Leitartikel

„Die digitale Ärztin“

Die digitale Ärztin

Die digitale Ärztin

Nordschleswig/Apenrade
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Vieles ist heute digital möglich. Warum nicht auch ein Arztbesuch? Die Corona-Pandemie hat uns neue Wege gezeigt, meint Chefredakteur Gwyn Nissen.

„Ich muss zum Arzt“ kann eine ganz andere Bedeutung bekommen, wenn der dänische Versuch mit Video-Sprechstunden in Zukunft auf alle Arztpraxen im Lande ausgeweitet wird.

In Dänemark haben viele Patienten bereits Erfahrung mit der digitalen Kommunikation mit ihrer Arztpraxis. Testergebnisse, Rezepte, Fragen und Antworten laufen alle über die digitale Plattform. Der Patient hängt nicht in der Warteschleife – oder umgekehrt.

Auf sundhed.dk kann jeder Bürger die eigene Gesundheitsakte einsehen. Frühere Diagnosen, verschriebene Medizin, Behandlungen – alles ist für den Patienten offen dargelegt, transparent und griffbereit.

Video-Sprechstunden sind daher der nächste natürliche Schritt nach der schriftlichen Kommunikation, denn vieles geht über die Tastatur – aber eben nicht alles. Und so ist es auch mit den Video-Konsultationen: Vieles kann trotz der Entfernung geregelt werden, aber nicht alle Krankheiten sind geeignet, auf Abstand diagnostiziert oder behandelt zu werden.

Wer schon einmal eine Video-Schalte mit der Ärztin erlebt hat, weiß, dass es gut funktioniert – auch mit älteren Bürgern. Dass man eine Video-Konsultation durchführen kann, bedeutet aber nicht, dass es so sein muss.

Es ist vor allem ein Angebot mit eingebauter Flexibilität. In Zukunft muss man nicht zum Arzt „gehen“, sondern kann von zu Hause aus oder vom Schreibtisch bei der Arbeit die Ärztin sehen. Für Arbeitnehmer und Arbeitgeber eine gute Lösung.

Aber natürlich kann die Ärztin keinen Blick in den Hals der Patientin werfen, Proben entnehmen oder den Arm abtasten. Daher haben auch Video-Konsultationen ihre Begrenzung. Als Ergänzung zum jetzigen Angebot ergibt es aber durchaus Sinn, dass einige Arztbesuche digital durchgeführt werden – ob schriftlich, im Chat oder per Video.

Es geht darum, die Möglichkeiten auszunutzen und sie dort einzusetzen, wo es vorteilhaft ist – und dass auch gerne Ressourcen gespart werden können. Wenn die Video-Sprechstunde mit dem Arzt keine Besserung gebracht hat, dann bleibt immer noch der Gang zur Praxis.

In den vergangenen zwölf Monaten haben wir viel dazu gelernt, was digital alles möglich ist. Nicht für alle – aber für viele. Nicht für alles – aber für vieles.

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