Corona-Virus

Lange Wartezeiten für Patienten mit Covid-19-Spätfolgen

Lange Wartezeiten für Patienten mit Covid-19-Spätfolgen

Lange Wartezeiten für Patienten mit Covid-19-Spätfolgen

Ritzau/nb
Kopenhagen
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Bei vielen Patienten mit einem schweren Verlauf der Covid-19-Infektion kommt es zu Spätfolgen, die den Alltag stark beeinträchtigen können. Foto: Ólafur Steinar Gestsson/Ritzau Scanpix

Personen, die eine Infektion mit dem Coronavirus überstanden haben und unter Spätfolgen leiden, mussten in Nordschleswig im vergangenen Monat fast sechs Wochen warten, ehe sie in einer der beiden Kliniken für Spätfolgen in der Region Süddänemark untersucht wurden.

Personen, die eine Corona-Infektion überstanden haben, können im Anschluss daran von Spätfolgen heimgesucht werden. In einem solchen Fall müssen sie ihren Arzt konsultieren, der dann eine Überweisung an eine Klinik für Spätfolgen ausstellen kann.

In Nordschleswig gibt es keine solche Klinik für Spätfolgen. Betroffene Patienten aus Nordschleswig werden deshalb an die Klinik für Spätfolgen am Universitätskrankenhaus Odensee überwiesen. Außerdem verfügt die Region Süddänemark noch über eine Klinik für Spätfolgen am Krankenhaus Kleiner Belt in Kolding, die jedoch vornehmlich Patienten aus der Gegend um Kolding aufnimmt.

Behandlungsgarantie soll maximal vier Wochen Wartezeit sicherstellen

Normalerweise soll die Behandlungsgarantie sicherstellen, dass Patienten, die eine solche Überweisung erhalten, innerhalb von vier Wochen von einem Arzt in einer der Spezialkliniken untersucht werden.

Wie die Region Süddänemark dem „Nordschleswiger“ mitteilt, mussten Patienten aus Nordschleswig im April jedoch 41 Tage im Durchschnitt warten, um zur Behandlung in die Klinik für Spätfolgen nach Odensee zu kommen. Für ehemalige Corona-Infizierte aus der Gegend um Kolding, die Spätfolgen ausgesetzt sind, betrug die Wartezeit 24 Tage, ehe sie in der Klinik für Spätfolgen am Krankenhaus Kleiner Belt in Kolding untersucht werden konnten.

Im Vergleich dazu betrug die Wartezeit im März 33 Tage für eine Untersuchung in Odensee und 20 Tage in Kolding.

Insgesamt waren im April 67 Patienten und im März 86 Patienten an eine der beiden Kliniken überwiesen worden. Der leichte Rückgang in der Anzahl der Patienten im April ist jedoch auf die Feiertage zu Ostern zurückzuführen, so dass die Zahl der betroffenen Personen weiterhin hoch ist.

Lange Wartezeiten bei den zwei Kliniken für Spätfolgen in Nordschleswig

Die von der Region ermittelten Zahlen basieren auf der Wartezeit, die zwischen dem Zeitpunkt liegt, zu dem der Hausarzt die Überweisung ausgestellt hat, und dem ersten Behandlungstag.

Damit lag die Wartezeit sowohl im März als auch im April über den vier Wochen, die die Behandlungsgarantie zusichern soll.

Die Region Süddänemark weist darauf hin, dass Patienten, die nach Odensee überwiesen werden, vor ihrem ersten Besuch einen Fragebogen ausfüllen müssen und ein Röntgenbild und Blutproben machen lassen müssen. Dies alleine dauert nimmt bereits 14 bis 21 Tage in Anspruch.

Vor dem Hintergrund der langen Wartezeiten vor allem an der Klinik für Spätfolgen in Odensee untersucht die Region Süddänemark derzeit, welche Maßnahmen ergriffen werden können, um die Kapazität zu erhöhen.

Arbeiten an Kapazitätsgrenze auch in Aarhus

Doch längere Wartezeiten von mehr als vier Wochen gibt es nicht nur für Patienten aus Nordschleswig.

Berit Schiøttz Christensen ist Oberärztin an der Klinik für Spätfolgen am Universitätskrankenhaus Aarhus. Die Patienten, die von ihrem Arzt eine Überweisung an die Klinik bekommen, müssen sich derzeit bis Ende Juni gedulden, ehe sie untersucht werden können.

„Derzeit arbeiten wir an unserer Kapazitätsgrenze“, sagt sie.

Für die Patienten kann das ernsthafte Folgen haben, meint Berit Schiøttz Christensen. So sind viele komplett oder teilweise krankgeschrieben.

Rutschen in die Sommerferien

Auch Helle Frost Andreassen, leitende Oberärztin an der Lungenabteilung am Krankenhaus Bispebjerg und Frederiksberg, berichtet von längeren Wartezeiten.

Aus diesem Grunde muss ein Patient, der heute von seinem Arzt eine Überweisung ausgestellt bekommt, lange warten.

„Leider glaube ich, dass wir in die Sommerferien hineinrutschen. Es besteht kein Zweifel, dass die Situation im Mai noch problematisch wird, wenn sich die Anzahl an Überweisungen weiterhin auf demselben Niveau wie vor ein paar Wochen befindet“, sagt sie.

Helle Frost Andreasen weist jedoch darauf hin, dass aktiv daran gearbeitet werde, weiteres Personal anzustellen. Dadurch konnte der Druck bereits ein wenig gemindert werden.

Patienten zum Jahreswechsel mit Covid-19 infiziert gewesen

Steffen Kristensen, Oberarzt am lungenmedizinischen Labor am Universitätskrankenhaus Aalborg, sagt, dass die Wartezeit aktuell etwa vier Wochen beträgt und damit soviel wie die durch die Behandlungsgarantie festgelegte maximale Wartezeit.

„Die Patienten, die wir jetzt untersuchen, waren zum Jahreswechsel mit Covid-19 infiziert. Wir haben unsere Kapazitäten mit Ausgangspunkt in den Fallzahlen vom November vergangenen Jahres dimensioniert, und danach kam es dann zu einem starken Anstieg an Infizierten pro Tag. Deshalb mussten wir unsere Kapazität mehr als verdoppeln“, sagt er.

Sieben von zehn Patienten leiden unter Spätfolgen

Lars Arendt-Nielsen, Professor und Schmerzforscher an der Universität Aalborg, hat eine der weltweit umfassendsten Studien zu Corona-Spätfolgen durchgeführt, die gerade veröffentlicht wurde. Für ihn sind die langen Wartezeiten keine Überraschung.

„Wir haben eine großangelegte Studie mit mehr als 1.000 Patienten durchgeführt, die einen schweren Corona-Verlauf durchlitten haben. Bei etwa sieben von zehn Patienten ist es zu zwei bis drei Spätfolgen gekommen“, sagt er.

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Leitartikel

Gwyn Nissen
Gwyn Nissen Chefredakteur
„Also was jetzt?“