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Jungunternehmer übernimmt ehemaligen Bauhof und trotzt der Krise

Jungunternehmer übernimmt Bauhof und trotzt der Krise

Jungunternehmer übernimmt Bauhof und trotzt der Krise

Tingleff/Tinglev
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„Kedde" Erichsen hat für seine Firma „ServiceSønderjylland" den früheren kommunalen Bauhof in Tingleff übernommen. Foto: Friedrich Hartug

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Christian „Kedde“ Erichsen aus Behrendorf verschafft sich für seine Garten- und Anlagenbaufirma mehr Platz. Er hat den einstigen Bauhof am Håndværkersvinget in Tingleff übernommen. Nach der anfänglichen Euphorie über ein erheblich größeres Domizil macht sich beim Jungunternehmen auch Skepsis breit. Schuld ist der Krieg in der Ukraine.

Grünanlagen pflegen und neu anlegen, Bäume pflanzen, Verlegen von Platten und Pflastersteinen, Zäune errichten, Außengelände gestalten und Bauarbeiten verrichten: Die Firma „ServiceSønderjylland“ von Christian „Kedde“ Erichsen aus Behrendorf (Bjerndrup) ist ein Allround-Betrieb.

Mit seinem 2020 gegründeten Unternehmen zieht der 28-jährige Behrendorfer von der heimischen Adresse am Bajstrupvej nach Tingleff an den Håndværkersvinget 8. Er hat dort den einstigen kommunalen Bauhof von Maurermeister Willi Tästensen übernommen.

Der ehemalige Bauhof am Håndværkersvinget in Tingleff hat erneut den Besitzer gewechselt. Foto: Friedrich Hartung

„Das ergab sich ganz zufällig. Er fragte mich, ob ich hier auf dem Gelände einiges in Schuss bringen könnte. Er meinte dann, dass ich das Grundstück und die Trakte doch ganz gut für meinen Betrieb gebrauchen könnte. Dieser Gedanke sagte mir zu, und so kam es, dass ich das Anwesen übernahm. Wir wurden uns recht schnell einig. Willi ist ein feiner Kerl“, so der neue Bauhofbesitzer.

Kedde Erichsen (l.) und Willi Tästensen an der großen Halle des ehemaligen Bauhofs. Foto: Friedrich Hartung

Erichsen war an der Deutschen Schule Tingleff mit Tästensens Tochter in einer Klasse und kannte den Maurermeister. Die Übernahme sei ganz unkompliziert über die Bühne gegangen, wie der Behrendorfer sagt.

Der 28-Jährige hat in den ehemaligen Bauhof-Hallen nun reichlich Platz für seine Maschinen, Fahrzeuge und Gerätschaften. Das große Gebäude auf dem mehrere 1.000 Quadratmeter großen Grundstück verfügt auch über mehrere Büros, Aufenthaltsräume, Duschräume und sanitäre Anlagen.

Räume vermieten

Für seine Firma werde er nur einen Teil der Trakte gebrauchen. „Mir schwebt vor, Räume zu vermieten, unter anderem als Lager. Es könnten Möbel, kleinere Geräte oder Ware untergestellt werden“, erwähnt der Jungunternehmer, der fünf Mitarbeiter beschäftigt, darunter seinen Vater.

Für draußen ist angedacht, Sand, Kies, Holzschnitzel und ähnliche Materialien zum Selbstabholen anzubieten. Auch für drinnen hat Kedde Erichsen so manche Idee.

„Das ist aber noch nicht spruchreif“, sagt der 28-Jährige, der auf seinem Geburtshof in Behrendorf wohnen bleibt.

Er ist mittlerweile etwas zurückhaltend, denn zum Tatendrang und zur Euphorie, die mit der Übernahme des weitläufigen Geländes und der großen Gebäude verbunden waren, hat sich wegen des Ukrainekrieges und der sich anbahnenden Wirtschaftskrise Skepsis dazugesellt.

Krise zu spüren

„Wir stecken ja leider in einer Krise, das können wir deutlich spüren. Noch geht es, aber die Aufträge werden merklich weniger.“

Man könne nur hoffen, dass „diesem Mann“ das Handwerk gelegt wird, so Kedde Erichsen in Anspielung an den russischen Machthaber Wladimir Putin, der in der Ukraine einmarschiert ist und einen blutigen Krieg angezettelt hat.

Trotz der ungünstigen Ausgangslage hat Kedde Erichsen den Optimismus nicht verloren.

Seit seinem 18. Lebensjahr hat sich der Landwirtssohn als Gewerbetreibender versucht, Handel betrieben und Dienstleistungen angeboten, bis er vor rund zwei Jahren die jetzige Firma gründete, wie er erzählt. Als Unternehmer hat er bereits so einige Erfahrung, und er ist zuversichtlich, dass es bald besser wird.

„Als ich mit der Firma anfing, war der Teufel los. Wir konnten uns vor Aufträgen kaum retten. Das hat sich geändert“, so der Geschäftsmann. Seinen Angaben nach sind 80 Prozent der Kunden Firmen und Betriebe, 20 Prozent Private. Vor allem Aufträge von Privatleuten kämen kaum noch herein.

„Die Menschen wollen wegen der momentanen Lage kein Geld ausgeben. Das ist deutlich zu spüren und ja auch verständlich.“

Regional verankert

Trotz der schlechteren Ausgangslage wolle er weiterhin hauptsächlich Kunden aus der Kommune Apenrade (Aabenraa) und somit aus dem Nahbereich bedienen.

„Im Koldinger Raum oder noch weiter nördlich wäre vielleicht mehr Geld zu verdienen, ich möchte den hiesigen Kunden aber treu bleiben“, sagt der Lokalpatriot aus Behrendorf.

Als Landwirtssohn kennt sich Kedde Erichsen mit Arbeitsmaschinen bestens aus. Foto: Friedrich Hartung

Guter Service, gute Arbeit und einen guten und vertrauenswürdigen Kontakt. Auf dieses Gesamtpaket setzt der 28-Jährige.

Er könne sich dabei auf eine zuverlässige Mannschaft verlassen.

„Ich habe ausschließlich erfahrene Mitarbeiter. Sie sind alle jenseits der 50 und wissen, wo der Hase läuft“, so Kedde Erichsen mit einem Lachen.

Der Altersunterschied zwischen Chef und Personal sei kein Problem. „Im Gegenteil. Ich komme irgendwie besser mit Älteren klar“, so der Firmenchef, der sogar den Papa angestellt hat.

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