Lebensmittelqualität

Fischmehl in der Eierproduktion ad acta gelegt - auch in Nordschleswig

Fischmehl in der Eierproduktion ad acta gelegt

Fischmehl in der Eierproduktion ad acta gelegt

Hünding/Hynding
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Im Hündinger Legehennenbetrieb von Christian Thomsen wird Fischmehl als Futterzusatz nicht mehr verwendet (Archvifoto). Foto: Karin Riggelsen

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Die Branche hat umgehend auf die PFAS-Rückstände in Eiern reagiert und verbannt in Futter beigemischtes Fischmehl, das für die Verunreinigung verantwortlich gemacht wird. Auch der ökologische Legehennen-Betrieb von Christian Thomsen in Hünding plant ohne das umstrittene Fischmehl. Es muss aber noch eine Alternative gefunden werden.

Es werde bei ihm im Augenblick ohnehin nicht produziert, weil der Betrieb den obligatorischen Wechsel mit neuen Legehennen vollzieht. Das Problem mit PFAS-Rückständen in Eiern durch Fischmehl habe er aktuell daher nicht.

In der anlaufenden neuen Produktionssaison werde er dann ohnehin kein Futter mehr mit Fischmehl verwenden, sagt Christian Thomsen, der bei Hünding eine ökologische Eierproduktion mit 24.000 Legehennen führt.

Laut einer Studie steht Fischmehl als Futterzusatz in Verdacht, Grenzwerte der als gesundheitsschädlich eingestuften per- und polyfluorierte Chemikalien (PFAS) in Eiern überschreiten zu lassen.

Der Branchenverband „Danske Æg“ hat umgehend reagiert und seine Mitglieder, rund 90 Prozent aller Eierproduktionsstätten, aufgefordert, die Verwendung von Fischmehl einzustellen.

„Ich ziehe den Hut, dass so schnell reagiert worden ist“, so Christian Thomsen. Wenn ein berechtigter Zweifel bestehe, dass Futterzusätze Eier verunreinigen, die von Menschen verzehrt werden, dann müsse gehandelt werden.

PFAS-Rückstände in Eiern hat landesweit für Beunruhigung gesorgt. Foto: DN

Auch wenn Fischmehl ein bislang bewährtes Ergänzungsmittel für den Protein- und Aminosäuregehalt im Futter war und mit 3 bis 6 Prozent nur einen geringen Anteil ausmachte, halte er es für die richtige Entscheidung, auf den Zusatz zu verzichten.

Schwere Zeiten für die Fischbranche

„Es tut einem aber für die Fischbranche leid. Die scheint nach den jüngsten PFAS-Meldungen schweren Zeiten entgegenzugehen“, so Thomsen mitfühlend.

Für ihn und Kollegen in der Eierbranche stellt sich die Frage, was Fischmehl als wichtige Proteinquelle im Futter ersetzen kann.

„Das ist noch nicht geklärt. Am Mittwoch habe ich ein Treffen über Teams (Kommunikation über das Internet, red. Anm.) mit Branchenkollegen, Branchenvertretern und Repräsentanten der Futtermittelindustrie, um über mögliche Lösungen zu sprechen“, erwähnt der Ökolandwirt.

Christian Thomsen im Vorraum seines ökologischen Legehennen-Betriebs, der 2014 loslegte (Archivfoto). Foto: Karin Riggelsen

Eine Alternative habe sich auch ohne die PFAS-Problematik angebahnt. „Der Preis für Fischmehl ist in jüngster Zeit markant gestiegen. Es hat vor diesem Hintergrund schon länger im Raum gestanden, andere Lösungen zu finden“, erwähnt Thomsen, für den die Futtermittelpreise neben den Eierpreisen stets ein wichtiger Faktor sind.

Selbst produziertes Futter

Glücklich kann sich der Hündinger daher schätzen, dass er Grünfutter als weiteren, wichtigen Futtererzusatz selbst anbaut. Er verfüttert Kleesorten wie Luzerne an die Hühner. Etwa 300 Kilogramm am Tag beträgt die Menge aus eigener Produktion.

Das ist kostengünstiger als es einzukaufen, und Christian Thomsen weiß zudem, woher das Grünfutter stammt. Die Inhaltsstoffe tragen darüber hinaus zur Salmonellenabwehr bei, ergänzt der Branchenkenner.

Ein mulmiges Gefühl bleibt dennoch, denn landesweit sind in Grasproben ebenfalls erhöhte PFAS-Werte festgestellt worden.

Für Christian Thomsen, der künftig ganz auf Fischmehl verzichten wird, bleibt zu hoffen, dass nicht neue Hiobsbotschaften in Sachen gesundheitsgefährdende Substanzen auftauchen.

Andere Eierproduktionsstätten wie der biodynamische Legehennenbetrieb der Familie Petersen in Stemmilt (Stemmild) müssen sich nicht umstellen. Dort wird Fischmehl als Zusatz nicht verwendet.

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