Jubiläum

25 Jahre im Büchereiverband: Von genadelten Buchkarten zur Digitalisierung

25 Jahre im Büchereiverband: Von genadelten Buchkarten zur Digitalisierung

25 Jahre: Von genadelten Buchkarten zur Digitalisierung

Apenrade/Aabenraa
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Büchereidirektorin Claudia Knauer (l.) und Jubilarin Silke Amthor im Haus Nordschleswig. Foto: Karin Riggelsen

25 Jahre lang ist die Kinder- und Jugendbuchbibliothekarin Silke Amthor in der Deutschen Zentralbücherei Apenrade tätig. Ein Vierteljahrhundert voller Veränderungen, wie sie dem „Nordschleswiger“ im Interview verrät.

Am 1. Juli des Jahres 1994 begann für Silke Amthor ihre Reise bei der Deutschen Zentralbücherei in Nordschleswig. Nun, 25 Jahre später, hat sich so einiges im Bibliothekswesen verändert: Da wäre zum Beispiel die Digitalisierung, die in den Bibliotheken Einzug gehalten hat, die „Lesezeiten“, die früher gang und gäbe waren und heute der Vergangenheit angehören, oder Aufgabenbereiche, die sich geändert oder erweitert haben. Eines aber ist Silke Amthor immer geblieben: die Liebe zu den Büchern.

Diese Liebe begann bereits in ihrer Kindheit. Geboren und aufgewachsen ist Amthor in Wismar und zum Geburtstag gab es schon damals immer Bücher geschenkt. „Ich lese wirklich viel. Als kleines Mädchen waren Märchen meine Favoriten“, erzählt die heute 57-Jährige. In ihrem Leben hat es sie an verschiedene Orte verschlagen: Studium in Leipzig und Rostock, mit ihrem Mann Peter hat sie 10 Jahre lang in Thüringen gelebt und gearbeitet. Eins war aber immer klar: „Ich wusste, dass ich zurück wollte in den Norden. Der Norden ist mein Zuhause.“

Zurück in den Norden

Es verschlug sie in das Bibliothekswesen und dann zurück in den Norden. Nach Schleswig, auch weil ein Teil ihrer Familie dort lebt. Dort hatte sie zunächst eine Schwangerschaftsvertretung übernommen, bis dann 1994 die Stelle in Apenrade frei wurde. Sie trat die Stelle an, „ohne einen Funken dänisch zu sprechen“, wie sie sagt.

Insgesamt habe sie fünf oder sechs Kurse gemacht, um der dänischen Sprache Herr zu werden. Mit dem in Nordschleswig verbreiteten Dialekt tut sie sich allerdings bis heute schwer. „Ich spreche kein Sønderjysk, aber dafür kann ich sehr gut Platt sprechen.“ Viele der Bibliotheksbesucher würden sich über einen ordentlichen Schnack auf Platt sehr freuen.

Heute lebt die Bibliothekarin gemeinsam mit ihrem Mann in Geltorf südlich von Schleswig. Sie ist inzwischen 37 Jahre verheiratet, „immer mit demselben Mann“, sagt sie scherzhaft und lacht. Sohn Uwe ist inzwischen 38 Jahre alt. Zwar habe sie bislang keine Enkelkinder, aber auch so habe sie durch ihre Arbeit viel mit Kindern zu tun. „Viele der Kinder, die ich von früher kenne, sind heute schon erwachsen.“ Noch etwas, dass sich mit den Jahren verändert hat.

25 Jahre voller Veränderungen

„Es gibt unheimlich viele Veränderungen, man muss immer dranbleiben und Trends verfolgen“, erklärt Amthor. Auch das ist eine ihrer zahlreichen Aufgaben in der Zentralbibliothek. Die größte Veränderung in den vergangenen 25 Jahren sei jedoch die Digitalisierung gewesen. Von Tüten mit Leserdaten, eigenen Katalogzetteln für jedes einzelne Buch und genadelten Buchkarten kann Silke Amthor genauso berichten, wie von Strichlisten und Videokassetten.

„Jedes Buch musste früher handgestempelt werden und alles wurde per Strichliste ausgezählt“, erinnert sie sich. Eine „mühselige Arbeit“, die aber „notwendig“ gewesen sei. Heute sei das im digitalisierten Dänemark kaum mehr vorstellbar. „Es hat sich viel verändert, weil die Menschen durch die Digitalisierung heute andere Möglichkeiten haben“, sagt Amthor weiter. Eines habe sich jedoch nicht geändert: „Die Hörspielserie ,Die drei Fragezeichen‘ ist immer noch ein Hit.“

Die Pension muss noch warten

Nach 25 Jahren ist für die Kinder- und Jugendbuchbibliothekarin noch lange nicht Schluss. Sie bleibe, bis der dänische Staat sie pensioniere. Dass sie es so lange in der deutschen Zentralbücherei „ausgehalten“ habe, daran seien auch die Kollegen, Mitarbeiter und ehemalige Weggefährten Schuld. „Wenn man 25 Jahre lang in einem Haus arbeitet, fühlt man sich wohl mit seinen Kollegen“, sagt sie. Den „tollen Kollegen“ bleibt sie also noch eine Weile erhalten. Ihr geliebter Garten und die Standard- und Latein-Tanzstunden müssen noch ein bisschen warten, bis Silke Amthor ihnen ihre ungeteilte Aufmerksamkeit schenken kann. Eines steht jedoch fest: Die Bücher werden auch weiterhin einen Platz in ihrem Leben haben.

Ein Hoch auf die Jubilarin! Anke Haagensen, Claudia Knauer, Silke Amthor, Matthias Zwirner und Nis-Edwin List-Petersen (v.l.) Foto: Karin Riggelsen

Anlässlich ihres Jubiläums haben Kollegen und Kolleginnen von Silke Amthor einen „Frühstückstisch von Herzen“, wie es Büchereidirektorin Claudia Knauer nannte, organisiert. Kollegen, Mitarbeiter und Weggefährten, sowie die Vertreterin des Vorstandes, Anke Haagensen, stießen auf die strahlende Jubilarin an. Die Büchereidirektorin lobte in ihrer kurzen Rede die „jugendlich-frische und begeisterungsfähige“ Amthor und bedankte sich für die Zusammenarbeit.

Auch die Kollegen hatten ein paar schöne Worte für die 57-Jährige vorbereitet, ergänzt durch das Ständchen „Hoch soll sie leben“, vorgetragen auf einem Jagdhorn. Wieder aufgegriffen wurde dieses von Nis-Edwin List-Petersen, ehemaliger Büchereidirektor. Der ganze Raum sang lauthals mit und ließ Silke Amthor hochleben. Claudia Knauer schloss ihre Rede mit einem Toast: „Wir sind unglaublich froh, dass du bei uns bist. Auf die nächsten 25!“

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