Forschungsprojekt

Mehr Einsicht in Kinderwünsche erhalten

Mehr Einsicht in Kinderwünsche erhalten

Mehr Einsicht in Kinderwünsche erhalten

Apenrade/Aabenraa
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Im deutschen Kindergarten haben die Kleinen das grüne „Wir“ kennengelernt und so den Umgang miteinander verbessert. Foto: Jan Peters

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Rundherum zufrieden zeigen sich Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Deutschen Kindergärten Apenrade, Eltern und auch ein Forscher, die über mehrere Monate an einem Projekt mitgewirkt haben, bei dem die Wünsche der Kinder im Mittelpunkt standen.

Wie erleben Kinder ihre Umwelt? Um das besser verstehen zu können, haben die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und Kinder der Deutschen Kindergärten Apenrade (DKA) an einem Forschungsprojekt unter der Leitung von Micki Sonne Kaa Sunesen teilgenommen.

Mit dem Blick aus Kinderperspektive konnten die Mitarbeiter an den Kindergärten Strukturen im Alltag aufbrechen und neu gestalten. Beispielsweise sind noch mehr verbindende Rituale entstanden, die für mehr Gemeinschaft unter den Kindern und auch den Eltern sorgen, oder der Speiseplan wurde anhand der Kinderwünsche geändert, wo sich das umsetzen ließ.

In jeder Institution gab es eine kleine interne Ausstellung, in der den Eltern die Forschungsarbeit anhand von Fotos, Bildern und vielem mehr vermittelt wurde.

Das Projekt, das nach der „Mosaik Approach“-Methode (siehe Infokasten unten) durchgeführt wurde, endete kürzlich und mit Erfolg, wie die Aussagen der Kindergartenleiterinnen und -leiter, der DKA-Chefin sowie des Forschers selbst zeigen.

Im Kreis trauen sich nun auch die Kinder etwas zu sagen, die vorher sehr ruhig waren. Einige Kinder erklären nun, warum sie traurig, fröhlich, wütend oder ängstlich sind.

Melanie Krumbügel, Abteilungsleiterin Wilsbek

„Die Antworten der Kinder haben uns überrascht und zum Nachdenken angeregt. Das war ein tolles Gefühl, es hat uns neue Möglichkeiten aufgezeigt, wie wir die Dinge betrachten sollten. Für uns war es wichtig, dass die Kinder fühlen und merken, dass sie gehört und gesehen werden. Und dass die Kinder lernen, ihr Gefühl vor anderen zu erklären und es anderen Kinder beibringen, das Gefühl wahrzunehmen und zu verstehen. Wir haben bemerkt, dass die Kinder im Projektverlauf selbstständiger und aufmerksamer geworden sind. Sie verhalten sich anders, wenn ein Kind traurig ist. Im Kreis trauen sich nun auch die Kinder etwas zu sagen, die vorher sehr ruhig waren. Einige Kinder erklären nun, warum sie traurig, fröhlich, wütend oder ängstlich sind. Und es ist ein tolles Gefühl zu sehen, wie die Kinder durch eigene Initiative wachsen“, erklärt Melanie Krumbügel, die Abteilungsleiterin des Teams in Wilsbek.

Aus den anderen teilnehmenden Kindergärten gibt es von den Leiterinnen und dem Leiter ähnliche positive Aussagen zu dem Projekt.

Die Kinder pflanzen die „Lebensmittel“, die später in der Küche verwendet werden. Foto: Privat

Mitbestimmung beim Essen

Unterschiede gab es jedoch bei den Inhalten, die von den Mitarbeitern in den Institutionen in den Vordergrund gewählt wurden. So stand im Kindergarten Loit Schauby (løjt Skovby) das Essen im Vordergrund. „Jedes Kind durfte zwei Lieblingsgerichte nennen, die in den Essensplan für die folgenden vier Wochen eingegangen sind. Darüber ist dann auch das Interesse entstanden, wo unsere Lebensmittel herkommen und wie wir sie selbst herstellen können“, erzählt Jan Breitenkamp Hansen, der Leiter des Kindergartens. Die Mädchen und Jungen haben dadurch direkt Einfluss auf den Mittagsplan genommen.

Die Kinder wurden nach ihren Lieblingsgerichten gefragt, die dann auf dem Essensplan kamen. Foto: Privat

Kinder noch besser kennengelernt

In den deutschen Kindergärten Jürgensgaard und Margrethenweg sind Interviews mit den Kleinen gemacht worden. Für die Mitarbeiter eine sehr eindrückliche Erfahrung. „Die gezielte Ermittlung der Kinderperspektive veränderte die ganze Sicht auf die pädagogische Arbeit mit Kindern und gibt uns unter anderem die Möglichkeit, sie besser kennenzulernen und zu verstehen. Nach den Kinderinterviews trauen sich auch die sonst stilleren Kinder etwas zu sagen“, sagt Leiterin Mette Muurholm.

