Leserbrief

„Das besondere Wochenenderlebnis... oder: Wie man schnell in eine Mausefalle tappt“

Das besondere Wochenenderlebnis

Das besondere Wochenenderlebnis

Walter Christensen
Flensburg
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Leser Walter Christensen muss nach einem Adventsbesuch feststellen, dass sein Auto in einem verschlossenen Parkhaus steht.

Jedes Jahr in der Vorweihnachtszeit machen wir mit unseren Freunden einen Bummel durch die Flensburger Punschmeile, und genießen die weihnachtliche Stimmung in der festlich geschmückten Fußgängerzone. In diesem Jahr waren wir am Freitag dort, und dementsprechend waren sehr viele Punschbummler in der Stadt. Das bemerkten wir schon bei der Fahrt ins Zentrum und bei der Parkplatzsuche. Wir parken meistens auf dem Parkplatz am Rathaus, denn dann sind wir gleich in der Roten Straße, durch die wir auch gerne bummeln. Wie gesagt, waren die Parkplätze auf dem Freigelände bis auf den letzten Platz besetzt, obwohl ein großes Schild „P FREI“ anzeigte. Aber da waren dann tatsächlich noch genügend freie Plätze in der dazugehörigen Tiefgarage, wo wir unseren fahrbaren Untersatz zu vielen anderen Autos von nördlich der Grenze abstellten.

An den Punschbuden und in den Restaurants hört man tatsächlich, dass meist Dänisch gesprochen wird. Ohne die Nähe zur dänischen Grenze könnte der Flensburger Weihnachtsmarkt sich sicher nicht so entwickeln, wie er es getan hat. Auch die Restaurants der Stadt profitieren von Weihnachtsmarkt und der Grenznähe.

Nachdem wir durch die Punschmeile geschlendert waren und den einen oder den anderen Punsch getrunken hatten, waren wir anschließend noch zum gemütlichen Essen. Für 20 Uhr hatten wir einen Tisch reserviert, weil vorher alles besetzt war.

Nach einem gemütlichen Abend machten wir uns langsam auf den Heimweg. Vom Holm durch die Rote Straße zum Parkplatz am Rathaus ist es nicht weit. Schnell noch beim Automaten die 8 Euro Parkgebühr bezahlen, und dann zum Auto ins Parkhaus.

Von wegen zum Auto – wir vier standen vor der mit einem Eisentor verschlossenen Tiefgarageneinfahrt, im wahrsten Sinne des Wortes wie ein Ochs vorm Scheunentor. Wie wir dann so da standen und uns Hilfe suchend umsahen, entdeckten wir dann auch ein Schild mit dem Hinweis, dass das Parkhaus freitags nur bis 19 Uhr geöffnet hat. Na fantastisch, ein städtisches Parkhaus, das um 19 Uhr alle verbliebenen Autos der Stadtbesucher einschließt. Man gut, dass nicht auch um diese Zeit die Bürgersteige hochgeklappt werden, dann würden sich die Weihnachtsmarktaussteller und Restaurantbesitzer ganz schön bedanken.

Zurück zum Schild mit den Öffnungszeiten – da war unten auch noch eine Notrufnummer angegeben. Also riefen wir bei der Nummer an, aber trotz langem Klingeln nahm keiner ab. Was nun? Vielleicht könnte unser Freund und Helfer ja helfen. Also die Nummer 110 angerufen – und tatsächlich meldete sich weder Notdienst noch Feuerwehr (man weiß ja nicht immer die richtige Nummer im Ausland), sondern die Polizei, die auch recht schnell einen Streifenwagen mit drei Beamten vorbeischickte. Die Beamten riefen dann auch nochmal dieselbe Notrufnummer an und erreichten auch niemanden. Nachdem sie die Personalien von meiner Frau, die angerufen hatte, aufgenommen hatten (wegen des Polizeiberichtes) verabschiedeten sie sich mit der Aussage, dass sie uns auch nicht helfen könnten. Ich könnte vielleicht nochmal an der gegenüberliegenden Parkhauseinfahrt nachsehen, ob dort vielleicht noch ein Mitarbeiter der „Parken am Rathaus GmbH“ wäre, den ich um Rat fragen könnte. Also ging ich um das recht große Flensburger Rathaus. An der dortigen vergitterten Ein- und Ausfahrt war kein Parkhausmitarbeiter, aber fünf junge Männer aus Sonderburg, die ihr Auto aus dem Parkhaus haben wollten und mich sogleich fragten, ob ich ein Mitarbeiter dieses Parkhauses sei.

Auch an dieser Einfahrt stand ein Hinweisschild mit der Notrufnummer, welche die jungen Leute ununterbrochen ohne Erfolg angerufen hatten. Zusätzlich stand auf diesem Schild auch noch der Hinweis, dass das Aufschließen des Parkhauses außerhalb der Öffnungszeiten eine Gebühr von 50 Euro kostet. Unverrichteter Dinge ging ich weiter um das Rathaus herum zurück, um zu beratschlagen, was wir nun tun wollten – abends um 22 Uhr auf dem Parkplatz am Rathaus.

Weil wir nicht in Flensburg übernachten wollten – das „Hotel am Rathaus“ hätte sich über die Vermietung von zwei Doppelzimmern gefreut – und ein Taxi nach Norburg (Nordborg) uns zu kostspielig war, riefen wir unsere Tochter an uns zu holen. Weil wir nun eine Stunde Zeit hatten, bis sie uns abholen würde, und wir nicht frieren wollten, schlenderten wir langsam bis zur Exe, wo wir dann bis kurz vor 23 Uhr unter dem großen Laternenmast an der Straßenkreuzung warteten, bis sie uns abholte.

Sonnabendmorgen habe ich mich dann wieder nach Flensburg fahren lassen, um unser Auto abzuholen. Wer nun glaubt, dass unser das einzige Auto im Parkhaus war, der irrt sich. Es waren viele meist dänische Autos und ich bezweifele, ob es alles Dänen sind, die so früh morgens schon zum Einkaufen waren. Nach nochmaligem Parkautomatenbesuch konnte ich nach dem Bezahlen von weiteren 16 Euro aus der Mausefalle entkommen.

Ich gebe ja zu, dass ich das Hinweisschild hätte sehen und lesen müssen. Aber ich gebe auch zu, dass ich mich sehr wundere, dass ein in der Innenstadt liegendes städtisches Parkhaus, Tiefgarage, Parkkeller oder wie man es sonst noch nennen mag, nach Geschäftsschluss oder überhaupt die Pforten verschließt und alle Parkenden einschließt.

Das ist ja nun nicht das erste Mal, dass Flensburg sich in Bezug auf Parkregeln wunderlich benommen hat. Die Vermutung drängt sich bei mir auf, ob das wohl eine Möglichkeit ist, die Einnahmen durch die ohnehin schon beachtlichen Parkgebühren aufzustocken??

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