Leitartikel

„Alle Augen auf Sonderburg gerichtet“

Gwyn Nissen
Gwyn Nissen Chefredakteur
Apenrade/Aabenraa
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Der Weltklimarat spricht von einem kleinen Zeitfenster, in dem die Menschheit eine selbsterzeugte Erderwärmung noch im Rahmen halten kann. Die dänische Regierung hat zeitgleich einen weitreichenden Klimaschutzvorschlag präsentiert. Was fehlt, ist die Bürgernähe, meint Chefredakteur Gwyn Nissen und schaut dabei auf das gute Beispiel Sonderburg.

Die Kollegen von der Tageszeitung Politiken greifen manchmal zu ganzen Sätzen in ihren Schlagzeilen, wenn sie auf der Seite 1 etwas wirklich wichtiges ansagen wollen. So auch am Dienstag: „Es besteht weiterhin Hoffnung, dass wir das Klima der Erde retten können, aber wir haben nur noch wenige Jahre, um zu handeln“, lautete die Überschrift in Übergröße.

Die Vereinten Nationen haben einen bahnbrechenden Bericht zum Klima vorgestellt, und diesmal ist es wirklich ernst, denn wir müssen jetzt handeln. In einigen Jahren kann es bereits zu spät sein, so der UNO-Bericht.

Es ist natürlich kein Zufall, dass die dänische Regierung ihren eigenen Klimaplan am Tag nach den Vereinten Nationen veröffentlicht – zeigt es doch die „Handlungsfähigkeit“ einer Regierung (kurz vor der bevorstehenden Folketingswahl im Frühjahr).

Interessant waren Dienstag natürlich die 38 Initiativen der dänischen Regierung. Vor allem im Transportbereich soll es schneller vorangehen: Autos und Busse sollen unter Strom gesetzt werden. Dem Diesel und Benzin wird genau wie den privaten Brennöfen der Kampf angesagt.

Genauso interessant waren aber die Reaktionen aus der Vorzeigekommune Sonderburg, die mit ihrem Project-Zero bereits seit zehn Jahren klimarichtige Ziele ansteuert – und dabei auch auf die eigene Bevölkerung setzt.

Genau dort setzte Bürgermeister Erik Lauritzen an – nicht weil er als Sozialdemokrat in der Opposition zur Regierung steht, sondern weil Sonderburg eben über jahrelange Erfahrung verfügt und Lauritzen davon überzeugt ist, dass hier unten in Nordschleswig der Klima-Alltag der Zukunft gelebt wird. Sonderburg handelt eben, sagt Lauritzen und vermisst wie Peter Rathje von Project-Zero die Bürgernähe in den politischen Plänen der Regierung.

Der Einsatz für unser gemeinsames Klima beginnt lokal und zwar nicht nur in Sonderburg, sondern bei uns allen. „Die nächsten paar Jahre werden die wichtigsten in unserer Geschichte sein“, sagt die Klimaforscherin Debra Roberts.

Viel deutlicher kann es fast nicht gesagt werden: Jeder muss persönlich zur Rettung unseres Klimas beitragen, und das gilt auch für die Industrie, Landwirtschaft und den Transportsektor. Diesmal können wir nicht auf die anderen warten. Die anderen sind wir selbst.

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