Walsichtung

Zehn Meter langer Wal in der Eckernförder Bucht gesichtet

Zehn Meter langer Wal in der Eckernförder Bucht gesichtet

Zehn Meter langer Wal in der Eckernförder Bucht gesichtet

Gernot Kühl/shz.de
Eckernförde
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Majestätisch: Ein Finnwal durchkreuzt den Ozean und bläst seine Fontäne in den Himmel. So ein Exemplar oder auch ein Buckelwal könnte sich derzeit in der Eckernförder Bucht aufhalten. Foto: WWF/Mark Carwardine

Ein Vogelbeobachter hat am Sonntagvormittag vor Lindhöft die Rückenflosse und den Blas eines großen Wals entdeckt.

Hat das Sturmtief einen großen Wal in die Eckernförder Bucht getrieben? Es gibt eine erste Sichtung vom Sonntag: Um kurz nach 10 Uhr hat ein Vogelbeobachter mit einem Fernglas an der Eckernförder Bucht von Lindhöft aus einen großen Wal gesehen, den er nicht bestimmen konnte, teilte die Leiterin der Nabu-Landesstelle Schweinwalschutz, Dagmar Struß, auf Nachfrage unserer Zeitung mit.

Zehn Meter lang und ein beeindruckender Blas

Die Sichtung sei angesichts des Wellengangs und der Gischt „echtes Glück“ gewesen, gab die stellvertretende Nabu-Landesvorsitzende den Bericht des Vogelbeobachters wieder. „Offenbar beobachtete er gerade in die Richtung.“ Die Sichtung erfolgte etwa 300 Meter entfernt, nach Schätzung des Beobachters soll der Meeressäuger etwa zehn Meter lang gewesen sein. Er sei nur einmal für einen kurzen Moment aufgetaucht und habe dabei „einen beeindruckenden Blas gezeigt“. Dabei sei auch die Rückenflosse (Finne) deutlich sichtbar gewesen.

Walexperten gehen mit einer "gewissen Wahrscheinlichkeit" von einem Finnwal aus

Dagmar Struß hält es ebenso wie der Walexperte Dr. Andreas Pfander „mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit für möglich, dass es sich um einen Finnwal handelt“, bestätigen könnten sie es jedoch aufgrund der noch spärlichen Informationslage nicht. Am späten Nachmittag meldete sie, dass es sich auch um einen Buckelwal handeln könnte.

Auf den Spuren der ersten Heringsschwärme

Walexpertin Struß geht davon aus, dass sich der Wal „nicht verschwommen“ hat, sondern möglicherweise den ersten Heringsschwärmen hinterhergezogen und so in die Eckernförder Bucht gezogen ist. Sie berichtete weiter, dass der dänische Walexperte Carl Kinze sie bereits am 17. Januar von Sichtungen „eines großen Wals im Langeland-Belt“ unterrichtet hat, der dann in Richtung deutsche Ostseeküste weitergezogen sei. Dabei könne es sich um das gleiche Tier handeln, dass am Sonntagvormittag in der Eckernförder Bucht gesichtet wurde.

Nabu bittet um Mitteilung weiterer Wal-Sichtungen

Dagmar Struß bittet darum, ihr weitere Wal-Sichtungen unbedingt mitzuteilen: Nabu-Landesstelle Schweinswalschutz in Neumünster, Tel. 04642/925412, Mail Dagmar.Struss@NABU-SH.de.

Ein Finnwal schwimmt am 16. August 2006 in der Flensburger Förde. Foto: dpa

Vor sechs Jahren hatte es die letzte Sichtung eines Finnwals in der Eckernförder Bucht gegeben. Am 1. Mai 2015 hat ihn der Präparator und Mitarbeiter des Ostsee Info-Centers (OIC), Oliver Graßmann, erstmals etwa 200 Meter vom Ufer entfernt vom OIC aus gesichtet. „Das Wasser wurde auf einmal so blubberig, als ob Taucher eine Party feiern würden“, beschrieb Oliver Graßmann die Szenerie damals. Das Blubbern dürften die Luftbläschen gewesen sein, die Finnwale wie einen Zaun um einen Fischschwarm setzen, um ihn zu fixieren und dann mit seinem großen Maul zu verschlingen. Dann schwamm der Wal schräg in Richtung Ufer auf den OIC-Mitarbeiter zu, kam an die Oberfläche und stieß eine Blaswolke aus. Graßmann schätzt den Körperdurchmesser auf zwei Meter, was auf eine Körperlänge über zehn Metern schließen lässt.

Die Wasseroberfläche war hell, plötzlich wurde es schwarz, und der Wal tauchte für wenige Sekunden auf.

Eckhard Michelsen, Eckernförder Fischer

In der Folge hatten mehrere Augenzeugen die Sichtung bestätigt. Fischermeister Eckhard Michelsen hat den Wal am 4. Mai 2015 um kurz nach 11 Uhr von der Strandpromenade aus in Höhe der Galerie Nemo in etwa 300 Metern Entfernung entdeckt. „Die Wasseroberfläche war hell, plötzlich wurde es schwarz, und der Wal tauchte für wenige Sekunden auf“, berichtete Michelsen. Auch am 1. Mai war er unterwegs, diesmal mit seinem Kutter „Ecke 4“ und Gästen an Bord. Und die, so der Fischermeister, „haben alle den Wal gesehen“, nur er und sein Sohn nicht: „Wir haben wohl in die falsche Richtung geguckt“, meinte er damals.

Angler aus dem Emsland macht Wal-Video

Die Identifizierung „Finnwal“ geht besonders gut aus dem Video hervor, das Angler Markus Tombrink am 1. Mai mit seiner Handykamera gemacht hatte. Der Emsländer war mit Freunden auf einem Angeltrip in Eckernförde und war am Nachmittag gegen 16 Uhr mit einem Angelboot und den Kollegen Christian Nüsse und Wilfried Rosteck auf der Bucht zwischen Marinehafen und Steilküste Altenhof unterwegs, als plötzlich direkt vor dem Bug ein Wal zum Ausblasen an die Oberfläche kam.

Das Trio traute seinen Augen nicht. Aber der Wal war schnell wieder verschwunden. Aber nur für drei bis vier Minuten, dann tauchte er steuerbord in etwa 20 Metern Entfernung für drei Sekunden wieder auf. Doch diesmal hatte Markus Tombrink sein Handy gezückt und den Moment des auftauchenden Finnwals für die Nachwelt und als Beweis festgehalten, kein Anglerlatein zu erzählen. Großer Jubel, als der mächtige Rücken des etwa zehn Meter langen Meeressäugers die Wasseroberfläche durchbrach und für ein paar Sekunden sichtbar wurde, welch gewaltiges Tier unter Wasser nach Heringen und Sprotten jagt. Und wenige Minuten später war der Wal ein drittes Mal innerhalb weniger Minuten präsent. Diesmal in Höhe des Marinehafen, wo er eine große Dunstwolke ausstieß.

Finnwale sind exellente und schnelle Schwimmer auch in flacheren Gewässern

Walexperte Dr. Andreas Pfander hatte sich das Video von Markus Tombrink ebenfalls angesehen. Er schätzt den jungen Finnwal auf zehn bis elf Meter. Die geringe Tiefe der Eckernförder Bucht sei „kein Problem“. Finnwale seien exzellente und schnelle Schwimmer, die den Heringsschwärmen folgen und auch ihren Weg aus der Bucht heraus finden werden.

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Leitartikel

Siegfried Matlok
Siegfried Matlok Senior-Korrespondent
„Mission ,neuer Hermann’“