Vermutlich 100 Opfer

Ex-Krankenpfleger gesteht Morde vor Gericht

dpa
Oldenburg
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Der Angeklagte (links) vor Gericht in Oldenburg. Foto: Carmen Jaspersen/Ritzau Scanpix

Der Ex-Krankenpfleger Niels Högel hat vor Gericht gestanden, 100 Patienten ermordet zu haben. Die Vorwürfe träfen weitgehend zu, sagte der 41-Jährige am Dienstag zum Prozessauftakt vor dem Landgericht Oldenburg.

Die Staatsanwaltschaft wirft ihm vor, von 2000 bis 2005 immer wieder Patienten an den Kliniken Oldenburg und Delmenhorst zu Tode gespritzt zu haben. Wegen sechs Taten sitzt er bereits lebenslang in Haft.

Er habe aus niedrigen Beweggründen und heimtückisch gehandelt, sagte Oberstaatsanwältin Daniela Schiereck-Bohlmann in der Anklageverlesung. Högel soll Patienten nicht verordnete Medikamente gespritzt haben, die tödliche Komplikationen verursachten. Anschließend versuchte er, seine Opfer wiederzubeleben - was in vielen Fällen misslang. Das Motiv: Langeweile und Geltungssucht vor den Kollegen.

Wegen der vielen Nebenkläger und des großen Medienandrangs hat das Gericht die Verhandlung in eine Kongresshalle verlegt. Am Dienstag erschienen jedoch nicht alle der mehr als 120 Nebenkläger. In den reservierten Platzreihen blieben viele Stühle leer. Der Prozess ist komplex und aufwendig. Die Staatsanwaltschaft benannte 23 Zeugen und 11 toxikologische und rechtsmedizinische Sachverständige.

Vor Beginn des Prozesses bat der Vorsitzende Richter Sebastian Bührmann alle Anwesenden, zu einer Schweigeminute aufzustehen. «Alle ihre Angehörigen haben es verdient, dass man ihnen in Ehren gedenkt», sagte Bührmann. Dies sei unabhängig davon, ob Högel etwas mit deren Tod zu tun habe oder nicht. «Wir werden uns bemühen und mit allen Kräften nach der Wahrheit suchen», versprach Bührmann.

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