Leitartikel

Bleibt DF an Venstres Seite?

Gwyn Nissen
Gwyn Nissen Chefredakteur
Apenrade/Aabenraa
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Kristian Thulesen Dahl und Mette Frederiksen. Foto: Scanpix

Die Kommunalwahlen stehen an – und die Dänische Volkspartei (DF) bot sich auch den Sozialdemokraten als Zusammenarbeitspartner an. Doch nur in vier von 98 Kommunen gehen Sozialdemokraten und DF gemeinsam ins Rennen. In einigen Kommunen bekriegen sich DF und Sozialdemokraten regelrecht, schreibt Chefredakteur Gwyn Nissen. Der Preis für die Treue von DF sei dennoch für Venstre gestiegen, meint er.

Im Juni kam die „Schreckensmeldung“ für Venstre: Parteiboss Kristian Thulesen Dahl der Dänischen Volkspartei forderte seine Mitglieder in den Kommunen auf, dort, wo es Sinn macht, mit den Sozialdemokraten zusammenzuarbeiten und nicht automatisch auf einen Venstre-Bürgermeister zu zeigen. Nun sind die Wahlbündnisse zur Kommunalwahl im nächsten Monat unter Dach und Fach, und es zeigt sich, dass DF nur in vier Fällen rot gewählt hat. Das sind zwei Kommunen mehr als vor vier Jahren – trotz der Aufforderung vom Parteichef.

Wahlbündnisse sind zwar nur eine technische Zusammenarbeit, die aufhört in dem Augenblick, wo die Wahllokale schließen. Doch, sagt Wahlforscher Ulrik Kjær, in vier von fünf Fällen gehen die Bündnispartner auch nach der Wahl noch Hand in Hand.

Mette Frederiksen, Parteichefin der Sozialdemokraten, freute sich im Sommer über den scheinbaren Kurswechsel der Dänischen Volkspartei, doch nur wenige haben wirklich den Kurs gewechselt. Ist Kristian Thulesen Dahl nun enttäuscht? Sicherlich nicht. Seine Aussage im Juni sollte vor allem DF als selbstständige Partei profilieren – die Rechtspartei will schließlich erstmals eigene Bürgermeister nach der Kommunalwahl im November stellen.

Außerdem will Thulesen Dahl ein klares Signal an Venstre und den bürgerlichen Block senden. Dort gehen Venstre und Co. selbstverständlich von der Unterstützung der Dänischen Volkspartei aus. Eben diese Selbstverständlichkeit ist für DF ein Problem geworden. Deshalb macht sich die Partei jetzt rar – sowohl auf landes- als auch auf lokalpolitischer Ebene.

Wie man allerdings unschwer erkennen kann, haben die meisten Lokalpolitiker von DF weiterhin ein Bein im bürgerlichen Lager. Ja, in einigen Kommunen bekriegen sich DF und Sozialdemokraten regelrecht, und es ist kaum vorstellbar, dass hier eine neue Allianz entsteht.

DF präsentiert sich neben seiner Ausländerfeindlichkeit auch als Partei des kleinen Mannes. Aber sie ist vor allem eine „bürgerliche“ Arbeiterpartei, auch wenn Thulesen Dahl den Eindruck vermitteln möchte, dass man im bürgerlichen Lager nicht einfach mit der Unterstützung von DF rechnen kann. Die Treue hat schon immer ihren Preis gehabt – und der ist gerade gestiegen.

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