Deutsche MInderheit

Wie die Region von anderen Grenzregionen lernen kann

Wie die Region von anderen Grenzregionen lernen kann

Wie die Region von anderen Grenzregionen lernen kann

Apenrade/Aabenraa
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Der deutsche Botschafter in Kopenhagen, Pascal Hector, und die Gesandte Andrea Berdesinski diskutierten am Mittwochabend mit Vertreterinnen und Vertretern der Minderheit über das Potenzial des Grenzlandes. Foto: Helge Möller

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Einen Vortrag wolle er nicht halten, meinte der deutsche Botschafter in Dänemark, Pascal Hector, am Mittwochabend im Rahmen einer Diskussionsrunde, in der es um das Potenzial des Grenzlandes ging. Eine Idee brachte er mit: eine Konferenz der Grenzregionen. Ein Thema für die Konferenz war schnell gefunden: gemeinsame Polizeiarbeit.

Der deutsche Botschafter in Dänemark, Pascal Hector, hat am Mittwochabend im Rahmen einer Diskussionsveranstaltung in Apenrade eine Konferenz angekündigt, auf der Grenzregionen Gelegenheit haben sollen, gelungene grenzüberschreitende Zusammenarbeit vorzustellen.

Geplant sei, die Konferenz im kommenden Jahr in Kopenhagen (København) stattfinden zu lassen, so Hector auf der Veranstaltung im Rahmen seines Nordschleswigbesuches am Mittwochabend.

Hector und seine Stellvertreterin, die Gesandte Andrea Berdesinski, wollten mehr über Erfolge, Misserfolge und Zukunftsgedanken im Grenzland erfahren. Die Moderation übernahmen Gwyn Nissen, Chefredakteur des „Nordschleswigers“, und Peter Gram von „JydskeVestkysten“.

Gwyn Nissen, Chefredakteur des „Nordschleswigers", moderierte zusammen mit Peter Gram die Diskussionsrunde. Foto: Helge Möller

Im Zuge des ersten offiziellen Besuchs des deutschen Botschafters in Nordschleswig berichtete der Hauptvorsitzende des Bundes Deutscher Nordschleswiger (BDN), Hinrich Jürgensen, von der langsamen Annäherung von deutscher Minderheit und dänischer Mehrheit in den vergangenen Jahrzehnten, vom Zusammenwachsen des Grenzlands, das durch die Corona-Pandemie, die Grenzkontrollen und durch den Bau des Wildschweinzaunes für Jürgensen einen herben Rückschlag erlitten hat. Mehr noch: „Die Menschen fragen sich wieder, lohnt sie noch, die grenzüberschreitende Zusammenarbeit?“, so Jürgensen.

Der Botschafter regte an, einmal die Rechnung aufzumachen, was es kosten würde, wenn es diese Zusammenarbeit nicht gäbe. Er zeigte sich überzeugt, dass sich die Zusammenarbeit auszahlt – auch angesichts der vielen Berufspendlerinnen und -pendler.

Das Thema Kosten sprach auch Hinrich Jürgensen an – die des Polizeieinsatzes an der Grenze. Das Geld wäre durch intelligente Kontrollen unter Zuhilfenahme von Nummerschildscannern und Hinterlandkontrollen besser ausgegeben, so Jürgensen. Die Sicherheit würde dadurch erhöht, auch weil Polizeikräfte frei würden, die wieder gezielt Verbrechen bekämpfen könnten.

Peter Gram sprach in diesem Zusammenhang die deutsch-polnische Grenze an, an der gemeinsame Polizeistreifen eingesetzt würden, die Pascal Hector auch von der deutsch-französischen Grenze kennt. Das Schengen-Abkommen ermöglicht es Hectors Worten nach, bei der Verbrechensbekämpfung eng zusammenzuarbeiten, etwa durch gemeinsame Kontrollen oder Kontaktaufnahme bei Verdachtsfällen. Der Botschafter regte an, dieses Thema auf der Konferenz der Grenzregionen genauer unter die Lupe zu nehmen.

Uwe Jessen, Generalsekretär des BDN, meinte, das Problem sei, Kopenhagen zu überzeugen, den eingeschlagenen Pfad der Symbolpolitik, mit der sich aber Wahlen gewinnen ließen, wieder zu verlassen. Er mahnte jedoch vor Ratschlägen „von oben herab", dies komme in Dänemark nicht gut an.

Dies könne mit konkreten Vorschlägen glücken, wie Grenzen sicher, aber doch durchlässig gemacht werden, hieß es aus der Gruppe der Teilnehmenden. Inspiration könne die Konferenz im kommenden Jahr geben, warb der Botschafter.

Deutsch-dänischer Aktionsplan

Trotz der Hindernisse der vergangenen Jahre – positiv beurteilten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer das Zusammenleben von Minderheit und Mehrheitsbevölkerung, ob nun südlich oder nördlich der Grenze. Was früher unmöglich schien, sei heute möglich, wie die Wahl von Minderheitenkandidaten für politische Ämter, die auch von der Mehrheitsbevölkerung unterstützt werden.

Nachdem zwei andere Themen für die Konferenz gefunden wurden, grenzüberschreitende Tourismusvermarktung und Gesundheitsvorsorge, berichtete Andrea Berdesinski vom deutsch-dänischen Aktionsplan, unterzeichnet von der deutschen Außenministerin Annalena Baerbock (Grüne) und ihrem dänischen Kollegen Jeppe Kofod (Soz.), in dem es unter anderem um die Zusammenarbeit im Energiesektor und in der Sicherheitspolitik gehe. Den Unterzeichnenden sei bewusst, dass dem Grenzland eine besondere Rolle zukomme, so die Gesandte. Einer hochrangigen Besetzung des Gremiums, das diesen Aktionsplan umsetzen soll, komme eine besondere Bedeutung zu, gab Pascal Hector zu bedenken. Eine solche hochrangige Besetzung sichere politische Aufmerksamkeit.

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