Sekretariat in Kopenhagen

BDN sucht neuen Lobby-Mitarbeiter fürs Folketing

BDN sucht neuen Lobby-Mitarbeiter fürs Folketing

BDN sucht neuen Lobby-Mitarbeiter fürs Folketing

Dirk Thöming
Apenrade/Aabenraa
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Viele Kontakte sind im Folketing auf Christiansborg herzustellen und zu pflegen. Foto: Scanpix

Zum 1. Januar soll die Stelle des Sekretariatsleiters der deutschen Minderheit in Kopenhagen neu besetzt werden.

Die deutsche Minderheit in Nordschleswig unterhält seit 1983 ein Sekretariat, das den laufenden Kontakt zu Regierung und Folketing unterhält.

Die Stelle des Sekretariatsleiters der deutschen Volksgruppe in Kopenhagen muss jetzt neu besetzt werden. Der Grund ist, dass der bisherige Leiter, Jan Diedrichsen, nach der erreichten Höchstzahl von drei Amtsperioden satzungsgemäß ausscheidet.

Der Bund Deutscher Nordschleswiger (BDN) hat ein Einstellungsgremium eingesetzt, das die Bedingungen der Stellenbeschreibung erarbeitet hat. Die Halbtagsstelle sieht eine wöchentliche Arbeitszeit von 18,5 Stunden vor und soll zum 1. Januar neu besetzt werden. Die Stellenannonce wird in wenigen Tagen veröffentlicht, teilt BDN-Generalsekretär Uwe Jessen mit.

Aufgabe des Sekretariatsleiters in Kopenhagen sei es, Informationen über politische Geschehnisse einzuholen, die die Minderheit betreffen könnten.

„Es geht darum, den Politikern und Mitarbeitern in Folketing und Regierung klarzumachen, dass bestimmte Änderungen die deutsche Minderheit betreffen könnten, obwohl man dabei nicht in erster Linie an die Minderheit denkt“, erläutert Uwe Jessen die Funktion des Sekretariatsleiters, der übrigens allein und ohne weitere Mitarbeiter auf sich gestellt ist.

Wenn etwa Änderungen in der Mediengesetzgebung oder bei den Freischulen diskutiert würden, müsse die deutsche Minderheit frühzeitig informiert und zu Rate gezogen werden. Dieses Bewusstsein soll durch den Sekretariatsleiter und seine laufenden Kontakte geschärft werden.

„Es ist absolut die Rede von einer Lobbyarbeit“, sagt Uwe Jessen.

Nicht ständig vor Ort

Rein praktisch werde der Sekretariatsleiter nicht ständig in Kopenhagen vor Ort sein, sondern eher nach Bedarf. „In den 1980er Jahren, als Siegfried Matlok die Stelle innehatte, sah es da noch anders aus. Er war fast immer in Kopenhagen“, so Jessen – auf die Arbeitszeit einer halben Stelle bezogen.

Jan Diedrichsen Ende 2016 vor dem Haus Nordschleswig. 13 Jahre lang war er für die Volksgruppe der Vertreter in Kopenhagen. Drei Amtszeiten à vier Jahre - und ein Jahr dazu. Foto: Archiv: Karin Riggelsen

Wenn es heute wichtige Sitzungen gebe, wäre es beispielsweise eventuell nötig, einmal eine ganze Woche in Kopenhagen vor Ort zu sein und dann wieder drei Wochen lang gar nicht. Fürs Pendeln habe bisher ein Bahnticket zur Verfügung gestanden.

„Es fällt auch viel Arbeit in Nordschleswig an, weil der Kontakt zu den Ortsverbänden zu halten ist und der Sekretariatsleiter an wichtigen Sitzungen teilnimmt“, so Uwe Jessen. Wenn die Minderheit eigene Initiativen ausarbeitet, wie zurzeit den Einsatz für die Wiedererlangung der Förderfähigkeit des Sozialdienstes, sei der Kopenhagener Sekretariatsleiter selbstverständlich beteiligt.

„Es gibt viel Vorarbeit, bevor man in Kopenhagen ein Treffen hat“, sagt Uwe Jessen.

Die ausbildungsmäßige Qualifikation der Person, die in Zukunft das Kopenhagener Sekretariat leiten soll, wird in der Stellenannonce nicht näher beschrieben sein.

„Ich stelle mir aber vor, dass die neue Sekretariatsleitung Kenntnisse über die deutsche Minderheit hat. Wenn jemand sein Leben lang nur in Kopenhagen verbracht hat und denkt, es wäre eine gute neue Arbeit, dann reicht es wohl nicht“, so Jessen. Auch Deutsch- und Dänischkenntnisse sind vonnöten. Denkbar sei durchaus, dass eine Person ausgewählt wird, die bereits Funktionsträger in der Minderheit ist, sagt Uwe Jessen auf Frage des „Nordschleswigers“.

„Weil es nur eine halbe Stelle ist, ist dies eine realistische Variante“. Wie bereits berichtet, sind besonders auch Frauen aufgefordert, sich auf die Stelle zu bewerben.

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