Deutsches Gymnasium für Nordschleswig

Online-Unterricht ersetzt die Präsenzlehre nicht

Online-Unterricht ersetzt die Präsenzlehre nicht

Online-Unterricht ersetzt die Präsenzlehre nicht

Naomi Stieglmaier
Apenrade/Aabenraa
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Schulleiter Jens Mittag möchte das die Anforderungen an die Schüler angepasst werden. Foto: Karin Riggelsen

Das Coronavirus hat auch die Schulen in Dänemark fest im Griff. Seit einigen Wochen sitzen die meisten Schüler wieder zu Hause und lernen digital. Für alle Beteiligten ist das eine ungewohnte Situation.

„Fest steht, der digitale Unterricht ersetzt keineswegs die Präsenzlehre“, sagt Mathematik- und Chemielehrerin Ines Muche vom Deutschen Gymnasium für Nordschleswig (DGN). An ihrer Schule laufe es aber den Umständen entsprechend gut. Dort sitzen die meisten Schüler seit einigen Wochen wieder zu Hause und lernen digital.

Muche berichtet: „Grundsätzlich läuft der Unterricht ganz normal, nach Stundenplan. Man kommuniziert und lehrt über Microsoft Teams, eine Plattform zum videochatten. Die meisten Schüler kommen mit der neuen Situation zurecht, die Schwächeren bleiben jedoch zurück.“ Es laufe für diejenigen gut, die mit der neuen Strukturierung umgehen können. Die schwächeren Schüler hingegen hätten Probleme. So sei es schwer, sie zu motivieren.

Vor allem fehle die nonverbale Kommunikation, Lehrer könnten nicht schnell eingreifen und den Schülern nebenbei helfen. Oft trauten sich die Mädchen und Jungen nicht, zu sagen, wenn etwas nicht verstanden wurde. „Sie müssen ihre Probleme dann ja vor der ganzen Klasse ansprechen“, erklärt Muche.

Die Motivation ist abfallend und das wird so bleiben, solange kein Ende in Sicht ist.

Jens Mittag

Es gibt auch Schülerinnen und Schüler, die die notwendigen Arbeitstechniken nicht beherrschen. Sie müssen jetzt viel selbstständiger lernen, und das ist für einige eine große Herausforderung. Für das Problem gibt es laut Schulleiter Jens Mittag noch keine Lösung: „Die Motivation ist abfallend und das wird so bleiben, solange kein Ende in Sicht ist.“

Auch über den Verlauf von Prüfungen herrscht Ratlosigkeit. Notengeben gestaltet sich schwierig, da die Bewertungsgrundlagen nicht an die jetzige Situation angepasst sind. Die Vergleichbarkeit zwischen den Schulen gehe so verloren. „Jede Schule schafft sich jetzt eigene Bewertungsgrundlagen. Das darf nicht sein, wenn Schüler dann später um Studienplätze konkurrieren“, sagt der Schulleiter des DGN.

Ob sich die schulischen Leistungen verschlechtert haben, könne man jetzt noch nicht sagen. Jens Mittag appelliert aber an die Regierung: „Die Forderungen müssen angepasst werden. So wie es jetzt läuft, schaffen die Lehrenden es nicht, den vorgegeben Lehrplan einzuhalten.“ Das demotiviere, meint er, wieder ein realistisches Ziel vor Augen zu haben, würde helfen.

Die Forderungen müssen angepasst werden. So wie es jetzt läuft, schaffen die Lehrenden es nicht, den vorgegeben Lehrplan einzuhalten.

Jens Mittag

Auch für die Lehrkräfte ist das eine herausfordernde Situation, berichtet Ines Muche: „Es ist ein viel größerer Arbeitsaufwand und ich mag es überhaupt, nicht mit einem Rechner zu reden. Es fehlt so vieles, auch einfach mal miteinander lachen zu können.“

Die Schulrätin des Deutschen Schul- und Sprachvereins (DSSV), Anke Tästensen, ist dennoch sehr beeindruckt von Lehrern und Lehrerinnen. Sie seien sehr kreativ und leisteten gute Arbeit. Tästensen ist überzeugt, dass die Problematik beim Online-Unterricht vor allem im sozialen Bereich liegt, sowohl für Lehrer als auch für die Schüler. Sämtliche Mitarbeiter seien darum bemüht, den Schülern möglichst viel Normalität zu verschaffen.

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