Ein Krippenkind beim Fotografieren des Lieblingsspielzeugs. So lernen die KiGa-Mitarbeiter die Kleinen besser kennen. Foto: Privat

Gestärkte Kinder

Aus dem Feldstedter Waldkindergarten berichtet die konstituierte Leiterin Nina Wickerath: „Durch die Untersuchungen während des Projektes haben wir erfahren, wie wichtig und wertvoll der Wald und das tolle Außengelände für die Kinder sind. Das bestärkt uns in der Annahme, dass der natur-pädagogische Ansatz unserer Arbeit die Entwicklung und das Gedeihen der Kinder stärkt und sie enorm davon profitieren.“

Mit sehr einfachen Mitteln ließe sich herausfinden, mit welchen Augen die Mädchen und Jungen die Welt sehen. „Mehr als sonst konnten wir ihnen das Gefühl geben, dass ihre Meinung zählt. Für uns als Gemeinschaft konnten wir noch mehr verbindende Rituale schaffen, wie beispielsweise die Erfindung eines Spieles, das die Kleinen weiterhin regelmäßig spielen oder die Gestaltung des Speiseplans anhand ihrer der Wünsche.“

Krippenkinder übten, wie Gefühle ausgedrückt werden. So verstehen sie die Gefühle anderer Kinder besser. Foto: Privat

Für die Pädagoginnen und Pädagogen sowie Mitarbeiter eine gute Erfahrung, denn „die Arbeit mit dem Projekt hat uns geholfen, unsere Arbeit zu hinterfragen und die Kinder besser kennenzulernen“, wie Wickerath stellvertretend für alle sagt.

Stolze DKA-Leiterin

Auch die DKA-Leiterin Morlyn Frenzel Albert, die das Projekt zusammen mit Forscher Micki Sonne Kaa Sunesen initiierte, ist sehr zufrieden. „Die Themenarbeit ,Freundschaft und Gemeinschaft‘ in Kinderperspektive hat viele tolle neue Anregungen in allen Abteilungen gegeben und gegenseitig inspiriert, neugieriger mit den Kindern zu werden. Die Zusammenarbeit mit Micki und der ,Mosaik-Approach-Methode‘ hat alles auf eine qualitativ höhere Ebene gebracht und lässt uns fachlich stolz in den Sommer gehen – jeder für sich und alle zusammen“, erklärt sie und bedankt sich bei allen Beteiligten für den großen Einsatz.

Bei einer „Ausstellung“ wurde den Eltern die Projektarbeit präsentiert. Foto: Privat
Eltern kamen mit ihren Kindern bei den Ausstellungen, die in allen sieben DNA-Kindergärten stattfanden, ins Gespräch über die anderen Jungen und Mädchen aus der Institution. Foto: Privat
Bei den Ausstellungen wurden die Projekt-Arbeiten präsentiert. Foto: Privat

Forscher voll des Lobes

Der das Projekt begleitende Forscher Micki Sonne Kaa Sunesen lobt die DKA und deren Mitarbeiter: „Kinder der DKA können sich glücklich schätzen. Sie sind nämlich umgeben von sehr professionellen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, die zusammen das Ihre geben, um die besten Lern- und Mitbestimmungsmöglichkeiten zu gewährleisten. Mir ist an der DKA ein großes Engagement und eine selten anzutreffende Kreativität begegnet. Es war mit ein Vergnügen, das erleben zu können.“

Deutsche Kindergärten Apenrade – DKA

Deutsche Kindergärten Apenrade (DKA) ist ein Zusammenschluss von sieben deutschen Kindergärten in der Kommune Apenrade.
DKA hat eine Distriktleitung und sieben Abteilungsleitungen. In den Kindergärten werden zurzeit über 200 Mädchen und Jungen betreut.

Unter dem Dach der DKA sind die deutschen Kindergärten:

  • Deutscher Kindergarten Wilsbek
  • Deutscher Kindergarten Jürgensgaard
  • Deutscher Kindergarten Margrethenweg
  • Deutscher Kindergarten Rothenkrug
  • Deutscher Kindergarten Loit Schauby
  • Deutscher Kindergarten Pattburg
  • Deutscher Waldkindergarten Feldstedt

Die DKA gehört zum Deutschen Schul- und Sprachverein für Nordschleswig (DSSV).

„Mosaik Approach“ – „Børnemosaik“

Die Methode „Mosaik Approach“ basiert auf dem Einsammeln von Daten und Informationen. Das geschieht mit verschiedenen Methoden, weshalb der Begriff „Mosaik“ ins Spiel kommt.

Die Informationen werden mit Methoden wie z. B. Video, Interview oder gemalte Bilder gesammelt und dann wie ein Mosaik zu einem Ganzen zusammengefügt.

Mit den Bildaufnahmen ist es besonders gut möglich, Emotionen darzustellen und zu verstehen.

Besonders bei der Arbeit mit Kindern ist die Forschungsmethode von Vorteil, denn so können mehr Informationen zusammengetragen werden. Üblicherweise werden zum Beispiel Interviews durchgeführt. Bei Kindern bis zum Alter von fünf Jahren ist das jedoch schwierig. Ihnen fehlen die sprachlichen Werkzeuge. Deshalb werden zwar weiterhin Interviews mit ihnen gemacht, sie beschränken sich jedoch auf sehr kurze Gesprächssequenzen.

Zudem nimmt die Untersuchungsmethode Ausgang in den persönlichen Erlebnissen und Einschätzungen der Kinder.

Die Methode wurde gemeinsam von den englischen Erziehungswissenschaftlern A. Clark und P. Moss entwickelt (Clark, A., and Moss, P. (2011). Listening to young children: The mosaic approach (Second edition.), London: National Children’s Bureau). Inzwischen gibt es jedoch schon Literatur unter anderem in deutscher und dänischer Sprache.

Ein Beispiel aus der Praxis:

Ein Junge, der von den „kleinen“ zu den „großen“ Kindern gewechselt hatte, sollte mit einer Kamera durch den Kindergarten gehen und Fotos von den Sachen machen, die er lustig findet, die ihm Spaß machen. Er ging in Richtung seiner „alten“ Kindergruppe, um dort Fotos zu machen. Den Pädagogen war nicht bewusst, dass der Junge noch immer eine so große Anknüpfung zu seiner früheren Gruppe hat.

Solche Erfahrungen „aus Kinderperspektive“ fließen dann in die pädagogische Arbeit ein.

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