen: ‚Opa du solltest nicht mehr fahren‘, doch der Hausarzt macht aufgrund des guten Verhältnisses zum Patienten eine Ausnahme, und besagter Opa darf dann trotzdem weiter Auto fahren. Sowas ist natürlich sehr bedenklich“, sagt Carsten Jürgensen.

„Haltung der Fahrer muss sich ändern"

Ein allgemeines Problem sieht Jürgensen aber in der rasant ansteigenden Menge von Autos und Autofahrern. „Vor 20 Jahren gab es viel weniger Autos auf den Straßen. Heutzutage ist Sicherheit im Verkehr noch wichtiger geworden, da mehr Leute gefährdet werden können, weil mehr Autos auf den Straßen sind.

Auch der Drang zum Schnellfahren hat zugenommen. Heutzutage kommt es immer mehr zu Drängelei und daraus resultierenden Auffahrunfällen. Die Haltung der Fahrer muss sich grundlegend ändern. Wenn das passiert, brauchen wir auch nicht mehr über fehlende Sicherheit zu reden“, so der Fahrschullehrer.

Das Fahrschultraining des Sozialdienstes findet auf der Haderslev Køreteknisk Anlæg statt. Der Kursus kostet für Mitglieder 450 Kronen und für Nicht-Mitglieder 550 Kronen. Beginn ist um 10 Uhr, und mit dem Ende wird gegen 14 Uhr gerechnet. Für Essen und Getränke ist gesorgt. Mitzubringen sind lediglich Schreibmaterial und ein gültiger Führerschein. Da nur zwölf Personen teilnehmen können, wird um eine Voranmeldung gebeten. Diese kann unter der Telefonnummer 7462 1859 oder per Mail an mail@sozialdienst.dk getätigt werden.

Wann solltest du den Führerschein aufgeben

  • Wenn du dich unsicher fühlst Auto zu fahren
  • Wenn du häufiger kurz davor warst, einen Unfall zu bauen
  • Wenn der Arzt sagt, dass du aufhören solltest
  • Wenn die Polizei sagt, dass du aufhören solltest
  • Wenn die Familie sagt, dass du aufhören solltest
  • Wenn andere Personen aus Sicherheitsbedenken nicht mehr bei dir mitfahren wollen
www.sikkertrafik.dk
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