Leitartikel

„Deutsch in Dänemark: Ein zartes Pflänzchen“

Deutsch in Dänemark: Ein zartes Pflänzchen

Deutsch in Dänemark: Ein zartes Pflänzchen

Apenrade/Aabenraa
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An der Süddänischen Universität studieren wieder mehr junge Menschen Fächer mit Deutschbezug. Das ändere vorerst nichts am niedrigen Status der deutschen Sprache in Dänemark, meint Cornelius von Tiedemann – doch zugleich nähre es die Hoffnung, dass es für Deutsch in Dänemark eine Zukunft gibt.

Manchmal beschleicht einen ja das Gefühl, dass sämtliche Aufrufe und sämtliche Absichtserklärungen, die dänisch-deutsche Zusammenarbeit zu stärken, im Winde zwischen Nord- und Ostsee verwehen.

Doch aller Rückschritte im europäischen Einigungsprozess der jüngsten Zeit zum Trotze tut sich etwas, tut sich vieles. Wir nehmen es ob der vielen Ärgernisse nur manchmal nicht wahr. Vor allem bewegt sich etwas in den Köpfen vieler Menschen – auch und vielleicht gerade außerhalb der Mauern Christiansborgs.

Zum Beispiel in jenen rund 200 Köpfen, die nach der ersten Runde gerade einen Platz für Studium mit Deutschbezug an der Süddänischen Universität angeboten bekommen haben. Dem vorausgegangen war ein Anstieg der Bewerbungen für diese Fächer um satte 18 Prozent. Und hier ist nur von der „ersten Wahl“ die Rede.

Der Studiengang „Internationale Unternehmenskommunikation mit Deutsch“ zum Beispiel ist gerade äußerst angesagt – auch wenn er nur ein kleines Fach ausmacht. Für die Absolventen dürften die Jobaussichten gerade deshalb ziemlich gut aussehen.

An der gesamten Süddänischen Uni mit seiner Zentrale in Odense und den Ablegern zum Beispiel in Sonderburg wird es jetzt mehr Studierende geben, die sich in irgendeiner Form mit Deutsch beschäftigen. Mehr als vergangenes Jahr, „und das ist doch schön“, sagt Studienleiterin Annette Lund – und hat recht.

Denn bei allem Bedauern, dass Deutsch nicht mehr viel gelernt und gelehrt wird in Dänemark, dürfen wir nicht vergessen, dass Deutsch es heute einfach unheimlich viel schwerer hat als früher.

Und mit früher meine ich gar nicht die guten, alten Zeiten, als es noch keinen Strom gab. Die Jugend wächst heute einfach nicht mehr mit deutschem Fernsehprogramm, mit Tatort, Sportschau oder Wetten Dass auf.

Deutsch ist für alle, die nicht im Grenzland leben, eine exotische Sprache geworden in einer Welt, in der die räumliche Nähe (oder Entfernung) ab einem gewissen Punkt (bei uns wohl spätestens Kiel/Kolding) einfach weniger wichtig ist als früher.

Die Jugend wächst aber auch nicht mehr mit einer vererbten Ablehnung gegen alles Deutsche auf.

Kritiker bemängeln, ihr sei Deutsch heute schlicht gleichgültig, was noch schlimmer sei als innere Abneigung. Vielleicht ist das richtig.

Vielleicht ist die Tabula rasa aber auch eine Chance, dass Menschen und Kulturen zwischen Deutschland und Dänemark einander heute und in Zukunft in kleinerem Umfang in der Muttersprache des Gegenübers, dafür aber umso aufgeschlossener einander begegnen.

Wer weiß. Fest steht: Im Internet gibt es sie in gewisser Weise schon, die Weltgemeinschaft. Und die spricht nicht Esperanto, sondern zwei Sprachen: die jeweilige Muttersprache und Englisch.

Deshalb ist es gar nicht mal so schlecht, dass sich Deutsch, auf zugegeben sehr niedrigem Niveau, wieder zunehmender Beliebtheit unter den Studienanfängern in Süddänemark erfreut.

Vielleicht verweht eben doch nicht alles im Winde – und vielleicht wird aus dem zarten Pflänzchen gerade erst der Sockel gelegt für eine dänisch-deutsche Zukunft, in der man einander neu entdecken wird.

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