Dreckschleudern der Meere

Nabu bewertet Kreuzfahrtschiffe

Nabu bewertet Kreuzfahrtschiffe

Nabu bewertet Kreuzfahrtschiffe

Merle Dießelkämper/shz.de
Hamburg
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Spitzenreiter: Tui Cruises führt mit mein Mein Schiff das Kreuzfahrt-Ranking des Nabu an. Foto: dpa

Kein Kreuzfahrtschiff in Europa ist laut Verband umweltfreundlich.

Für Urlauber sind Reisen auf einem Kreuzfahrtschiff ein wahres Vergnügen, während die Dampfer für die Umwelt eher ein Abtraum darstellen. Auch in diesem Jahr ist die Bilanz des Naturschutzbund Deutschlands (Nabu) eher vernichtend. Kein einziges Kreuzfahrtschiff in Europa sei aus Umweltsicht uneingeschränkt empfehlenswert, hieß es am Dienstag bei der Vorstellung des jährlichen Kreuzfahrt-Rankings in Hamburg. Tui Cruises geht in diesem Jahr trotzdem als strahlender Sieger des Kreuzfahrt-Rankings hervor.

Somit belegen die deutschen Anbieter Tui und Hapag-Lloyd Cruises die beiden Spitzenpositionen, da sie einen Stickoxidkatalysator verwenden. Die Anbieter Aida und Costa Cruises stürzen hingegen im Kreuzfahrt-Ranking 2017 ab.

„Die Umweltbilanz der Kreuzfahrtreeder ist insgesamt weiterhin schlecht. Insbesondere Costa, MSC und Royal Caribbean verweigern sich mit ihrer bestehenden Flotte komplett dem Umwelt- und Klimaschutz“, sagt Leif Miller, Nabu-Bundesgeschäftsführer. Enttäuscht sei er auch über die Unverfrorenheit, mit der beispielsweise Aida Cruises medienwirksam Investitionen in Abgassysteme ankündige, ohne diese dann umzusetzen, so Miller weiter.

Die größte Umweltsünde ist, dass alle Reedereien weiterhin auf Schweröl als Antriebsstoff der Kreuzfahrtriesen setzen. Dabei verzichten alle auf Rußpartikelfilter, die die Feinstaubemission eindämmen würden.

Allerdings leidet nicht nur die Umwelt, sondern auch die Passagiere. Wer auf dem Deck die schöne Aussicht genießt und dabei in der Rauchfahne des Schornsteins steht, gefährdet seine Gesundheit, warnt der deutsche Pneumologenverband.

Zuletzt hatten mehrere Fernsehsender aus Deutschland und Frankreich durch verdeckte Messungen, die hohe Belastung der Atemluft der Passagiere mit krebserregenden Rußpartikeln belegt. Ein Umstand, der die Reedereien wenig zu kümmern scheint. Sie ruhen sich laut Nabu auf den niedrigen internationalen Vorgaben aus. „Die Schifffahrt ist für fast 40 Prozent der Stickoxidemissionen in der Hansestadt verantwortlich. In einzelnen Wohngebieten nördlich der Elbe gehen zum Teil über 80 Prozent der Belastung auf Schiffe zurück“, sagt Miller.

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