Leitartikel

„PFAS-Verbot: Ein wichtiges Signal zur Europawahl“

PFAS-Verbot: Ein wichtiges Signal zur Europawahl

PFAS-Verbot: Ein wichtiges Signal zur Europawahl

Apenrade/Aabenraa
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Die Europawahl 2024 ist richtungsweisend für die Zukunft. Foto: Dragon Pan/Unsplash

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Das von allen Parteien getragene PFAS-Verbot kommt vor der Europawahl gerade im richtigen Moment. Es zeigt, dass nur gemeinsames und entschlossenes Handeln unsere Lebensgrundlagen schützen kann. Das braucht es auch, um dem Klimawandel entschieden entgegenzuwirken, dessen Existenz und Folgen noch immer von einigen als „nicht so schlimm“ bezeichnet oder gar geleugnet werden. Daher ist es besonders wichtig, progressive Parteien zu wählen, schreibt Journalist Gerrit Hencke in seinem Leitartikel.

In der Geschichte der Menschheit gab es immer wieder Verbote von Stoffen und Produkten, weil sie entweder für den Menschen oder die Umwelt schädlich waren. Das Schweinfurter Grün beispielsweise wurde 1882 verboten, weil die arsenhaltige Farbe zu zahlreichen Vergiftungen geführt hat. Fluorchlorkohlenwasserstoffe (FCKW) wurden lange Zeit als Treibgase, Kälte- oder Lösungsmittel verwendet. Als sich herausstellte, dass dessen Freisetzung in hohem Maße für den Abbau der Ozonschicht verantwortlich ist, wurde FCKW schrittweise verboten.

Dass das Folketing nun über Parteigrenzen hinweg geschlossen einer weiteren Chemikaliengruppe den Garaus machen will, ist zu begrüßen. PFAS ist wohl nicht nur sprichwörtlich in aller Munde, denn die per- und polyfluorierten Alkylverbindungen wurden in den vergangenen Jahren fast überall nachgewiesen – im Trinkwasser, im Meeresschaum, auf Küstenwiesen, in Eiern. Das Problem: Einige der PFAS stehen im Verdacht, Krebs zu erregen. Laut OECD gibt es mindestens 4.730 verschiedene PFAS. Es wird also eine Sisyphusaufgabe, die Verbreitung der Stoffe einzudämmen. 

Jetzt will das Land also 404 Millionen Kronen in die Hand nehmen, um unter anderem verseuchte Gebiete und Trinkwasser von PFAS zu reinigen und ein besseres Monitoring aufzubauen. Außerdem sollen PFAS unter anderem in Schuhen und Textilien verboten werden, wo es häufig zum Einsatz kommt. 

Ein Anfang, aber nicht ausreichend

Während der durchschnittliche Marktpreis für 1 Kilogramm PFAS bei 141 Kronen liegt, geht man beim Nordischen Ministerrat (Nordisk Ministerråd) von gesellschaftlichen Kosten pro Kilogramm von rund 139.500 Kronen aus. Für Dänemark liegen die Schätzungen für die jährlichen Gesamtkosten für Umweltscreenings, Wasseraufbereitung und Bodensanierung sowie die Gesundheitsbewertung im besten Szenario bei 1,081 Milliarden Kronen. Sie könnten aber auch deutlich höher ausfallen. Die 404 Millionen Kronen sind daher ein kleiner Anfang, ausreichen werden sie nicht. 

Und PFAS sind bei Weitem nicht das einzige Problem, das wir hier haben. Wer sich einmal in Vejers Strand an den Rand der Dünen gesetzt hat, der wird auf wenigen Quadratmetern so viel Mikroplastik finden, dass man den Strand danach mit anderen Augen sieht. Was tun wir unserer Welt und damit auch uns eigentlich an? 

Klimawandel eine weit größere Bedrohung

Und auch, wenn es manche nicht mehr hören können: Der Klimawandel wird noch ganz andere Kosten und Folgen verursachen, wenn nicht entschieden gehandelt wird. Würde die Politik so entschlossen für den Erhalt unserer Lebensgrundlagen eintreten, wie sie derzeit in die Aufrüstung investiert, hätten wir vielleicht bald eine gesündere Welt.

