Eurocity nach Kopenhagen

Dänemark-Züge ohne Halt in SH? Bundespolizei kritisiert Bahn

Henning Baethge/shz.de
Flensburg
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Foto: dpa (Symbolfoto)

Grenzschützer fordern für Kontrollen auch künftig Stopps der Eurocitys Hamburg-Kopenhagen im Land.

Nach mehreren Politikern kritisiert jetzt auch die Bundespolizei die Pläne der Deutschen Bahn, die Züge zwischen Hamburg und Kopenhagen bald ohne Halt durch Schleswig-Holstein rollen zu lassen.

Die derzeit noch über Fehmarn fahrenden Eurocitys werden ab Dezember wegen Bauarbeiten an den Gleisen zum künftigen Belttunnel über Flensburg umgeleitet – sollen aber zum Unmut der Bundespolizei nicht in der Stadt an der dänischen Grenze stoppen.

Bundespolizei ist auf Halte angewiesen

„Für die Bundespolizei ist der Halt von grenzüberschreitenden Zügen am jeweiligen deutschen Grenzbahnhof grundsätzlich von polizeilichem Interesse“, sagt Torsten Tamm, Sprecher der Bundespolizei.

Zwar gibt es von deutscher Seite keine permanenten Kontrollen in den Zügen von und nach Dänemark. Doch zumindest „stichprobenartig“ überprüfe man Fahrgäste, erklärt Tamm. Das sei nötig, „um irreguläre Einreisen festzustellen“ – also wenn Menschen ohne Papiere kommen.

Letztes Jahr registrierte die Bundespolizei laut bisher unveröffentlichten Zahlen des Bundesinnenministeriums 1453 solcher Fälle an der deutsch-dänischen Grenze, im Jahr zuvor waren es 1783. Nicht zuletzt für diese Kontrollen halten die Züge daher auf den aktuellen deutsch-dänischen Verbindungen im Land.

So kann die Bundespolizei auf der Linie Kopenhagen-Hamburg derzeit zwischen Puttgarden und Oldenburg Pässe überprüfen. In den Zügen von Aarhus nach Hamburg sind Kontrollen beim Halt in Flensburg machbar.

Bahn ruderte zurück

Für die längeren Züge von Kopenhagen nach Hamburg aber würde ein Stopp in Flensburg womöglich nicht ausreichen. Dann müssten die Eurocitys noch einmal halten, etwa in Schleswig – damit die Grenzschützer wieder aussteigen können.

Dass bisher gar kein Stopp im Land für die täglich je drei Eurocitys in jede Richtung geplant ist, begründet die Bahn mit der Auslastung der Trasse Flensburg-Hamburg. Die Strecke sei „stark frequentiert, so dass ein Halt nicht realisiert werden kann“, sagte ein Bahnsprecher vor zwei Wochen.

Allerdings ruderte er tags darauf nach Protesten aus der Politik zurück und teilte mit, eine Entscheidung sei „noch nicht gefallen“. Zur Forderung der Bundespolizei nach einem Stopp in Flensburg sagt eine Bahnsprecherin jetzt nur, dass „derzeit alle Einzelheiten zwischen den Beteiligten abgestimmt“ würden.

DSB ist kooperativer

Auch die dänische Polizei meldet schon mal an, dass sie für die Züge nach Kopenhagen einen Halt nördlich der Grenze braucht, etwa in Padborg. „Wir gehen davon aus, dass wir mit unseren zufälligen Grenzkontrollen auch diese Züge erfassen werden – wie schon heute jeden Zug aus dem Süden“, sagt Reichspolizei-Sprecher Thomas Rudbeck.

Die Dänische Staatsbahn DSB ist dazu bereit: „Wenn die Behörden einen Halt an der Grenze wollen“, sagt DSB-Sprecher Tony Bispiskov, „werden wir den einrichten.“

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