Leitartikel

Gefährliche Pläne

Volker Heesch
Volker Heesch Hauptredaktion
Apenrade/Aabenraa
Zuletzt aktualisiert um:
Glyphosat
Foto: dpa

Die neue Pestizidstrategie, auf die sich eine breite Folketingsmehrheit geeinigt hat, gibt Volker Heesch zu denken. Es sei insgesamt bedenklich, dass man bereit ist, den Kurs gegen Pestizid-Schäden zu lockern, meint er. Gerade vor dem Hintergrund, dass nach jahrzehntelangem Einsatz gegen Agrargifte die oberen Grundwasserschichten inzwischen weniger belastet sind.

Die neue Pestizidstrategie, auf die sich eine breite Folketingsmehrheit geeinigt hat, gibt Volker Heesch zu denken. Es sei insgesamt bedenklich, dass man bereit ist, den Kurs gegen Pestizid-Schäden zu lockern, meint er. Gerade vor dem Hintergrund, dass nach jahrzehntelangem Einsatz gegen Agrargifte die oberen Grundwasserschichten inzwischen weniger belastet sind.

Vor rund zwei Wochen hat sich eine Mehrheit im Folketing, bestehend aus den Fraktionen des Regierungslagers, DF, SF, Radikalen und Sozialdemokraten, auf eine neue Pestizidstrategie verständigt. Allerdings sind noch Expertenanhörungen vorgesehen, bevor endgültig der Weg freigemacht wird u. a. für den Einsatz von mehr Pestizid-Fabrikaten und „Verwässerung“ der derzeit sehr strengen Vorschriften, wie viel Pestizid-Reste oder Abbauprodukte in Trinkwasserbrunnen toleriert werden können.

Die Lockerung einiger Vorschriften gehört ebenso wie verbesserter Schutz von Trinkwasserbrunnen durch größere spritzmittelfreie Bereiche um Wasserwerke, mehr Forschung auf dem Gebiet der Pestizidfolgen oder Schutz von Öko-Feldern vor Nachbarschafts-Agrargiften zum Konzept der Folketingsmehrheit.

Es ist insgesamt bedenklich, dass man bereit ist, den Kurs gegen Pestizid-Schäden zu lockern. Gerade vor dem Hintergrund, dass nach jahrzehntelangem Einsatz gegen Agrargifte die oberen Grundwasserschichten inzwischen weniger belastet sind – allerdings immer noch Wasserwerke dichtgemacht werden müssen, weil die Belastungen zu hoch sind.

Der Verband der dänischen Wasserwerke warnt sicher nicht ohne Grund vor den Konsequenzen der neuen Vereinbarungen der Folketingsparteien.Verwunderlich ist es auch, dass man Glyphosat als Totalherbizid beim Einsatz kurz vor der Ernte von Getreide verbieten will, es sonst aber offenbar für unschädlich hält.

Es wird überhaupt nicht erwähnt, dass solche Fabrikate wesentlich zum Verschwinden vieler Tier- und Pflanzenarten in unserer Umwelt beitragen – abgesehen davon, dass es ungeklärt ist, ob das Mittel wirklich unbedenklich für die menschliche Gesundheit ist. Es wurde seit Jahren auch nicht nur als „Pflanzenschutzmittel“ eingesetzt, um Unkraut neben den Nutzpflanzen zu beseitigen, sondern vor allem, um vor der Ansaat Flächen vegetationsfrei zu spritzen. Gar nicht erwähnt ist die Möglichkeit, Glyphosat wenigstens aus Privatgärten oder von Verkehrsflächen zu verbannen.

Entscheidungen im Bereich Pestizideinsatz und Grundwasserschutz sollten logischerweise wohl erst nach Abschluss der neuen Forschungen zu Gesundheitsfolgen des Pestizideinsatzes getroffen werden, die ja erst noch laut Vereinbarung der Politiker durchgeführt werden sollen.

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