Umwelt

LHN über Glyphosat: Lösungen statt Verbote

LHN über Glyphosat: Lösungen statt Verbote

LHN über Glyphosat: Lösungen statt Verbote

Nordschleswig
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Glyphosat wird in der dänischen Landwirtschaft als Unkrautvernichter eingesetzt. Foto: Jean-Francois Monier/AFP/Ritzau Scanpix

In Deutschland soll das Spritzmittel Glyphosat ab 2024 verboten werden. Eine Ankündigung, die auch in Dänemark aufhorchen lässt. Sollte der Unkrautvernichter auch hierzulande verboten werden? Ein Interview mit dem Vorsitzenden des Landwirtschaftlichen Hauptvereins für Nordschleswig (LHN), Jørgen Popp Petersen.

Deutschland will Glyphosat verbieten. Wie positioniert sich der LHN dazu?

„Die Aussicht auf ein Verbot stellt die Landwirtschaft vor eine Herausforderung. In Deutschland ist es zwar noch keine beschlossene Sache, aber ich halte es für durchaus wahrscheinlich, dass so ein Verbot tatsächlich kommt. Ich befürchte, dass nicht wissenschaftliche und fachliche, sondern vielmehr politische Gründe zu einem Verbot führen können.“

Was spricht gegen ein Verbot in den einzelnen Ländern?

„Wenn es verboten wird, dann sollte es ein Verbot vonseiten der EU sein, sodass es für alle Länder gilt. Die EU ist aber ein sehr großes Agrarland und ich halte es für wahrscheinlicher, dass es auf EU-Ebene nicht so einfach ist, Glyphosat aus politischen Gründen, sprich aufgrund politischer Stimmung, zu verbieten. Sondern vielmehr auf der Basis der Wissenschaft.“

Glyphosat gilt ja als potenziell krebserregend. Warum sollte es nicht verboten werden?

„Es gilt als wahrscheinlich krebserregend, wobei es eben keine klare Dokumentation gibt. Die Untersuchungen sind nicht eindeutig und es gibt ebenso Untersuchungen und Studien, die zu einem anderen Schluss kommen. Generell ist ja ganz klar, dass wir weniger Unkrautvernichter verwenden wollen und sollten. Aber ich halte es nicht für eine tickende Zeitbombe, wie es oft dargestellt wird.“

Angenommen, Glyphosat wird verboten. Welche Alternativen hätten die Landwirte?

„Das ist ein Punkt, der generell viel zu wenig diskutiert wird. Würde man Glyphosat verbieten, dann müssten die Bauern ihre Felder drei bis viermal im Jahr komplett mechanisch bearbeiten und ,schwarz machen’, wie man es nennt. Das geschieht mit schwerem Gerät und hier ist die Co2-Bilanz aufgrund der Fahrerei alles andere als gut. Zudem ist die mechanische Queckenbekämpfung schlecht für den Nitratgehalt. Hier steht also der relativ einfache Einsatz von einmal Roundup (Umgangssprachlich für Glyphosat, d. Red.) einem drei- bis viermaligem mechanischen Einsatz gegenüber.

Auch das muss man beachten! Derzeit ist es nämlich gesetzlich überhaupt nicht erlaubt, die Erde auf diese Weise zu bearbeiten. Wer ein Glyphosat-Verbot fordert, muss sich eben auch mit diesen Sachverhalten auseinandersetzen. Ein Verbot zu fordern, ist einfach – aber wie sehen die Alternativen aus? Hier vermisse ich sachliche Diskussionen. Die Herausforderung ergibt sich ja vor allem bei den Getreideherstellern. Viele Bio-Landwirte erzeugen Futtermittel auf ihren Feldern, kein Getreide. Da gibt es weniger Probleme mit der Quecke, jener Unkrautpflanze, wegen der man Glyphosat anwenden muss.“

Roundup wird auch in Privatgärten zum Spritzen benutzt. Foto: Josh Edelson/AFP/Ritzau Scanpix

Welche Lösung wünscht sich der LHN?

„Ganz klar weniger Glyphosat, und hier müssen wir von unserer Seite aus eine Diskussion anregen. Wir sollten aus der Landwirtschaft heraus in diese Diskussion einsteigen! Wir müssen uns als Fachverband einmischen. Vorschläge und Argumente liefern. Wenn es auf EU-Ebene ein Verbot gibt, dann wird das eine enorme Herausforderung – denn die Märkte sind ja längst global – und man muss gut überlegen, wie sich das auf Europas Landwirtschaft auswirkt.“

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