Wenden wir unseren Blick nach Deutschland, wo gerade zwei Parteien mit hohen Umfragewerten auffallen, die Umweltschutz offensichtlich nicht so wichtig finden. So sagte CDU-Parteichef Friedrich Merz der Wochenzeitung „Zeit“ kürzlich, dass das Thema Klimaschutz in den Augen der Bevölkerung schon seit langer Zeit nicht da rangiert, wo es in der Politik gesehen werde. So teile er auch das häufige Argument ausdrücklich nicht, dass die Zeit weglaufe, in der die Maßnahmen noch nötigen Erfolg haben könnten. „Es ist eben gerade nicht so, dass morgen die Welt untergeht. Wenn wir in den nächsten zehn Jahren die Weichen richtig stellen, sind wir auf einem guten Weg.“ Im EU-Wahlprogramm muss man nach Klimaschutz etwas suchen und auch dann geht es eher um die Wirtschaft und die Abkehr vom Verbrenner-Aus. Da hilft es wenig, nur zum Ziel der Klimaneutralität 2050 zu stehen. 

Zwischen Leugnung und Extremwetter

Im Wahlprogramm der Alternative für Deutschland zur Europawahl ist unter dem Punkt „Klima, Energie und Digitalisierung“ von „Alarmismus“ durch Medien und Politik zu lesen. Davon, dass „die jetzigen klimatischen Veränderungen sich vollkommen normal – auch in ihrer Geschwindigkeit – in diese Wechsel einreihen“. Weiter unten ist von „CO₂-Hysterie“ die Rede. Bei der Energie soll „ohne ideologische Scheuklappen“ die Schiefergasgewinnung, Kernenergie und Braunkohle nicht ausgeschlossen werden. Die Partei will sämtliche Klimaschutzgesetze national und auf europäischer Ebene abschaffen. Außerdem sollen Subventionen für Solar- und Windenergie gestrichen werden.

Extremwetterereignisse
Extremwetterereignisse nehmen zu. Foto: Chris Gallagher/Unsplash

Das alles lese ich zeitgleich mit aktuellen Warnungen zu ergiebigem Dauerregen im Süden und Osten Deutschlands am Wochenende. Dort kann so viel Niederschlag fallen, dass Erdrutsche und Überflutungen möglich sind. Meteorologe Sebastian Wache von der Wetterwelt in Kiel hat auf „X“ erklärt, dass sich das Tiefdruckgebiet nicht nur an Wasserdampf aus dem Mittelmeer, sondern auch aus der aktuell fünf Grad zu warmen Nord- und Ostsee bedient. Das alles kommt nur Tage nach Überschwemmungen im Saarland, nur Stunden nach Rekordtemperaturen von bis zu 30 Grad in Nordnorwegen. Zahlen der AXA-Versicherungen zeigen, dass die Unwetterschäden, über die vergangenen drei Jahre betrachtet, zugenommen haben. Zwar sei noch kein Trend erkennbar, aber Kurzfristigkeit und Intensität hätten sich erhöht.

Forschende warnen seit geraumer Zeit vom Erreichen von Kipppunkten des Klimas und vor den Risiken, die zunehmende Wetterextreme wie Hitze, Dürren und Meeresspiegelanstieg haben. Die Folgen: Ernteausfälle, Hunger, Ausbreitung von Krankheiten, Massenmigration, internationale Konflikte und Destabilisierung von Staaten.

Selbst die Rechtsaußen-Parteien in Dänemark, Dänemarkdemokraten und Dänische Volkspartei, vertreten lange nicht so extreme Positionen wie die Alternative für Deutschland. Hier stehen alle Parteien hinter dem Klimagesetz, das einen um 70 Prozent verringerten Treibhausgas-Ausstoß bis 2030 vorsieht. Die „Klimawahl 2019“ war ein Einschnitt. Heute würde man mit den AfD-Positionen in Dänemark nicht mehr ernst genommen werden. 

Progressive Parteien wählen

Umso wichtiger ist das Signal, das vom gemeinsam getragenen PFAS-Verbot kurz vor der Europawahl ausgeht. Es zeigt, dass nur gemeinsam gegen Bedrohungen und Veränderungen vorgegangen werden kann, die unsere Gesundheit, Freiheit und Sicherheit betreffen. 

Für die Europawahl sollten Wählerinnen und Wähler zunächst unbedingt von ihrem Stimmrecht Gebrauch machen und sich dann für progressive Parteien entscheiden, anstatt Ewiggestrigen ihre Stimme zu geben. Nie war das wichtiger als jetzt. 

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