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Ein Grabstein für Kirollos

Ein Grabstein für Kirollos

Ein Grabstein für Kirollos

Apenrade/Aabenraa
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Gemeinsam mit dem Friedhofsleiter setzen Jan Sternkopf (l.) und Gösta Toft (m.) den Grabstein auf das Grab. Foto: Jan Peters

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Vor drei Jahren ist Saïd Kirollos verstorben – einsam in seiner Wohnung auf Hohe Kolstrup. Die Kommune und die Gemeinde übernahmen die Kosten für die Beerdigung des gläubigen Christen aus Ägypten. Jetzt hat er – dank Jan Sternkopf und Gösta Toft – einen Grabstein bekommen. Wie es dazu kam, erzählten die beiden, während der Stein auf das Grab gesetzt wurde.

Im Februar konnte Saïd Kirollos noch seinen 80. Geburtstag begehen. Am 19. November 2020 starb er in seiner kleinen Einzimmerwohnung im Apenrader Stadtteil Hohe Kolstrup (Høje Kolstrup). Er wurde einige Tage nach seinem Tod aufgefunden. Auf Drängen von Bekannten wurde die Wohnungstür aufgebrochen.

Kirollos – seinen Vornamen mochte er nicht, war dieser doch arabisch geprägt – war als koptischer Christ aus seinem Geburtsland Ägypten geflohen und in Dänemark gelandet. Das Land, in dem er den größeren Teil seines Lebens verbrachte, war ihm zur Heimat geworden.

Hier wollte er auch beerdigt werden. Viel Geld hatte er nicht anhäufen können, lebte selbst immer sparsam und wollte keinem zur Last fallen. Verwandte konnten nicht ausfindig gemacht werden. Die Pröpstin Kirsten Kruchov Sønderby kannte den gläubigen Mann aus vielen Gottesdienstbesuchen. Sie sorgte dafür, dass er ein christliches Begräbnis bekam. Die Kosten teilten sich die Apenrader Gemeinde und die Kommune. Ein Grabstein war nicht drin.

Studiert hatte Kirollos noch an der Universität von Alexandria: Geologie war sein Spezialfach. Doch er interessierte sich für Vieles: Politik des In- und Auslandes und auch Minderheiten gehörten zu seinen Interessengebieten. So landete er bei der deutschen Minderheit in Dänemark, deren Institutionen er fleißig nutzte und dadurch Bekanntschaften schloss.
 

Zu seinen Bekannten gehörten Jan Sternkopf und Gösta Toft. Sternkopf als ehemaliger Journalist beim „Nordschleswiger“ und Toft als Kenner des Grenzlandes. Toft arbeitete 1985, als er Kirollos kennenlernte, in der Forschungsstelle für regionale Landeskunde. Mit den beiden pflegte Kirollos über die Jahrzehnte regelmäßigen Kontakt. Eine Freundschaft entstand.

Auf dem Autoanhänger kommt der Grabstein am Apenrader Friedhof an. Foto: Jan Peters
Mithilfe von Friedhofsleiter Michael Dybdal (l.) kam der Grabstein an seinen Platz. Foto: Jan Peters

Sternkopf wollte nicht glauben, dass es keine Verwandten gibt. Er machte sich auf die Suche und fand bald Menschen mit dem Nachnamen Kirollos – in den USA. Per Messenger nahm der inzwischen pensionierte Journalist Kontakt auf – und tatsächlich fand er den Neffen. Der wiederum vermittelte Sternkopf an seinen Vater, den älteren Bruder Kirollos, Saber Kirollos. Der lebt im Bundesstaat Texas. Beide wussten nichts vom Tod des Bruders bzw. Onkels.

Eine würdige Ruhestätte

Jan Sternkopf berichtet dem Wahlamerikaner vom Ableben und der Beerdigung ohne Grabstein. So sollte sein Bruder nicht enden, beschloss Saber Kirollos – ebenfalls Kopte – und bat den Haderslebener um Hilfe. „Er wollte gerne, dass es ein richtiges Grab ist, mit Grabstein“, erzählt Sternkopf. Die Kosten wollte er übernehmen. Gemeinsam mit seinem Freund Gösta Toft überlegte er, was zu machen sei.

„Wir haben überlegt, was wir tun konnten“, so Sternkopf. Der Grabstein liegt jetzt auf der letzten Ruhestätte von Kirollos. Den Stein fand der frühere Journalist in seinem Garten; dort diente er als Stufe ins Haus. „Es sollte ein Naturstein sein, so wie es sich für einen Geologen gehört“, sagt er. „Geolog Kirollos“, steht darauf, dazu Geburts- und Todestag. Und ein Psalm ziert den Granit. „Den hat die Pröpstin Kirsten Kruchov Sønderby ausgesucht“, berichtet Jan Sternkopf.

„Ja, jeg tror på korsets gåde“, lautet der Satz, den die Pröpstin ausgewählt hat. Es ist eine Textzeile aus Psalm 192 „Hil dig, frelser og forsoner".

Die beiden haben viele Anekdoten über den „alten“ Bekannten. „Er hatte einen ganz markanten Duft“, erinnert sich Sternkopf. „Zimt“, tippt Sternkopf, kann sich aber nicht genau festlegen.

„Oft saß er bei Bäcker Nyeman am Haderslevvej, trank seinen Kaffee und las die Zeitung. Der nächste wunderte sich dann, wenn er die Zeitung nahm, denn an vielen Stellen war der Text markiert und mit Kommentaren versehen“, erinnert sich Toft.

„Kirollos sang gerne und laut. Er war aber bekannt dafür, dass er nicht unbedingt richtig sang“, erzählt Gösta Toft.

 

 

 

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